Die Rolle der Ernährung in der Schmerztherapie

Die richtige Ernährung ist mehr als die Zufuhr von Nährstoffen und Kalorien. Sie kann vorbeugend gegen Krankheiten wirken, u. U. den Heilungsprozess unterstützen und entscheidend dazu beitragen, ob man sich in seiner Haut wohlfühlt oder nicht. Auch in der Schmerztherapie kann die Ernährung eine Rolle spielen.   Bild 76156198 copyright Shawn-Hempel, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Chronische Schmerzen sind ein Bestandteil des alltäglichen Lebens vieler Querschnittgelähmter (siehe: Schmerzempfinden bei Querschnittlähmung). Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung (siehe: Schmerztherapie bei Querschnittlähmung), doch birgt sowohl die medikamentöse (nicht invasive) als auch die chirurgische Schmerztherapie gewisse Risiken, von denen Verstopfung, Müdigkeit oder Infektionen nur einige sind. Es gibt verschiedene nicht medikamentöse, nicht invasive Maßnahmen, die so gut wie keine Nebenwirkungen haben (und die ebenfalls im Beitrag Schmerztherapie bei Querschnittlähmung genannt werden). Unberücksichtigt bleibt heute allerdings oft die Rolle der Ernährung zur Vorbeugung von und zur Behandlung bei chronischen Schmerzen.

Clean Eating

Laut Expertenmeinung (Milisits, 2013/SHG, 2014) kann eine Ernährungsumstellung u. a. mittels gezielt zusammengestellter Nahrungsmittel langfristig das Wohlbefinden bei chronischen Schmerzen steigern. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem sog. „Clean Eating“, d. h. es sollten ausschließlich Nahrungsmittel konsumiert werden, die naturbelassen und unverarbeitet sind und aus regional biologischem Anbau stammen. Zudem sollte für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind. zwei Liter täglich) gesorgt werden (siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung). Über den Verzehr von verarbeiteten und/oder veredelten Nahrungsmitteln wie Brot, Kuchen und Teigwaren aus Auszugsmehl, raffiniertem Zucker, Fertigprodukten oder stark mit Umweltgiften belasteten Produkten können im Körper (in Organen und Fettgewebe) Gifte gespeichert werden, die den Organismus belasten, Nerven reizen und Schmerzzustände auslösen bzw. begünstigen können. Clean Eating kann helfen, die toxische Belastung des Körpers abzubauen und so Schmerzen zu vermeiden. Folgende Punkte sollten beachtet werden:

Clean Eating: Frühstück nicht vergessen

Clean Eating: Frühstück nicht vergessen

  • Frühstück nicht ausfallen lassen
  • Mageres Eiweiß und langkettige Kohlenhydrate zu jeder Mahlzeit essen
  • Gesunde Fette integrieren
  • Frisches Obst und Gemüse als Quelle für Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme nutzen
  • Keine übermäßigen Portionen essen
  • Alle konsumierten Lebensmittel sollten so naturbelassen wie möglich sein, aus regionalem Bioanbau stammen und frisch verzehrt werden
  • Folgende Produkte sollten nicht oder nur sehr eingeschränkt konsumiert werden:
    • Alkohol, Säfte, Limonaden u. ä.
    • Weißmehl, Zucker, Süßstoffe sowie Lebensmittel, die diese Produkte enthalten
    • Fertigprodukte
    • Frittiertes
    • Produkte mit Zusatzstoffen (siehe: Zusatzstoffe in Lebensmitteln)

Ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse versorgt den Körper mit einem hohen Gehalt an Vitalstoffen, vor allem Antioxodantien, stärkt das Immunsystem und schützt vor den nachteiligen Auswirkungen von Entzündungsprozessen. Neben der Reduzierung der toxischen Belastung wird eine Verminderung der Aufnahme von Arachidonsäure empfohlen. Arachidonsäure ist eine vierfach ungesättigte Fettsäure, die vor allem in tierischen Lebensmitteln in hoher Konzentration enthalten ist. Sie ist Ausgangsstoff für verschiedene hormonähnliche Substanzen (z. B. Prostaglandine), die an der Entstehung von Schmerzsignalen beteiligt sind. Das mit der Nahrung zugeführte Eiweiß sollte bei chronischen Schmerzen deshalb zu einem großen Anteil aus pflanzlichen Lebensmitteln stammen.  Verfechter des Clean Eatings schreiben dieser Ernährungsform zusätzlich zu der erhofften Reduzierung chronischer Schmerzen u. a. noch folgende Vorteile zu:

  • Bessere Verdauung/Stoffwechsel
  • Verminderung eines Blähbauches
  • Mehr Energie
  • Verbessertes Hautbild
  • Besseres Geschmackserlebnis
  • Verbesserter Schlaf
  • Gesteigertes Wohlbefinden
  • Erhöhte Konzentrationsfähigkeit
  • Gewichtsverlust

Schmerz und Gewichtskontrolle

Ein reduziertes Körpergewicht verringert das Schmerzrisiko.

Ein reduziertes Körpergewicht verringert das Schmerzrisiko.

Das individuelle Normalgewicht zu halten kann entscheidend dazu beitragen, Schmerz entgegenzuwirken. Übergewicht trägt durch mehrere Faktoren zu einer Erhöhung des Schmerzrisikos bei. Zum einen ist Übergewicht eine zusätzliche Belastung für Kreislauf und Gelenke sowie für die Haut (Dekubitusgefahr). Zum anderen erfahren Übergewichtige häufiger Hormonschwankungen, die Schmerzen verschlimmern können. Fettzellen produzieren das Hormon Östrogen, das bei hoher Konzentration zu Entzündungen und Schwellungen führen kann, die wiederum Nervenschmerzen und schmerzhafte Gelenkschäden auslösen können. Das größte Problem für Querschnittgelähmte stellt allerdings ein hoher Blutzuckerspiegel dar, da dieser zu Schwellungen und Reizungen an Nerven führen kann. Wenn die Schwellung über einen längeren Zeitraum anhält, stirbt die Zelle ab (neuropathischer Schmerz). Um den Blutzuckerspiegel in Schach zu halten ist die beschriebene Clean Eating Methode geeignet, da sie reich an gesunden Fettsäuren und langkettigen (komplexen) Kohlehydraten ist, schlechte Fette und einfache Kohlehydrate (Zucker, Weißmehl, etc.) aber meidet (Milistis, 2013) und so die Aufnahme von Produkten, die den Aufbau von schmerz- und entzündungsfördernden Stoffen im Körper fördern, reduziert.

Für mehr Informationen, wie man Obst und Gemüse leichter in den Speiseplan einbauen kann, siehe: Gemüse und Obst: Wie kriegt man es (r) unter?
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Nahrungsmittel gezielt einsetzen

Es gibt einige Nahrungsmittel, die gezielt gegen Schmerz eingesetzt werden können:

