Frankie goes to Hollywood – Ein Rollstuhlreisebericht

Wie er bereits vermuten ließ (siehe: Handbiken – Die neue Mobilität), ist Frank Hüttenberger ziemlich unaufhaltsam. Weltenbummelei steht jedenfalls nicht auf der Liste der Dinge, die er zu unterlassen gedenkt. Auf seiner Website Mit dem Rollstuhl in die USA – ein Erfahrungsbericht beschreibt er seine Erlebnisse.

dsc04126 Bild copyright Frank Hüttenberger, 2014 Mit freundlicher Genehmigung

So sehr sie sein Leben auch auf den Kopf gestellt hat: Sollte seine Rückenmarksverletzung Frank Hüttenberger daran hindern, sich und seiner Frau einen langehegten Traum zu erfüllen? Nein. Wieso auch? Nur in die Vorbereitung und Organisation musste der Sachbearbeiter und Hobby-Handbiker etwas mehr Zeit und Aufwand investieren als er es vor seinem Unfall vor zwei Jahren getan hätte. Denn wenn man sich im Vorfeld ein bisschen Mühe bei der Wahl der Hotels, dem Buchen von Mietwagen und Flughafentransfers und dem Festlegen der Route gibt, sind auch lange Urlaube an weit, weit entfernten Reisezielen kein Problem für Rollstuhlfahrer. Schon gar nicht in den USA, wo die Möglichkeiten – per Definition (!) – unbegrenzt sind.

Und nun ist Frank zurück und verliebt. In ein Land, seine Einwohner, seine öffentlichen Toiletten – und ein kleines bisschen auch in David Hasselhoff.

Die Reise

Ihre Reise führte Frank samt Ehefrau von Deutschland nach New York und von dort aus weiter nach San Francisco, Los Angeles, Las Vegas und den Grand Canyon.

  • New York City

    Relaxen im Central Park.

    Relaxen im Central Park.

Für das Spiel der New York Giants hatte Frank seine Karte schon mehrere Monate im Voraus gebucht, in die „Rooftop Bar“ in der Nähe des Empire State Buildings ging‘s per Aufzug, der extra für ihn in Betrieb genommen wurde und Hafenrundfahrten gehen per Fähre grundsätzlich barrierefrei. (Mehr zu Franks Aufenthalt in New York.)

  • San Francisco

In San Francisco gibt es Hügel, und die sind nicht barrierefrei, genauso wenig wie die Cable Cars (die Straßenbahn). Ein Auto mit einer entsprechenden Sonderausstattung muss man schon haben, um mobil zu sein. (Mehr zu Franks Aufenthalt in San Francisco.)

  • Frank meets "The Hoff".

    Frank meets „The Hoff“.

    Los Angeles

In Los Angeles – der Stadt der Engel – kann man keinen Stein werfen, ohne eine Berühmtheit zu treffen. In Franks Fall war es David Hasselhoff (Schauspielikone der 80er und 90er, bekannt für seine Bikinifigur und Alkoholexzesse). Die Sandstrände hier waren nicht wirklich befahrbar, ansonsten gibt es in Los Angeles jedoch seit kurzem etwas, was den meisten neu sein dürfte: Eine barrierefrei U-Bahn. (Mehr zu Franks Aufenthalt in Los Angeles.)

  • Las Vegas

Liegt mitten in der Wüste, und was findet man in Wüsten? Pyramiden. Weshalb Frank auch gleich in einer abstieg (gemeint ist das Luxor Hotel). An Einarmigen Banditen kann man auch ganz wunderbar im Sitzen spielen. Ob Frank gewonnen hat? Ja. Fünf Euro Sechzig. (Mehr zu Franks Aufenthalt in Las Vegas.)

  • Grand Canyon

    Barrierefrei: Aussichtsplattform Grand Canyon.

    Barrierefrei: Aussichtsplattform Grand Canyon.

Der Grand Canyon Nationalpark ist für Rollstuhlfahrer erstaunlich gut zugänglich, so Frank. Mit einem gemieteten Auto unterwegs, erhielt Frank einen Code, mit dem sich Schranken zu den für Fahrzeuge abgesperrten Bereichen öffnen ließen. Es gibt aber auch einige Wanderrouten mit extra gekennzeichneten rollstuhlgerechten Wegen. Manche, aber nicht alle Aussichtspunkte sind für Rollstuhlfahrer erreichbar – die Natur ist eben nicht immer barrierefrei. (Mehr zu Franks Aufenthalt am Grand Canyon.)

Barrierefreiheit, Behindertentoiletten und Akzeptanz in den USA

Auf Mit dem Rollstuhl in die USA – ein Erfahrungsbericht zieht Frank folgendes Resümee:

In Sachen Barrierefreiheit sind die USA ganz vorn. „Nahezu jedes öffentliche Gebäude, jede Sehenswürdigkeit, jedes Restaurant ist barrierefrei gestaltet“, sagt Frank. „Selbst wenn sich davor einmal 2-3 Stufen befinden, zeigt ein Hinweisschild auf, dass eine mobile Rampe vorhanden ist, die bei Bedarf aufgestellt werden kann.“

Was so manchen Leser vielleicht in ehrfürchtiges Staunen versetzen wird: In den USA werden Sonderparkplätze für Gehbehinderte von anderen Autofahrern durchgehend respektiert. „Ich habe kein einziges Auto, auch nicht ‚nur kurz‘, ohne Berechtigung auf einer solchen Fläche gesehen“, sagt Frank und mutmaßt: „… was sicherlich auch an den hohen Strafen von mindestens 250 US$ (ca. 200 Euro) liegt.“ Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Parksünder lediglich 35 Euro.

Als ebenfalls positiv empfand Frank die Toilettensituation: „Man musste nicht lange nach rollstuhlgerechten Einrichtungen suchen, da in der Regel diese in den normalen Toiletten integriert waren und es einfach eine breitere Kabine gab, in die man perfekt einrollen konnte. Außerdem waren in jedem befahrbaren Restaurant, die Toiletten auch auf der gleichen Ebene. Und wenn nicht, gab es einen Aufzug.“

„Man wurde nicht etwa schief angeguckt, sondern die Leute waren durchweg hilfsbereit“, bewertet Frank die öffentliche Wahrnehmung und die Akzeptanz in den USA. „An Warteschlangen durften wir grundsätzlich vorbei, z.B. am Flughafen, in Alcatraz (Gefängnismuseum vor San Francisco), am Taxistand, etc., und gestört hat das niemanden. Die Möglichkeit, Begleitpersonen zu Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten o. ä. kostenlos mitzunehmen, gibt es in den USA allerdings nicht. Was nicht weiter tragisch ist, wenn man dafür überall solch perfekte Bedingungen vorfindet.“

Wohin geht die nächste Reise?

Als Nächstes steht etwas Ruhigeres an. Strandurlaub auf einer griechischen Insel. Und dann: nach Australien oder eine Kreuzfahrt vielleicht, sagt Frank. Und nicht mal ein Eisberg könnte ihn aufhalten.

Für den kompletten Reisebericht siehe: Mit dem Rollstuhl in die USA – ein Erfahrungsbericht

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