Mit Crowdfunding Ideen verwirklichen

Im Frühjahr 2013 reiste der Rollifahrer Manuel Niederberger „free on wheels“ quer durch Nordamerika und dokumentierte seine Reise per Internet-Blog. Die Finanzierung des Projekts gelang über Crowdfunding: Unterschiedlichste Events, Erfindungen und Projekte können damit Wirklichkeit werden, wenn viele die Idee toll finden – und ihr Geld dafür geben.

Von der Förderung der Bienenhaltung über nachhaltige Mode bis hin zur inklusiven Gastronomie – die Realisierung von Projekten über Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“) boomt. Das Modell folgt allerdings auch ganz bestimmten Regeln:

  • Auf einer Crowdfunding-Plattform im Internet oder über ihre eigene Homepage können Kreative, Künstler, Erfinder und Visionäre ihre Idee mit Bildern, Texten oder einem Video vorstellen und für Investitionen werben.
  • Im Vorfeld legen sie die für die Umsetzung ihrer Projektidee benötigte Summe fest und bestimmen einen Finanzierungszeitraum.
  • Es gilt das „Alles-oder-nichts-Prinzip“: Ist das Geld innerhalb des angepeilten Zeitraums zusammengekommen, wird es an die Initiatoren ausgezahlt und das Projekt kann starten. Wird die Finanzierungssumme hingegen nicht erreicht, stirbt das Projekt und alle Investoren erhalten ihr Geld zurück.

Für das Vorhaben von Manuel Niederberger kamen über die Crowdfunding Plattform www.startnext.de 7.331 Euro zusammen, 7.000 Euro hatte er als Mindestsumme festgelegt. Das Finanzierungsziel war erreicht, Niederberger konnte seinen Flug buchen.

Startphase

„Über 60 % der Projekte werden durchschnittlich erfolgreich finanziert – damit sind wir internationaler Spitzenreiter“, so die Anbieter von Startnext.de auf ihrer Plattform. Bevor es mit dem Geldsammeln losgehen kann, muss eine Idee auf Startnext.de jedoch zunächst die „Startphase“ überwinden: Innerhalb von maximal 30 Tagen braucht sie eine bestimmte Anzahl an Menschen, die sich für ihre Verwirklichung interessieren und sich deshalb als „Fan“ registrieren. Je höher die gewünschte Summe, umso mehr Fans braucht eine Projektidee im Vorfeld. In dieser Phase haben potenzielle Gründer die Gelegenheit, sich mit Nutzern auszutauschen und ein Feedback zu ihrer Vision zu bekommen. Um möglichst viele Menschen anzusprechen, können z. B. Soziale Netzwerke zum Einsatz kommen, in jedem Fall aber möglichst umfassende Kommunikationsstrategien.

Finanzierungsphase

Können sich genügend Menschen für ein Projekt begeistern, geht dieses in die Finanzierungsphase. Auf Startnext.de können Nutzer jederzeit erkennen, welchen Stand ein Projekt hat und in der Finanzierungsphase auch, wie viel Geld dafür schon eingegangen ist. Die Unterstützer zahlen per Lastschrift, Kreditkarte, PayPal, Sofortüberweisung oder Vorkasse. Bei der Akquise von Investoren helfen die sogenannten „Dankeschöns“: Kleine oder größere Gegenleistungen, die den Anreiz zur Beteiligung an einem Projekt erhöhen. „Crowdfunding funktioniert ähnlich wie ein ‚Vorverkauf‘ und ist damit keine Spende“, heißt es auf Startnext.de. Die Geldgeber dürfen also für den Betrag, den sie geben, eine Gegenleistung erwarten. Diese entspricht in der Regel nicht dem gezahlten Geldwert, denn es muss ja noch genügend Geld zur Umsetzung der Projektidee übrig bleiben: Mit kleineren Beträgen erwirbt man daher eher symbolisch z. B. „ein persönliches Dankeschön per Mail“, Postkarten oder einfach „ein gutes Karma“. Für etwas mehr Geld verkaufen Initiatoren z. B. das geplante Produkt selbst: Theaterleute vergeben eine Premieren-Karte, Autoren laden zur Lesung, Designer verkaufen ihr T-Shirt. Die Ideen sind in vielen Fällen sehr kreativ. „Großinvestoren“ haben mit ihrem Beitrag Aussichten auf „Deluxe Boxen“, dürfen die Gründer persönlich kennenlernen, werden bekocht, beraten oder besungen.

