(Entero-) Stomaanlage – Operatives Vorgehen zum Darmmanagement

Das Darmmanagement bei Querschnittlähmung kann unter Umständen eine große Herausforderung für Betroffene darstellen, der unterschiedlich begegnet werden kann (siehe: Darmentleerungstechniken). Treten vermehrte Komplikationen auf, ist im Einzelfall das Anlegen eines künstlichen Darmausgangs eine Option.

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Der Begriff (Entero-)Stoma leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Öffnung“ oder auch „Mündung“. In Deutschland gibt es lt. aktuellen Angaben ca. 160.000 Stomaträger, die Anzahl der Stomaträger mit Querschnitt ist derzeit nicht erfasst.

Bei einem sog. künstlichen Darmausgang bzw. Anus präter, wird der Darm über die Bauchwand nach außen geleitet, so dass der Stuhlgang sich nicht mehr im Enddarm sammelt. Um den Ort näher zu bestimmen, an dem der Darm ausgeleitet wird, erhält das Stoma von den Medizinern eine differenzierte Bezeichnung, wie bspw. das Kolostoma. Dieses befindet sich auf Höhe des Kolons bzw. Dickdarms und würde auf dem rechten oder linken Oberbauch austreten. Je nach Indikation gibt es verschiedene Anlageformen eines Stomas. Es kann „doppelläufig“ angelegt werden, das heißt, der Darm wird schlingenförmig aus der Bauchdecke herausgezogen und fixiert. Mit dieser Methode wird ein Rückverlegen möglich gemacht. Bei einer „endständigen“ Anlage wird nur ein Ende des Darms nach außen ausgeleitet und das andere blind verschlossen.

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Die Stuhlkonsistenz ist von der Austrittsstelle des Darms abhängig. Das Ileostoma (Dünndarmausgang) fördert flüssigen bis breiigen Stuhlgang, da im Dünndarm das Wasser nicht vollständig resorbiert werden kann. Im Kolon (Dickdarmausgang) ist der Stuhl bereits breiig bis geformt, das ermöglicht entleerungsfreie Intervalle, die mit gezielten Abführmaßnahmen verlängert werden können.

Indikationen für eine Stomaanlage

Während ein Stoma für viele Betroffene eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität bedeutet, ist es für andere mit entsprechend leidvollen Erfahrungen bei der Ausscheidung eine enorme Steigerung ihrer Lebensqualität. Die Indikationen für eine Stomaanlage bei Querschnittlähmung sind vielfältig. Vorrangig sind medizinische Indikationen durch pathologische Veränderungen im Enddarmbereich, wie Analabszesse oder dadurch hervorgerufene Analfisteln. Mitunter kann es auch förderlich sein, die Haut von Stuhlinkontinenz zu entlasten und mit einer Stomaanlage die Heilung eines Druckgeschwürs (Dekubitalulzera) im Analbereich zu fördern. Für andere Querschnittbetroffene indizieren soziale Faktoren diesen operativen Eingriff. Im Fokus steht die Selbstständigkeit, so entfällt z. B. der Transfer zur Toilette und das Handling in der Versorgung wird erleichtert, da nur die Bauchdecke mit den Händen erreicht werden muss. Und das Leiden an unkontrolliertem Stuhlabgang (Stuhlinkontinenz) lässt sich in den Augen mancher besser steuern.

Mögliche Komplikationen einer Stomaanlage

Bild 103214057 copyright blamb, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comAuch die Stomaanlage birgt die eine oder andere Komplikationsgefahr. Am häufigsten entsteht ein sog. Prolaps, das heißt, der Darm beugt sich rüsselartig aus der Bauchdecke hervor. Bei einer Hernie wölbt sich die ganze Bauchdecke der betroffenen Körperseite vor. Kann der Stuhlgang nicht mehr über das Stoma austreten, weil sich der Eingang so verengt hat, hat sich eine Stenose gebildet. Diese Komplikationen müssen operativ beseitigt werden. Kritisch sind außerdem Komplikationen aufgrund der Lage des Stomas, z. B. in einer Bauchfalte, so dass im Sitzen das Versorgungssystem sich löst. Daneben können Hautläsionen aufgrund von Pilzinfektionen oder Unverträglichkeiten gegenüber den Materialien des Versorgungssystems auftreten.

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