Die Triathlon Chroniken II – Der Rennrollstuhl aus der Hölle

Das Fahren in einem Rennrollstuhl ist eine Kunst für sich, wie Geoffrey Matesky beim Training für den Triathlon, zu dem er sich voreilig angemeldet hatte, herausfand. Nicht nur, dass Körperhaltung und Antrieb ganz anders sind als im Alltagsrollstuhl; man muss in das höllische Gefährt auch rein und wieder raus kommen….

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„Nach ein paar Monaten melde ich mich mal wieder und kann glücklich mitteilen, dass ich nicht bei dem Versuch meine lang vernachlässigten Schwimm-Muskeln auf Vordermann zu bringen im örtlichen Trainingspool ertrunken bin. Es ist mir auch gelungen, ganz ansehnliche Strecken mit meinem uralten Handbike zu fahren, und mit einer aufgemotzten und gut geölten RSX Schaltung bediene ich problemlos alle drei Kettenringe. Das Training läuft also gut und wenige Wochen vor dem Rennen, hab ich FAST alles unter Kontrolle.

Das ‚fast‘ bezieht sich in diesem Fall auf den Rennrollstuhl-Teil des Triathlons. Ich war schon am Verzweifeln und dachte ich müsste meinen Alltagsrollstuhl für das 3-Meilen Rennen benutzen, aber dann hat mir ein Bekannter netterweise seinen Ersatz-Rennrollstuhl geliehen. (Für alle die es nicht wissen: Rennrollstühle sind diese stromlinienförmigen Rollstühle mit drei Rädern und Frontsteuerung, dünnen Reifen und noch dünneren Greifreifen. Siehe: Sportrollstühle) Jetzt ist also alles geregelt… meinte ich zumindest – aber da hatte ich den Rennrollstuhl noch nicht ausprobiert.

Wie schwer konnte das schon sein? dachte ich. Ich setze mich in diesen coolen Rennrollstuhl und tue das was ich seit über 26 Jahren jeden Tag tue – ich treibe ihn an! Nur, dass ich in diesem Ultra-Leicht-Modell fliegen werde wie ein Vogel. Ich konnte schon fast das Rauschen des Windes und den Jubel der Zuschauer hören, während ich auf die Ziellinie zurase. Tja, und dann machte ich mich auf zu meiner ersten Fahrt im Rennrollstuhl, und – oh Mann – lag ich falsch. Das würde überhaupt nicht einfach werden…

Es ist nicht so leicht wie es aussieht.

Meinen erster Versuch den Rennrollstuhl zu fahren, startete ich vor ein oder zwei Wochen, gemeinsam mit den Helfern, die mich auch während des Rennens unterstützen werden. Bevor sie mich in den Rennrollstuhl setzten, war mir überhaupt nicht klar gewesen, dass man in diesem Sportgerät nicht wirklich sitzt, wie in einem gewöhnlichen Rollstuhl, sondern dass man mehr oder weniger darin kniet. Wie einfach ist es in so eine Position zu kommen, wenn der Körper unterhalb Th6 komplett gelähmt ist? Wenn man meinen ersten Versuch als universalgültiges Beispiel ansehen mag, ist es so gut wie unmöglich! Beschämend hinzu kam, dass ich, als ich erst mal in diesem Rennrollstuhl aus der Hölle Platz genommen und den Kopf gehoben hatte, um etwas geistreiches zu sagen, sofort wieder umfiel, weil das Vorderrad so wackelig war.

Wenn man dann auf der Straße ist, besteht der Trick darin, nach vorne gebeugt auf den Knien zu bleiben und den Kopf unten zu halten, während man mit kurzen Bewegungen nach unten die superschmalen Greifreifen antreibt. Das ist einfacher gesagt als getan und eine komplett andere Bewegung als beim Antreiben eines Alltagsrollstuhls. Ich muss also zugeben, Rennrollstuhl fahren ist eine Kunst für sich. Und es bedarf Monate harten Trainings sie zu meistern. Ganz zu schweigen von der Technik, die das Team sich aneignen muss, damit die Helfer den Rennrollstuhlfahrer möglichst schnell in das Ding rein und wieder raus kriegen – dazu braucht man einen Willen über das Maß des Üblichen hinaus.

Voraussichtlich wird dies also das schwächste Glied in der Kette sein: das 3-Meilen Rennen im Rennrollstuhl. Denn am Tag des Triathlons, der sich unaufhaltsam nähert, werde ich, was das Meistern angeht, höchstens eine Gesellenschaft vorzuweisen haben. Natürlich freue ich mich auf diese außerordentliche Herausforderung und über die wertvollen Lektionen, die ich lernen kann. Aber falls irgendwelche erfahrenen Rennrollstuhlfahrer da draußen dies lesen und Mitleid mit mir haben sollten, so würde ich mich freuen, wenn die alten Hasen mich wissen lassen könnten, wie sie das mit dem Ein- und Aussteigen hinkriegen. Bestimmt gibt es da irgendwelche Hilfsmittel, Tricks und Techniken, auf die ich alleine nie kommen würde.“

Siehe auch:

Die Triathlon Chroniken I – Wie eine Ente im Wasser

Die Triathlon Chroniken III – Flügel für Rollstuhlfahrer

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