  • Chilischoten i
    Chilischoten können Schmerzen lindern, denn in ihnen ist Capsaicin in hoher Konzentration enthalten, ein Alkaloid, das wie ein Betäubungsmittel wirkt und für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich ist. Wer Chilischoten regelmäßig verzehrt gewöhnt sich an den scharfen Geschmack. Am Anfang sollte man sie aber sparsam dosieren, etwa indem man die Schoten in Streifen schneidet und einen Salat damit würzt (Schmerz-Online, 2014). Bild 71250415 copyrihgt Ilyashenko Oleksiy, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com i 
  • Fisch und Leinöl i
    Leinöl und Fisch sind reich an Omega 3 Fettsäuren, die als Stimmungsaufheller gelten und vom Körper in entzündungshemmende Stoffe umgewandelt werden. Sie verhindern z. B., dass die erwähnte Arachidonsäure ihre entzündungsfördernde Wirkung entfalten kann (SHG, 2014). ii 
  • Gemüse, Obst, Eiweiß und Kohlehydrate ii
    Die in Gemüse und Obst enthaltenen Vitalstoffe, u. a. Antioxidantien, stärken das Immunsystem und schützen vor den Auswirkungen entzündlicher Prozesse. Zudem sind sie mitverantwortlich für den Aufbau von Serotonin. Bei einem zu geringen Serotoningehalt im Gehirn kann die Schmerzschwelle herabgesetzt sein. Grundbaustein für Serotonin ist die Aminosäure Trytophan, die in eiweißhaltigen Lebensmitteln wie Sojabohnen, Cashewkernen und Milchprodukten aber auch in Kakao (siehe: Schokolade macht glücklich und hilft gegen Stress) und Haferflocken enthalten ist. Besonders wird die Serotoninproduktion durch eine Kombination von Trytophan und Kohlehydraten angeregt. Ein idealer Start wäre somit ein Müsli mit Obst und (Soja-) Milch, das nebenbei auch noch die Verdauung in Schwung bringt (siehe: Das richtige Müsli bei Verdauungsbeschwerden). i 
  • Nüsse und Samen
    Nüsse, Samen und die aus ihnen gewonnen Öle sind nicht nur reich an Omega 3 und 6 Fettsäuren, sondern liefern auch hohe Mengen Vitamin E. Dieses Vitamin schützt vor freien Radikalen, und kann schmerzhafte und entzündliche Prozesse (z. B. bei Rheuma) positiv beeinflussen (SHG, 2014). i 
  • Olivenöl i
    In Olivenöl ist eine Substanz enthalten, die in ihrer Wirkung dem Schmerzmittel Ibuprofen ähnlich ist und Oleocanthal heißt. Diese Substanz bremst die Enzyme, die für die Entstehung von Schmerzen verantwortlich sind (Schmerz-Online, 2014).

 

Siehe auch: Alternative Strategien gegen den Schmerz

Fragen & Kommentare

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  1. susy greb 12.08.2017, 12:53 Uhr

    hi, dein Text ist mega interessant! Du wohnst nicht zufälligerweise nähe dem Bodensee, dass ich mir Bücher ausleihen könnte…. aber ackere mich mal durch die Links da gibt es ja auch viel.
    Darf ich fragen, ob Tetra/Para? ich bin Tetra C5/6 lg susy

