Kefty – Muskeltraining für Rollstuhlfahrer

Wer es zeitlich nicht schafft für sein tägliches Workout ins barrierefreie Fitness-Studio zu gehen, keines in zumutbarer Nähe hat oder wer die monatliche finanzielle Belastung einer Mitgliedschaft scheut, hat verschiedene Möglichkeiten ein Muskeltraining zu Hause durchzuführen. Eine davon heißt Kefty.

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kefty collage4Kefty ist ein Fitnessgerät, das zunächst ganz konventionell daher kommt. Als Zielgruppe definieren die Hersteller „jeden, der etwas für seine Gesundheit und Fitness tun sowie Fett ab- und Muskeln aufbauen möchte“. Die üblichen Werbeschlagwörter für Heim-Fitnessgeräte also. Was das Gerät jedoch für Rollstuhlfahrer wirklich überlegenswert macht, ist, dass es zum einen sehr anwenderfreundlich ist und zum anderen den Rollstuhl in das individuelle Training einbezieht.

  • Das Kefty wiegt etwas mehr als zwei Kilogramm und kann somit auch bei geringer Kraft der oberen Extremitäten benutzt werden.
  • Die Griffe lassen sich bei einem Durchmesser von ca. 4,5 cm einfach halten.
  • Bei den Übungen kann das Gerät abhängig von der Muskelgruppe, die trainiert werden soll, hinter die Rückenlehne oder die Fußraste geklemmt werden.
  • Die Widerstände, gegen die man beim Training mit dem Kefty arbeiten muss, können an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden. Spezielle Therapiebänder bieten einen viel geringeren Widerstand, als die Standardbänder, die fortgeschrittene Nutzer verwenden.

Das Workout

Natürlich sind die Übungen, die man mit Kefty machen kann, individuell abhängig von Läsionshöhe, aktiven Muskelgruppen, Rumpfstabilität und der Funktion der oberen Extremitäten. Laut Herstellerseite nutzen Tetraplegiker bis zu einer Läsionshöhe von C6 und Spina Bifida Patienten (ohne Angabe von Läsionshöhe) Kefty erfolgreich.

Je nach persönlicher Verfassung gibt es verschiedene Übungen, die mit Kefty im Rollstuhl ausgeführt werden können, z. B. Übungen zur Kräftigung von Schulter (Military Presses), bei denen das Gerät zur Stabilisierung hinter dem Rollstuhl eingehakt wird, sowie Anwendung zum Training der Arm-, Bauch-, Brust- und Rückenmuskulatur wie in der Abbildung (r.) beispielhaft dargestellt.

Für ein Video (des Herstellers und in englischer Sprache) das zeigt, wie ein Training mit dem Gerät aussehen kann, siehe: Anleitungsvideo unten. Da das Model im ersten Video nicht querschnittgelähmt ist, ist es kaum repräsentativ und viele Übungen sind höchstens für Menschen mit tiefer Rückenmarksverletzung geeignet.

Eine Rollstuhlfahrerin zeigt (ebenfalls in englischer Sprache)  ihr Workout hier: Wendy using Kefty

In deutschen Fitnessstudios (oder Wohnzimmern) haben wir Kefty noch nicht gesehen, aber Physiotherapeuten bestätigen, dass dieses Gerät eine denkbare und gute Alternative bzw. eine Ergänzung zum Workout an teuren Geräten oder Training mit Schwingstab und Thera-Band sein kann.

Hinweis

In jedes Training – unabhängig von Methode und dem verwendeten Fitnessgerät – sollten Nutzer immer von einem Physiotherapeuten eingewiesen werden. Dadurch stellt man sicher, dass man zum einen die Übungen so gewinnbringend wie möglich durchführt und zum anderen, dass man dabei nichts falsch macht. D. h. dass man etwa die Muskeln einseitig belastet und dadurch einen negativen Trainingseffekt hervorruft. Übungen zum Training der Bauchmuskeln z. B. sollten immer mit entsprechenden Übungen zum Aufbau der Muskeln in Rücken und Schultern ausgeglichen werden.

Kosten

Das Kefty Trainingsgerät kostet 148 US$ (ca. 109 €) inkl. Versand nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

(Update 2016: Der Hersteller hat seine Webpräsenz gelöscht. Ob die Produktion eingestellt worden ist oder nur ein Umzug stattfindet lässt sich derzeit nicht sagen.)

Im Vergleich dazu:

Die ebenfalls (wenn auch für andere Übungen und Muskelgruppen) für ein Training im Rollstuhl geeigneten Schwingstäbe gibt es in verschiedenen Größen schon ab ca. 8 Euro, Thera-Bänder ab ca. 4 Euro.

Der speziell für Rollstuhlfahrer entwickelte Heimtrainer Vitaglide (Video) kostet ab 950 US$ (ca. 700 €).

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