Ursachen für eine Querschnittlähmung

In Deutschland gibt es ca. 140.000 Menschen mit Querschnittlähmung; ca. 2.350 neue Fälle kommen jährlich hinzu. Akute Rückenmarksverletzungen waren 2018 in Deutschland am häufigsten krankheitsbedingt und verdrängen die unfallbedingten Querschnittlähmungen erstmals auf Platz zwei.

Eine Querschnittlähmung kann verschiedene Ursachen haben. Unterschieden wird grundsätzliche zwischen der angeborenen und der „erworbenen“ Querschnittlähmung durch Krankheiten oder ein plötzliches traumatisches Ereignis.

Während die Zahl unfallbedingter Querschnittlähmungen in Deutschland in den letzten Jahren gesunken sind, nimmt die Zahl von Menschen mit krankheitsbedingten Querschnittlähmungen stetig zu. Laut dem Arbeitskreis Querschnittlähmung des DGUV BG Klinikum Hamburg liegt der Anteil nicht unfallbedingter Rückenmarksverletzungen 2018 bei ca. 55% und der Anteil unfallbedingter Verletzungen bei ca. 45%.

Traumatische bzw. unfallbedingte Querschnittlähmungen

Verletzungen der Wirbelsäule durch Unfälle oder Stürze (Trauma, griechisch = Wunde) bestehen in erster Linie in Wirbelbrüchen und/oder Luxationen (Verrenkungen). Der Druck auf das Rückenmark führt letztlich zur Schädigung von Nerven mit der Folge einer Lähmung. Selten kommt es zur völligen Unterbrechung der Nervenbahnen.

Speziell bei älteren Menschen können es auch Stürze sein, die das Rückenmark quetschen und inkomplette Querschnittlähmungen nach sich ziehen. Diese können meist konservativ, also ohne Operation, behandelt werden, wenn das Rückenmark nur geringfügig geschädigt ist. „Dabei ist zu beachten, dass auch eine Rückenmarksquetschung zu einer, auch auf Dauer bleibenden, kompletten Querschnittlähmung führen kann (nicht muss), obwohl die Kontinuität nicht unterbrochen ist“ (Flieger, 2012).

Unfallbedingte Querschnittlähmung in Zahlen

Die Zahl unfallbedingter Querschnittlähmung ist aufgrund besserer Präventionsmaßnahmen (z. B. Sicherheitsgurte, Airbag und Rückenprotektoren) deutlich gesunken und ist 2018 erstmals nicht mehr auf Platz eins der Ursachenliste. Zu nicht mehr ganz der Hälfte der Querschnittlähmungen in Deutschland kommt es aufgrund von Unfällen bzw. Stürzen. In absteigender Häufigkeit sind das:

a. Verkehrsunfälle mit 15%
b. Sportunfälle mit 10%
c. Sonstige Unfälle mit 9%
d. Arbeitsunfälle mit 7%
e. Badeunfälle 4% (Gem. PM, 2019)

Nichttraumatisch bedingte Querschnittlähmungen

Darunter versteht man alle krankheitsbedingten Lähmungen, die durch Druck auf das Rückenmark entstehen oder direkt im Rückenmark verursacht werden. Ursachen können sein:

  • Degenerative Erkrankungen
  • Tumorerkrankungen
    • Auch das Risiko an Krebs zu erkranken steigt mit zunehmendem Alter. Tumore an der Wirbelsäule können in den Knochen- oder (seltener) den Nervenstrukturen vorkommen und Druck auf das Rückenmark ausüben. Auch Rückenmarkskrebs selbst kann auftreten, meist in Verbindung mit einer anderen, bereits vorhandenen Krebserkrankung (Metastasen)(Gem.PM, 2019).
  • Durch ärztliche Behandlung verursachte Rückenmarksschädigungen

Krankheitsbedingte Querschnittlähmung in Zahlen

Der Anteil der krankheitsbedingten Querschnittlähmungen steigt kontinuierlich. „Dies ist sicher der höheren Lebenserwartung der Menschen insgesamt geschuldet, was sich auch am steigenden Anteil alter und sogar sehr alter Menschen an den frisch Querschnittgelähmten manifestiert“ (Flieger, 2012).

Prozentzahlen zu den einzelnen Urschen liegen nicht vor, doch lag der Anteil der nicht unfallbedingter Rückenmarksverletzungen 2018 bei ca. 55% bei einem Gesamtwert von ca. 2.350 neuen Querschnittlähmungen im Jahr (Gem. PM, 2019).

Angeborene Querschnittlähmungen

In seltenen Fällen kommt es durch Missbildungen der Wirbelsäule während der embryonalen Phase zu angeborenen Querschnittlähmungen. Dabei ist genau genommen die Fehlbildung des Neuralrohrs, die Spina bifida, nur die Ursache für das Querschnittssyndrom: „Die Verschlussstörung des Neuralrohres in der Embryonalzeit führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Querschnittlähmung, welche bei der Geburt vorliegt“ (Zäch/Koch, 2006). Spina bifida wird dennoch häufig synonym als „angeborene Querschnittlähmung“ bezeichnet.

Bei einer Spina bifida (lat. spina = Stachel, bifidus = gespalten) schließt sich das Neuralrohr, das in der weiteren Entwicklung zum Rückenmark wird, nicht wie vorgesehen. Es bleibt ein Wirbelspalt offen. Das allein muss keine Beeinträchtigungen bedeuten und kann, wie bei der Spina bifida occulta, völlig unbemerkt bleiben. Zu einer Querschnittlähmung kommt es erst, wenn Nerven durch die Fehlbildung in Mitleidenschaft gezogen werden: Bei der Meningomyelocele (MMC) treten das Rückenmark (Myelon) und Rückenmarkshäute (Meningen) durch den Spalt in der Wirbelsäule in einer sichtbaren Blase nach außen. Daher ist diese Form der Spina bifida im Sprachgebrauch mit einem „offenen Rücken“ assoziiert. Die Öffnung des Rückens muss sofort nach der Geburt operativ geschlossen werden (Wikipedia, 2015).

Angeborene Querschnittlähmung in Zahlen

Angeborene Querschnittlähmungen kommen im Vergleich mit den traumatischen und krankheitsbedingten Rückenmarksverletzungen sehr selten vor. Mädchen sind hiervon etwas häufiger betroffen als Jungen. In Mitteleuropa tritt eine Spina bifida durchschnittlich bei einem von 1.000 Kindern auf. Gesicherte Zahlen liegen nicht vor, doch Schätzungen gehen davon aus, dass der Anteil von angeborenen Querschnittlähmungen bei unter 1% der Gesamtzahl liegt (Gem. PM, 2019).