QA – Einblicke: Patientin, 62 Jahre alt

Der Bildband „QA – Einblicke“ von Rasso Bruckert konfrontiert den Betrachter mit Eindrücken einer Station für Querschnittgelähmte der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Hierher kommen Patienten, wenn nach einem traumatischen Ereignis nichts mehr scheint, wie es mal war.

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Der-Querschnitt.de zeigt Fotos und Texte, die für den 2004 erschienen Bildband entstanden sind, in Auszügen. Manchmal sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen fast erschreckend intim und ernüchternd, andere voller Optimismus, aber immer sind sie ungeschönt und echt.

Sie zeigen die radikal veränderte Situation, in der Frischverletzte sich übergangslos wiederfinden, genauso wie den Alltag der Pflegekräfte, Psychologen oder Physiotherapeuten auf der Station.

Für Der-Querschnitt.de wurde das Bildmaterial stellvertretend für die gewählten Textpassagen aus vielen Bildern ausgesucht. Die Personen auf den Fotos sind nicht zwangsläufig identisch mit denen, deren Aussagen protokolliert wurden. Auch der Bildband stellt hier keine direkten Bezüge her.

Patientin, 62 Jahre alt:
„Ich hatte einen Skiunfall. Kopf voraus in einen Schneehaufen. Ja, dann war also wirklich alles ganz leicht und ich bin mir vorgekommen wie ein Vogel ohne Kopf.

Es ist relativ rational abgelaufen. Muss ich echt sagen. Ich habe nun natürlich seit diesem Knacken im Nacken gedacht, dass ist natürlich das Höchste, was man als Lähmung kriegen kann. Das war so ein Gedanke und der andere war, jetzt wird sich alles ändern.

Der erste Gedanke war, wieso hast du das nicht vermeiden können.

Es ist passiert. So, jetzt musst du damit leben. Und nachdem natürlich gar nichts zu bewegen war und ich da wirklich wie so ein armes Würstchen richtig steif im Bett lag, tagelang auf dem Rücken, da habe ich also schon überlegt, wo ich die nächste Pistole vielleicht herkriege. Um dann gleich nachzudenken, du kannst ja noch nicht mal abdrücken. Aber, das ist ein Gedanke, ich glaube, den hat irgendwann jeder mal. Und der ist auch relativ schnell vorbei gegangen, letzten Endes auch nachdem mein Mann gekommen war.

005_051 neuDer Unfall ist jetzt auf den Tag sechs Wochen her. Wenn ich mir überlege, was in der Zeit eigentlich sich alles zum Positiven geändert hat, dann kann ich ja zufrieden sein. Ich kann also beide Arme voll bewegen, die linke Hand ist eigentlich voll gebrauchsfähig.

Jeder muss was für dich tun, weil du dich ja gar nicht bewegen kannst. Also, sei froh, dass es jemanden gibt, der das alles für dich macht. Und alles andere habe ich verdrängt. Auch bis jetzt. Also, es macht mir auch überhaupt nichts aus, ob ich von einem Mann kathetert werde, oder ob der mir auf der Toilette hilft.

Ach nein, es ist ganz klar, dass ich im Moment nicht zu Hause sein könnte. Und ich will auch gar nicht nach Hause.

Meine größte Angst wäre, dass ich in meinem künftigen Leben nur auf den Rollstuhl angewiesen wäre. Ich hoffe eigentlich immer noch, dass ich irgendwie zum Laufen komme.“

 

 

Bild QA32 Copyright Rasso Bruckert, MauerRasso Bruckert/Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten Deutschland e.V. (Hrsg.): QA – Einblicke in eine Station für Querschnittgelähmte der Orthopädischen Universitätsklinik in Heidelberg / Schlierbach, Humanis Verlag, Neustadt an der Weinstraße, 2004.

 

www.rasso-bruckert.de (Siehe auch: Mit Leib und Seele – der Fotograf Rasso Bruckert)

www.fgq.de