Soziale, kreative und kulturelle Konzepte

Was bei Startnext.de auffällt: Nicht selten geht es um soziale oder nachhaltige Projekte. Die einen wollen Bienenvölker retten, die anderen sterile Operationen in Entwicklungsländern ermöglichen. Andere Schwerpunkte sind Kunst, Design und Kultur. Theoretisch kann jede Idee über Crowdfunding Wirklichkeit werden, solange sie auch bei den Nutzern eine Vision entfacht. Wer z. B. Produkte oder Angebote für Menschen mit besonderen Einschränkungen entwickeln möchte, findet dafür nicht unbedingt einen riesigen Markt. Über Crowdfunding könnten aber auch Nischenprodukte Unterstützer finden, weil hier die soziale Idee mitzählt. Wie bei einer Spende für einen guten Zweck. Die Anbieter raten allerdings davon ab, diesen Aspekt zu sehr zu betonen. Vielmehr ginge es darum, „großartige Ideen“ zu vermarkten.

Um mit all den guten Ideen auf den verschiedenen Plattformen mithalten zu können, braucht es vor allem konkrete Planungsschritte, gute Werbung in Bildern und Texten und sehr viel Transparenz. Gründer müssen genau wissen, was sie zum Leben erwecken wollen und wie. Und sie müssen bereit sein, ihre Unterstützer und potenzielle Unterstützer über den Stand der Dinge regelmäßig zu informieren, mit ihnen zu kommunizieren und an das Projekt zu erinnern.

  • Worum geht es in diesem Projekt?
  • Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?
  • Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?
  • Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?
  • Wer steht hinter dem Projekt?

Plötzlich ist das eigene Konzept für jeden erkennbar. Wer seine Ideen schützen möchte, sollte sich also vorher über Möglichkeiten des Urheber-, Patent- oder Markenrechts informieren und ggf. ein Patent auf seine Entwicklung anmelden.

Die Summe ist erreicht! – Und dann?

Kommt es zur Auszahlung, können für das eingesammelte Geld Steuern anfallen. Die Anbieter von Startnext.de raten dazu, „Dankeschöns“ erst nach Zahlungseingang am Ende der Kampagne herauszugeben, auch wenn das ein paar Monate dauern kann. Für Starter bietet Startnext.de ein Handbuch mit den wichtigsten Schritten zur Planung und Umsetzung von Crowdfundig-Projekten an.

Manuel Niederberger hat seinen Traum gelebt und lässt andere daran teilhaben: In seinem Blog „FreeOnWheels – Mit dem Rollstuhl durch die USA“ hat er Erfahrungsberichte sowie Fotos und Filme öffentlich gemacht. Rollstuhlfahrer, die in die Staaten reisen wollen, finden hier viele Tipps und Anregungen, außerdem funktioniert der Blog interaktiv, sodass auch der Austausch zwischen Niederberger und seinen Lesern noch Infos birgt. Seine Unterstützer hat Manuel Niederberger z. B. zur Premiere seines Reiseberichts nach Berlin eingeladen oder über ihren Wunsch-Ort auf seiner Reiseroute berichtet.

Weitere Infos:

www.startnext.de

www.sciencestarter.de – Für Projekte aus Wissenschaft und Forschung

www.visionbakery.com – Deutschlands zweitgrößte Crowdfunding Plattform