Wheelchairs of Hope – Der 100 Dollar Rollstuhl

Ein Rollstuhl für gerade mal 100 US$ (ca. 80 €); für Millionen von gehbehinderten Kindern könnte dies Mobilität, Unabhängigkeit und – vor allem – die Chance auf Bildung bedeuten. Das israelische Unternehmen Wheelchairs of Hope will dies möglich machen und setzt dabei auf 3D-Druck.

 Bild WOH_main copyright Wheelchairs of Hope, 2014 Mit Genehmigung von Pablo Kaplan

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) brauchen 65 Millionen Menschen weltweit einen Rollstuhl. 20 Millionen Betroffene, 25% davon Kinder, erhalten dieses für die Mobilität und Unabhängigkeit unabdingbare Hilfsmittel nicht. Hauptgrund dafür ist das Fehlen finanzieller Mittel, denn Hilfsmittel, selbst die grundlegendsten, müssen in Entwicklungsländern privat bezahlt werden – was Betroffene häufig zu einem Leben in Passivität und Perspektivenlosigkeit verurteilt. Kinder, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, haben oft keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu absolvieren und als Folge daraus einen Beruf zu erlernen. Von persönlichen Schicksalen ganz zu schweigen, nennt die WHO auch hier Zahlen: Die fünf Millionen Kinder, denen die Chance auf Bildung und Beruf aufgrund fehlender Hilfsmittelversorgung verwehrt wird, fügen dem internationalen GDP (Gross Domestic Produkt = Bruttoinlandsprodukt) einen Schaden von drei Milliarden Dollar jährlich zu.

Der israelische Hersteller Wheelchairs of Hope will diese Situation ändern und betroffenen Kindern Hoffnung in Form eines Rollstuhls (Wheelchairs of Hope = Rollstühle der Hoffnung) schenken. „Mobilität von Kindheit an ist das Tor zur Bildung. Sie bietet die Basis für Selbstsicherheit und Unabhängigkeit. Indem wir Kindern eine Ausbildung ermöglichen, schaffen wir eine neue Generation mit verbesserten Fähigkeiten, mehr Selbstbewusstsein und mehr Hoffnung“, so das Unternehmen.

Um das Gefährt und seine Entwicklung erschwinglich zu machen, wurde der Prototyp zunächst am 3D-Drucker produziert. Nach einer Testphase steht nun die Serienproduktion an, die, um die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten, mittels Spritzgussverfahren realisiert wird. Was die Kosten angeht, legt Wheelchairs of Hope die Messlatte hoch: Der am 3D-Drucker entstandene Rollstuhl soll gerade mal 100 Dollar kosten.

Der Rollstuhl aus dem 3D-Drucker

Der Prototyp, den Wheelchairs of Hope produzierte, ist bunt, modern und sieht nach Spaß aus. Entwickelt wurde er gemeinsam mit Kindern; kleine Patienten der Reha-Einrichtung ALYN Rehabilitation (Israel) machten die Testfahrten – und waren begeistert.

Technische Daten

  • Gewicht: 10 kg Bild WOHRed copyright Wheelchairs of Hope, 2014 Mit Genehmigung von Pablo Kaplan
  • Länge: ca. 71 cm
  • Breite: ca. 47 cm
  • Höhe: ca. 81 cm
  • Sitzbreite: ca. 30 cm
  • Sitztiefe: ca. 29 cm
  • Höhe der Rückenlehne: ca. 27 cm
  • Sitzneigung: 3 Grad
  • Neigung der Rückenlehne: 93 Grad
  • Farben: rot, blau, gelb
  • Preis: ca. 100 US-Dollar

Billig hat seinen Preis

Der Rollstuhl aus dem 3D-Drucker ist nicht für jeden uneingeschränkt verwendbar. Gedacht ist er für Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren. Das Gewicht des Nutzers darf 40 kg nicht überschreiten. Was ein gehbehindertes Kind tun soll, wenn es dem 3D-Rollstuhl von Wheelchairs of Hope entwachsen ist, lässt das Unternehmen offen; ein neuer Prototyp und eine entsprechende Serienproduktion für ein größeres Modell scheinen bei entsprechender Annahme des Konzeptes in den Zielländern wahrscheinlich.

Das große Manko, das beim Betrachten der technischen Daten auffällt, ist die Starrheit des Systems. Individuell einstellbar ist höchstens die Fußstütze. Sämtliche Optionen, die bei der Anpassung des Nutzers an den Rollstuhl (siehe: Aspekte der Rollstuhlanpassung) beachtet werden müssen, um Komplikationen und Folgeerkrankungen zu vermeiden, entfallen. Die günstigen Produktionskosten – die den Rollstuhl für Kinder in Entwicklungsländer überhaupt erst erschwinglich machen sollen – haben also ihren Preis, der in Form von suboptimaler Anpassbarkeit gezahlt wird. Und dennoch scheint folgendes offensichtlich: Ein nicht individuell angepasster Rollstuhl ist besser als gar kein Rollstuhl und ermöglicht Teilhabe und Perspektiven, die andernfalls kaum in Frage kämen.

Mit Hilfe der WHO konnte Wheelchairs of Hope einen Vertrag mit drei Regionen (Peru, Tadschikistan, Dominikanische Republik) unterzeichnen, in denen die Rollstühle künftig erhältlich sein sollen. Weitere Pilotprogramme sind in Bethlehem/Palästina, verschiedenen afrikanischen Ländern und Vietnam geplant. Die Organisation wird nicht nur die dringend benötigten Rollstühle liefern, sondern Teams vor Ort ausbilden, die ein Rollstuhltraining vornehmen und somit für verbesserte Mobilität sorgen sollen.

Das Wheelchairs of Hope-Team um Co-Gründer Pablo Kaplan sucht Investoren und Partnerunternehmen, um das Projekt voranzubringen.

Für mehr Informationen (in englischer Sprache) siehe: www.wheelchairsofhope.org