Greifhilfesysteme für Tetraplegiker

Die eingeschränkte Handfunktion, die mit hochgradigen Querschnittlähmungen einhergeht, kann mit den gängigen Therapieformen nur in begrenztem Umfang behoben werden. Eine Möglichkeit, der fehlenden Mobilität zu begegnen, ist das Nutzen von Greifhilfen.

Bild 28078918 copyright Linda-Bucklin, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Elektronische bzw. elektropneumatische Greifsysteme können beim Meistern der Herausforderungen des Alltages einen entscheidenden Unterschied machen. Verschiedene Hersteller* bieten hier Lösungsansätze:

 

Gripability e3

Gripability e3

Gripability e3

Gripability ist ein 50 g leichter, pneumatisch betriebener Greifer, der an der Hand oder einem anderen Körperteil des Benutzers, z. B. dem Kopf, befestigt wird. Das Öffnen und Schließen sowie die Kraft des Greifers steuert der Anwender mit Hilfe einer Schaltung, die individuell angepasst und abhängig von den eigenen gegebenen Möglichkeiten ist. Lösungen reichen vom Handschalter über Mundsteuerung bis hin zur Sprachsteuerung.

So ausgerüstet können Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Handfunktion eigenständig Alltagsgegenstände wie Trinkgefäße (mit Griff), Besteck, Haar- und Zahnbürste oder Stifte – oder den Keks zum Nachmittagskaffee – mit sicherem festem Griff aufnehmen, benutzen und wieder ablegen. Die Kontrolle, die man somit über sich selbst und seine Umwelt (wieder-) erlangt, ermöglicht Autonomie in vielen Bereichen und letztendlich ein Stück Lebensqualität.

 

Pinzettengriff mit dem Gripability e3

Pinzettengriff mit dem Gripability e3

Mobil einsetzbar wird Gripability durch eine tragbare Energieversorgung: Die für den Betrieb und die Steuerung des Systems notwendigen Komponenten sind in einem kompakten Rucksack untergebracht und können an der Rückenlehne eines Rollstuhls oder anderweitig mitgeführt werden. Bei der Druckluftvariante werden die Druckluftspeicher mit einem Kompressor aufgefüllt.

Gripability e3 ist ein anerkanntes Hilfsmittel und unter folgender Positionsnummer gelistet: 02.40.04.4001

 

iArm und DAS

Der niederländische Hersteller Exact Dynamics bietet zwei unterschiedliche Systeme je nach Ausmaß der Einschränkung.

  • iARM intelligent Assistive Robotic Manipulator
IArm 5

IArm 5

Menschen mit sehr hoher Querschnittlähmung könnten in ihrer Autonomie vom iARM intelligent Assistive Robotic Manipulator (dt.: intelligenter Assistenzroboter) unterstützt werden. Der iARM ersetzt die fehlende Kraft der Arme und Hände und geringe Motorik der Finger, indem er deren (Greif-) Bewegungen übernimmt.

Der neun Kilogramm schwere Greifarm wird am Rollstuhl befestigt und über dessen Batterie mit Strom versorgt. Wenn man ihn gerade nicht benutzt, kann er nach hinten und zur Seite weggeklappt werden.

Für die Steuerung des iARM stehen verschiedene Systeme zur Verfügung, die an die individuellen Möglichkeiten des Nutzers angepasst werden. Möglich sind derzeit die Steuerungen über ein Tastenfeld, Joystick oder mit einem einzelnen Steuerknopf. Eine spezielle Programmierung ermöglicht die Auswahl von Bewegungen in geraden Linien; wiederholt benötigte Bewegungsabläufe können mit dem Drücken eines Knopfes abgerufen werden.

 

  • DAS Dynamic Arm Support

Bei fehlender Muskelkraft, aber ausreichender Motorik, hilft die DAS Dynamic Arm Support (dt.: Dynamische Armunterstützung), eine Vorrichtung, die an der Rollstuhllehne angebracht und von der Rollstuhlbatterie angetrieben wird. Während der Nutzung, z. B. während der Mahlzeiten oder des Zähneputzens, liegt der Unterarm auf der konkaven Stütze, die wie der iARM über eine Steuerung gehoben, gesenkt und seitlich bewegt werden kann.

 

Robot Jaco

Robot Jaco

Robot Jaco

Neu auf dem deutschen Markt ist der Robot Jaco des kanadischen Herstellers Kinova. Dieser Roboterarm für Menschen mit eingeschränkter Mobilität der oberen Extremitäten wurde mit dem Innovationspreis der Deutschen Stiftung für Querschnittlähmung (DSQ) ausgezeichnet.

Siehe: Roboter-Greifarm Jaco für Tetraplegiker

 

Smartphone Apps und Neuro-Bypass – Was wird die Zukunft bringen?

An der Universität von Melbourne, Australien, wird derzeit ein Greifarmsystem getestet, das Alltagstätigkeiten wie Essen, Kämmen und Türenöffnen ermöglichen soll und via App über das Smartphone und ggf. über Sprachsteuerung bedient werden wird.

Zudem liegt in verschiedenen Einrichtungen weltweit ein Forschungsschwerpunkt bei der Behandlung der Auswirkungen einer Rückenmarksverletzung auf bionischen Prothesen, d. h. Hilfsmittel, ähnlich den oben beschriebenen, werden nicht über externe Steuerelemente bedient werden, sondern mit einem Gehirnimplantat über die Gedanken des Nutzers. Vor allem für Tetraplegiker, die über keine Funktion in beiden Armen verfügen, werden diese Entwicklungen ein wichtiger Beitrag zur Mobilität und Selbständigkeit im Alltag sein.

Ein entsprechendes System wurde sehr erfolgreich an der mit spinozerebelläre Ataxie diagnostizierten und vom Hals abwärts bewegungsunfähigen Amerikanerin Jan Scheuermann getestet. An der Stelle des Gehirns, die die Gliedmaßen lenkt, wurden ihr zwei Mikroelektroden eingesetzt, die einen robotischen Greifarm steuern. Für mehr Informationen zum Thema Neuro-Bypass siehe:

 

*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; Hinweise zu weiteren Greifhilfen nimmt die Redaktion gerne entgegen.

 

Siehe auch: Kleine Hilfsmittel bei eingeschränkter Handfunktion

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