  2. Sylvia Thone 18.07.2017, 11:35 Uhr

    Der Artikel ist ein guter Beitrag zur gesunder Ernährung, doch man sollte auf jeden Fall bedenken, das auch Fisch schadstoffbelastet und hohe gesättigte Fettsäuren enthält, die Herzerkrankungen fördern und somit Schlaganfall und andere konorare Herzerkrankungen auslösen! Außerdem ist Fisch so mit Schadstoffen, wie z.B. Quecksilber belastet, somit toxisch auf den Körper wirkt. Omega 3 Fettsäuren kann man gut über frisch geschroteten Leinsamen und Algen zu sich nehmen! Algen werden in Glasröhren gezüchtet, wo es keine Schadstoffe aufnehmen kann.
    Es mag richtig sein das Olivenöl eine Substanz enhält, die ähnlich Ibuprofen wirkt, aber auf der anderen Seite ALLE Öle aus Pflanzen die isoliert wurden und somit kein natürliches Lebesmittel sind und viele gesättige Fettsäuren enthalten,schädigen mit Ablagerungen nachweislich die Venen, um es mal ganz einfach zu erklären.
    Dafür gibt es viele Studien! Selbst mageres Fleisch und Huhn haben viele gesättigte Fettsäuren!!
    Und gerade für Querschnittsgelähmte können diese gesättigte Fettsäuren verheerende Folgen haben, Durchblutungstörungen, Bluthochdruck, mehr Dekubitus, Nierensteine.
    Ich selber bin seit einem Jahr vegan, weil ich einfach so viele Schmerzen hatte, Spastik sehr hoch war, Sodbrennen (Reflux) ect. bin ich testweise auf vegane Ernärhung umgestiegen. Nach 4 Wochen wolllte ich nicht mehr zurück auf die normale Ernährung, die auch schon vorher sehr gesund war. Ich benötige keine Abführmittel mehr, mein Blutdruck hat sich verbessert, meine Blutwerte sind top, Cholesterin ist auf 128, die Spasitk ist zurückgegangen (ich vermute mal wegen den regelmäßigen täglichen abführen), das Sodbrennen ist weg, meine Haut ist super geworden…
    Außderdem fördert Milch Osteoporose, hat viele Hormone und Schadstoffe. Warum nicht einfach mal informieren, es regt uns zum Nachdenken an und man ist erstaunt und erkennt, wie uns die Lebensmittelindustrie hinters Licht führt und damit wissentlich auf dauer unsere Gesundheit schädigt! Viele Krankheiten, wie Diabetis, Herzkrankheiten, Arthrose ..können durch Umstellung der Ernährung beseitigt oder verbessert werden oder erst garnicht entstehen. Medikamente können minimiert werden und in vielen Fällen abgesetzt werden, ohne die schädlichen Nebenwirkungen, die durch Medikamente entstehen und unseren Körper und andere Organe auf Dauer in Mitleidenschaft ziehen.
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/fischoel-zur-infarkt-vorbeugung-maer-aus-dem-meer-1.1948697
    https://www.provegan.info/de/infothek/aktuelles/kurze-zusammenfassung-ueber-die-gesundheitsgefahren-durch-fisch/
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20080-2016-04-18.html
    Interessante und informative Filme
    Gabel statt Skalpell
    Hope for all (deutsch)
    Earthling
    What is the health (deutsch)
    Ich habe mir nie sonderlich über meine Ernährung gedanken gemacht, was ich so in mich an verarbeiten Produkten reingestopft habe und was für Auswirkungen sie auf unsere Gesundheit haben. Wir essen im wahrsten Sinne des Wortes Müll.
    Und man muss auch nicht gleich vegan werden. Sollte sich aber zumindestens über gesunde Ernährung und ihre Auswirkungen informieren und sich dann entscheiden, wie man sich weiter ernähren möchte.
    Das sollte uns unsere Gesundheit wert sein, was tun wir alles für materielle Dinge, holen uns Angebote rein, vergleichen und investieren meist viel Zeit damit. Wieviel davon tun wir wirklich für unsere Gesundheit? Gesundes Essen ist der Motor unseres Körpers, wenn wir den Motor schlechtes Futter geben dann hört er irgendwann auf richtig zu arbeiten!
    Hier noch ein paar gute Links für mehr Info´s
    provegan.info (gibt es eine Mediathek, wo man viele Filme kostenlos sehen kann), außerdem werden dort viele Studien erwähnt bzw. links.
    Wer mal vegane Ernährung ausprobieren möchte, empfehle ich Atilla Hildmann, da schmecken die Gerichte wirklich gut.
    In den USA gibt es schon seit 30 Jahren vegane Ernährung und haben dort viel mehr geforscht als bei uns. Viele Ärzte sind im Gegensatz zu Deutschland veganer, auch viele Prominente.
    Gute und teilweise ausgezeichnete Ärzte sind:
    Dr. Caldwell Esselstyn (Essen gegen Herzinfarkt)
    Dr. T. Colin Camphell (absolutes lesenwertes Buch „China Study“
    Dr. Dean Ornish (gute Bücher)
    Dr. Neal D. Barnard (gute Bücher
    Deutsche Ärzte
    Dr. Petra Bracht (gute Infos youtube)
    Dr. Jakob (hat ein gutes Buch geschrieben, Der Weg des genussvollen Verzichts und hat eine Informative Webseite)
    Leider weiß ich nicht, ob ich hier links einsetzen darf, daher bitte in Suchmaschine oder in youtube schauen.
    LG
    Sylvia

    • Tanja Konrad 18.07.2017, 12:32 Uhr

      Liebe Sylvia,
      vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar!
      Viele Grüße
      Die Redaktion