Die rollstuhlgerechte Zugänglichkeit von Arztpraxen in der Kritik

Um die rollstuhlgerechte Zugänglichkeit von Arztpraxen ist es in Deutschland schlecht bestellt, meldete die Süddeutsche Zeitung. Ganz besonders finster sieht es für Rollstuhlfahrer in Zahnarztpraxen aus; nun hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) reagiert.

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Unter Berufung auf eine Bundestagsanfrage der Linken, meldete die Süddeutsche Zeitung, dass die wenigsten Arztpraxen in Deutschland für Menschen mit Behinderung zugänglich sind. Nur 22 Prozent der Praxen der Allgemeinmediziner verfügten über einen für Rollstühle geeigneten Zugang oder einen Aufzug, Behindertentoiletten oder spezielle Untersuchungsmöbel sind überall die Ausnahme. Am besten sieht es bei den Radiologen aus, bei denen über 30% der Praxen als barrierefrei eingestuft werden. Am schlechtesten schneiden Zahnmediziner und Kieferchirurgen ab, da hier nur 15 % der Praxisräume für Rollstuhlfahrer befahrbar sind. Eine Situation, die klar den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonventionen, die zu achten Deutschland sich verpflichtet hat, widerspricht.

Verena Bentele, die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, fordert bei Neuzulassungen das Kriterium Barrierefreiheit zu prüfen und als entscheidend einzustufen; eine entsprechende Regelung findet sich in den Bauordnungen der Bundesländer. Welche Anreize sich setzen lassen, die Anzahl barrierefreier Praxen zu erhöhen, prüft derzeit das Gesundheitsministerium.  Vorgesehen ist die Vorlage eines Gesamtkonzepts von Bundesregierung und Ärzten.

Virtueller Rundgang durch barrierearme Zahnarztpraxis

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) reagiert mit der Veröffentlichung eines virtuellen Rundgangs durch eine barrierearme Zahnarztpraxis. Dieser soll vor allem Zahnärztinnen und Zahnärzte motivieren und anleiten, ihre Praxis so barrierearm wie möglich umzugestalten. Der Nutzer der interaktiven Anwendung erfährt dabei aus der Perspektive eines Patienten mit einer Mobilitäts-, Hör- oder Sehbeeinträchtigung, welche Barrieren in einer Praxis auftreten und wie diese beseitigt werden können.

Der Rundgang ist hier einsehbar und simuliert in einer dreidimensionalen Musterpraxis den „typischen“ Zahnarztbesuch: so werden mögliche Barrieren im Eingangsbereich, am Empfang, im Warte- und Behandlungszimmer sowie im Sanitärbereich aufgezeigt. Für jede Barriere werden zugleich praktikable Lösungsvorschläge für deren Abbau unterbreitet. Der Schwerpunkt des Rundgangs liegt auf baulichen Aspekten und der Kommunikation in der Zahnarztpraxis.

Umbau: Eine Frage des Geldes

Anlässlich der Veröffentlichung des virtuellen Rundgangs erneuert Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV, seine Forderung an die Krankenkassen, bei künftigen Diskussionen um die Honorierung zahnärztlicher Leistungen das Thema „Barrierearmut“ angemessen zu berücksichtigen.

„Das gilt besonders für die nachweislich hohen Investitionen in ältere Bestandspraxen. Die Bauordnungen der Länder sehen vor, dass Neubauten in der Regel ohnehin ohne Barrieren zugänglich sein müssen.“

Auch die Bundesregierung sei nach wie vor gefordert, zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), bessere finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, um die möglichst flächendeckende Umsetzung von Barrierearmut in Zahnarztpraxen zu unterstützen. Staatlichen Angaben zufolge sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen schwerbehindert.

Für eine Hilfestellung bei der Suche nach einer barrierefreien bzw. -armen Arztpraxis siehe: Ärzte ohne Barrieren

Wie es in einem barrierefreien Behandlungszimmer z. B. aussehen könnte, zeigt folgendes Video:

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