Das Recht auf eine Begleitperson

Das Recht auf Mitnahme einer Begleitperson ist schwammig: In Bussen und Bahnen ist die Beförderung einer Begleitperson für Reisende mit dem Merkzeichen B für „Begleitperson“ im Schwerbehindertenausweis in der Regel frei. Bei öffentlichen Veranstaltungen liegt die Entscheidung bei dem jeweiligen Veranstalter.

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Einst hieß es noch „Die Notwendigkeit ständiger Begleitung ist nachgewiesen“, wenn auf dem Schwerbehindertenausweis ein B für „Begleitperson“ eingetragen war. Dies führte zu abstrusen rechtlichen Auseinandersetzungen, bei denen den Betroffenen – unter bestimmten Umständen auch Dritten – das Fehlen dieser Begleitperson nachteilig auszulegen versucht wurde. Daraufhin änderte der Gesetzgeber die Formulierung. Diese lautet nun:

„Zur Mitnahme einer Begleitperson sind schwerbehinderte Menschen berechtigt, die bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln infolge ihrer Behinderung regelmäßig auf Hilfe angewiesen sind. Die Feststellung bedeutet nicht, dass die schwerbehinderte Person, wenn sie nicht in Begleitung ist, eine Gefahr für sich oder andere darstellt.“ (§ 146 Abs.2 SGB IX)

Wie schön: Auch Personen, die in bestimmten Situationen (z. B. auf der Toilette) regelmäßig auf Unterstützung angewiesen sind, dürfen sich zwischendurch ganz allein und frei bewegen. Gottlob hat jemand schriftlich bestätigt, dass sie auch dann nicht gemeingefährlich sind.

Darf ich wagen, Arm und Geleit mir anzutragen?

Für den öffentlichen Personenverkehr ist der Anspruch auf die unentgeltliche Beförderung einer helfenden Assistenz ausdrücklich gegeben; Busse und Bahnen innerhalb Deutschlands sind mit dem B im Ausweis problemlos zu zweit nutzbar (Das Recht ist nicht zu verwechseln mit der Nutzung einer Wertmarke in Verbindung mit dem Schwerbehindertenausweis: Diese berechtigt unter bestimmten Bedingungen zur kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch die Person mit Mobilitätseinschränkung und kann auf Wunsch beim Versorgungsamt beantragt werden).

Leider greift das Recht auf die freie Beförderung einer begleitenden Person nicht überall. Obgleich öffentliches Verkehrsmittel, gilt es für Flugzeuge nicht automatisch. Fluggesellschaften, Flughäfen und Reiseveranstalter sind nur zu bestimmten Unterstützungsleistungen verpflichtet: „Damit behinderte Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität vergleichbare Flugreisemöglichkeiten wie andere Bürger haben, sollte ihnen entsprechend ihren besonderen Bedürfnissen auf Flughäfen und an Bord von Luftfahrzeugen unter Einsatz des erforderlichen Personals und der notwendigen Ausstattung Hilfe gewährt werden. Im Interesse der sozialen Integration sollten die Betroffenen diese Hilfe ohne zusätzliche Kosten erhalten.“, heißt es in der Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität. Das bedeutet nicht, dass Reisende ohne zusätzliche Kosten eine persönliche Begleitperson mitnehmen können, sie haben aber mit ausreichend Vorlauf (mindestens 48 Stunden) die Möglichkeit, eine Begleitung am Flughafen anzufordern.
Die Leistungen der Fluggesellschaften variieren, die jeweiligen Bedingungen muss jeder Reisende bei seiner Fluggesellschaft individuell abfragen.

Siehe dazu auch: Flugreiseplanung für Rollstuhlfahrer

Eventplanung

Der Besuch von Konzerten, Lesungen, Sportveranstaltungen, Ausstellungen oder anderen freizeitvergnüglichen Events unterliegt unterschiedlichen Bedingungen, da hier die Veranstalter entscheiden können, inwieweit sie Ermäßigungen einräumen. Einen Anspruch auf Vergünstigungen gibt es nicht. Viele Eventagenturen gewähren Personen mit dem B im Schwerbehindertenausweis auf Anfrage dennoch recht selbstverständlich eine Freikarte für ihre Begleitperson. Gelegentlich, z. B. in einigen Musicals, erhalten beide Besucher eine Ermäßigung auf ihre Karte, die aber nicht unbedingt an die Entlastung durch eine Freikarte heranreicht. Auch im Kino kann sich der Vergleich lohnen: Wer hier Hilfe braucht, zahlt in einigen Kinos nur für seine eigene Karte. Am besten an der Kasse immer nachfragen, ob Ermäßigungen gewährt werden.