Nach Nordeuropa im Rollstuhl

Sie sind berühmt für Möbel, Kinderbücher, Hörnerhelme und Drachenboote. Köttbullar muss man immer aufessen und Elchen darf man nicht dummkommen. Soviel wissen wir über unsere Nachbarn in Dänemark, Schweden, Norwegen und Co. Aber wie rollstuhlfreundlich sind die Länder in Europas Norden?

Bild 61367782 copyright PHB-cz-Richard-Semik, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Der Frage nach barrierefreiem Reisen in Nordeuropa ist auch Matthias Vogl auf seinem Blog Mit dem Rollstuhl nach Norden nachgegangen.

Kopenhagen, Dänemark

Kopenhagen, Dänemark

Es gibt einen Überblick über

  • Fährverbindungen von Deutschland in die verschiedenen skandinavischen Länder
  • Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten (Ausführlichkeit ist von Land zu Land stark abweichend) in
    • Dänemark
    • Finnland
    • Norwegen
    • Schweden
  • Zwei wunderschöne Bildergalerien mit Impressionen zu Vogls Reisen

Die Website selbst stammt wohl noch aus den Kindertagen des World Wide Webs, wie das Design vermuten lässt, aber die Informationen sind zeitlos. Und spannend.

Behindertentoiletten: Wie Sand am Meer

Vogls Leser erfahren z. B., dass es in Skandinavien „Behindertentoiletten wie Sand am Meer gibt“ – auch mitten in der Wildnis. Ganz selbstverständlich kann man davon ausgehen, dass an jede öffentlich zugängliche Toilette automatisch auch eine (unverschlossene) Behindertentoilette angegliedert ist.

Stockholm, Schweden

Stockholm, Schweden

Außerdem unterstreicht der Autor, der seine Reisen nach Skandinavien meist als Road Trips und/oder Campingurlaub bestritt, seinen Eindruck, dass im Alltag in den nordischen Ländern mit Behinderung  selbstverständlicher und unverkrampfter umgegangen wird als anderswo. Vor allen Gebäuden mit Publikumsverkehr seien Rampen zu finden. „Diese Rampen haben zwar nicht immer die in der deutschen DIN-Norm für behindertengerechtes Bauen vorgeschriebenen 6 % Steigung“, so Vogl, „aber der Gedanke ist auch eher, dass eine steile Rampe immer noch besser ist als gar keine Rampe …“  Sollte man als Rollstuhlfahrer eine solche Rampe aus eigener Kraft nicht hochkommen, seien Passanten immer gerne bereit zu helfen.

Gletscher: Selten barrierefrei

Bei den Besichtigungen von Naturattraktionen wird es mit der Barrierefreiheit schon schwieriger, findet Vogl. Viele sind nicht zugänglich für Rollstuhlfahrer obwohl z. B. Campen am Fuße eines Gletschers durchaus möglich ist. Wenn auch irgendwie lebensgefährlich und nicht 100% legal. Vogl erklärt: „Der Jostedalsbre ist mit ca. 1.000 qkm der zweitgrößte Gletscher Europas.  Einige Ausläufer sind recht gut erreichbar, z.B. der Briksdalsbreen. Hier gibt’s die Möglichkeit einer Rollstuhltour zum Gletscherabbruch. Wer will, kann auch mit der Kutsche fahren. Noch besser gefällt mir persönlich der Bøyabreen. Hier kommt man sogar mit dem Auto bis fast an den Gletscherabbruch ran. Camper können hier evtl. halblegal eine Nacht verbringen!? Hab ich damals gemacht – die ständig runter polternden Eismassen waren schwer beeindruckend. Aber: Niemals ins Gletschertor rein gehen – Lebensgefahr!“

Elche und andere Köstlichkeiten

Helsinki, Finnland

Helsinki, Finnland

„Zum Elch hat der Nordmann ein durchaus zwiespältiges Verhältnis: der Schwede hat ihn am liebsten als älg-kalops – Elchgulasch, denn er verursacht v.a. im Winter viele Unfälle und da es wirklich viele gibt, fressen sie teilweise die Wälder kahl. Aber als Touristenmagnet ist er natürlich immer gut“, schreibt Vogl.

Die Frage, ob Elche Rollstuhlfahrern gefährlich werden können, lässt Vogl unbeantwortet. Wohl weil man Elch in freier Wildbahn nur recht selten zu Gesicht bekommt. In der Tiefkühltheke von Supermärkten findet man sie schon häufiger. Genau wie andere Spezialitäten wie Rentierwurst oder Walfleisch, die für den Mitteleuropäer erstmal seltsam klingen. Und dann gibt es noch die anderen Köstlichkeiten aus dem Wasser, z. B. Aal, Hering, Seewolf und Flusskrebse, in Hülle und Fülle. Wenn nicht im Supermarkt, dann auf dem Fischmarkt.

Ist Skandinavien eine Reise im Rollstuhl wert? Vogl, der den Norden nun schon über ein Dutzend Mal bereist hat, findet „Ja!“.

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