Internationale Stiftung für Forschung in Paraplegie

Die Internationalen Stiftung für Forschung in Paraplegie (IFP) ist eine 1991 gegründete Organisation zur Förderung der Forschung zur Heilung von Rückenmarksverletzungen mit Sitz in Zürich. Die Fusion mit der Schwestergesellschaft, der International Foundation for Research in Paraplegia (IRP) in Genf, fand 2014 statt.

Bild 46799458 copyright Yuri-Arcurs, 2014 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die 1991 gegründete Internationale Stiftung für Forschung in Paraplegie (IFP/IRP) ist nach eigenen Angaben von der Regenerationsfähigkeit des Rückenmarks überzeugt und fördert daher diese lang vernachlässigte Forschungsnische. Ziel ist es, die Lebensbedingungen betroffener Menschen mit Rückenmarkverletzungen oder -erkrankungen maßgeblich zu verbessern und die Paraplegie langfristig zu überwinden.

Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Grundlagen- und klinischen Forschung im In- und Ausland. Zudem fördert die IFP spezifische, in der Schweiz verankerte Projekte im Bereich der Paraplegie-Forschung. Die Stiftung lädt Wissenschaftler jedes Jahr in einem öffentlichen Aufruf ein, Gesuche zur Finanzierung von Forschungsprojekten einzureichen. Diese Projekte beurteilt ein international zusammengesetzter, unabhängiger Forschungsrat.

Forschungsansätze

Noch vor 20 Jahren galt die Regeneration verletzten Nervengewebes als wenig aussichtsreich und wurde kaum berücksichtigt; während die Erforschung des Zentralnervensystems und dessen funktionales Erholungspotenzial heute als „Neurosciences“ von sich reden macht. Die IRP sieht sich Vorreiter dieser Entwicklung und  unterstützt seit Anfang der 90er-Jahre die Verfolgung verschiedener methodischer Ansätze:

  • Linderung von Sekundärschäden nach Verletzungseintritt
    Erfolg: Der Anteil inkompletter Querschnittlähmungen nimmt tendenziell zu
    Stand: Klinischer Alltag
  • Elektrostimulation: Operatives Einsetzen eines Stimulators bzw. Schrittmachers zur Steuerung bestimmter Muskeln oder Muskelgruppen
    Erfolg: Groß, aber beschränkt auf einzelne Muskeln
    Stand: Klinischer Alltag in Einzelfällen
  • Stimulierung des Nervengewebes durch repetitive Bewegungen (Laufbandtraining)
    Erfolg: In Einzelfällen beachtliche Erholung der Gangfunktion
    Stand: Therapeutischer Alltag; Verbesserungen wünschbar
  • Neutralisierung wachstumshemmender Proteine im verletzten Nervengewebe
    Erfolg: Teilweise funktionale Erholung ist zu erwarten
    Stand: Weit vorangeschritten, klinische Tests laufen
  • Einsatz wachstumsfördernder Proteine im verletzten Gewebe
    Erfolg: Funktionale Erholung, aber mit gefährlichen Nebenwirkungen
    Stand: Weit vorangeschritten, aber vorerst keine klinischen Tests
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  • Genetische «Programmierung» von Nervenzellen
    Stand: Grundlagenforschung
  • Ersatz des verletzten und vernarbten Gewebes durch Brückenmaterial
    Stand: Grundlagenforschung, Anfangsphase
  • Implantierung von Stammzellen
    Stand: Grundlagenforschung, Anfangsphase

IRP Forschungspreis

Gründer der Stiftung ist der verstorbene Ulrich Schellenberger, der selbst Paraplegiker war. Seit 2003 vergibt die IRP jährlich den mit bis zu 100.000 CHF (ca. 93.000 €) dotierten IRP Research Prize (ehemals: Schellenberg Preis) an Projekte aus der Paraplegie-Forschung. Siehe auch: IRP Reseach Prize 2016 verliehen.

2013 ging der Preis an Prof. Joost Verhaagen vom Niederländischen Institut für Neuroscience (NIN) in Amsterdam, Niederlande, und an Prof. Tommaso Pizzorusso vom Institiut für Neurowisschenschaften in Pisa, Italien, für ihre Forschung in den Bereichen Regeneration und Plastizität.

In seiner Arbeit verfolgt Joost Verhaagen folgende drei Forschungsschwerpunkte:

  • Das Finden und Untersuchen von Eiweißen, die das Aussprießen von Nervenfasern hemmen
  • Die Entwicklung von Gentherapien, die die Regeneration begünstigen
  • Die genetischen Vorgänge rund um die Regeneration

Unter den wachstumshemmenden Proteinen hat Verhaagen die Rolle der Semaphorine nachgewiesen, die sowohl die Regeneration als auch die Plastizität behindern. Eine Erkenntnis, die entschieden zur Therapiefindung beitragen wird. Auf dem Gebiet der Gentherapie war Verhaagen führend in der Entwicklung von Vektoren, die nun für die klinische Anwendung zugelassen wurden, und auf der Suche nach Genen, welche die Regeneration fördern, hat er über zehn neue Transkriptionsfaktoren identifiziert.

Die Arbeiten von Tommaso Pizzorusso vermitteln grundlegende Einsichten, wie Plastitzität im adulten Rückenmark nach einer Verletzung reaktiviert werden kann. Neurotrophe Substanzen und andere ähnliche Moleküle sind wichtige Faktoren in der Regulation und Bildung von Synapsen und spielen eine große Rolle bei der Regeneration. Diese Faktoren üben ihre Funktion durch eine Vielzahl von Signalbahnen aus. Pizzorusso hat Schlüsselmoleküle identifiziert, die auf diese Prozesse wirken und mögliche therapeutische Ansatzpunkte. Die am ehesten erfolgversprechendste Methode zur Reaktivierung der Plastizität des beschädigten Rückenmarks ist die Manipulation der extrazellulären Matrix, d.h. des Gewebes rund um die Nervenzellen. Pizzorusso konnte als Erster nachweisen, dass dies auch beim Erwachsenen möglich ist (IRP, 2013).

Die Bewerbungsfrist für das laufende Jahr endet je am 31. Oktober. Für mehr Informationen siehe: IRP Research Prize