Mit Querschnittlähmung auf Reisen: Brasilien im Blog

Dimitrios Tsiropoulos weilte in Brasilien. Der Anlass: Die Fußball-WM 2014.  Sein Gast-Zimmer lag im ersten Stock, und ins Bad kam der Rollifahrer noch weniger als ins Bett. Wenn er duschen wollte, benutzte er den Gartenschlauch. Es ging ja schließlich um Fußball. Was sonst noch so ging, postete er in seinem Blog „Kopeli on Tour“.

„Ich habe sogar Männer weinen sehen“, schreibt Dimitrios Tsiropoulos, alias „Kopeli“, über das Spiel Brasilien gegen Chile, das er in einer Strandbar auf Großbildleinwand gesehen hat – bis zum aus brasilianischer Sicht süßen Ende. Darauf gab’s Jubel, Kokosmilch und gute Bekanntschaften: „Am Abend habe ich hier einen Brasilianer im Rollstuhl getroffen und mich mit ihm über unterschiedliche Themen unterhalten.“

Hilfsbereitschaft und Temperament

Am 27. Juni ist Kopeli mit zwei Helfern in Fortaleza gelandet. Für drei Wochen lässt er die Leser seines Blogs an den Erlebnissen in Südamerika teilhaben, am brasilianischen Lebensgefühl, an den Erfahrungen in Sachen Barrierefreiheit und natürlich am Fußball. Das Achtelfinale Niederlande gegen Mexiko hat er sich im Stadion angesehen, bewaffnet mit einer Sprühflasche gegen die dennoch beachtlichen Temperaturen und koffeinhaltigen Erfrischungssubstanzen. Zu seinem Bedauern verlor Mexiko das Spiel: „Leider sind sie dann am Schluss in die Defensive gegangen und Holland konnte mit Roben genug Druck in der Offensive aufbauen. Und vor allem einen Elfmeter rausholen.“ Neben Kommentaren zu den Spielen berichtet Kopeli aber auch von elektrischen Rampen im öffentlichen Nahverkehr, hilfsbereiten Brasilianern und der richtigen Technik, um der nicht immer sehr rolligerechten Lage Herr zu werden. Dazu gibt`s jede Menge Fotos vom Strand und Nachtleben und auch mal eine Videobotschaft, z. B. über die Vorbereitung der Fernreise.

Improvisation ist alles

Vor 20 Jahren hatte Tsiropoulos einen schweren Verkehrsunfall mit der Folge einer Tetraplegie und zog nach der Reha aus dem Sauerland nach Heidelberg, um sich dort umschulen zu lassen. Der ehemalige Hotelfachmann engagiert sich heute u. a. im Beirat von Menschen mit Behinderungen der Stadt Heidelberg. Nebenbei spielt er Rollstuhlrugby und reist durch Europa und die Welt. Die Berichte stellt er ins Netz, um anderen Mut zu machen. Österreich, Italien, Slowenien, Griechenland hat er schon bereist und jetzt Brasilien; er war Paragliden und Segeln, trotz der 24-Stunden Assistenz, die er braucht. Die Unterkünfte sind so unspektakulär wie bei anderen Reisenden auch: Hostels, Campingplätze oder wie gerade am Zuckerhut eine Art Couchsurfing. Dass die Couch bzw. sein Bett im ersten Stock steht, scheint weder Kopeli noch seine Assistenzkräfte zu stören: „Das heißt Improvisation, sprich: Barrieren mit menschlicher Hilfe überwinden und unkonventionelle Lösungen für Probleme finden“, kommentiert er unbekümmert – alles eine Frage des Schwungs. Das Reisen sei immer sein Wunsch gewesen, erzählt er, und dass es Zeiten gab, in denen er glaubte, das sei nie mehr möglich. „Allein dadurch, dass ich gesehen habe, dass es andere auch gemacht haben, irgendwie, irgendwo, irgendwann, habe ich den Mut bekommen, es auch zu probieren.“

Und jetzt sitzt er mit einem tropischen Drink vor einer Kulisse, die direkt aus dem Reisekatalog stammen könnte: Meer und Sandstrand leuchten in der Sonne, der lange Strand scheint nur ihm und seinen Leuten zu gehören, man hört quasi die Wellen rauschen. „Ich hoffe, dass ich einige ermuntern und ermutigen kann! Reicht euch einfach die Hand und ihr werdet sehen – es findet sich immer ein Weg!“

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