The Sessions – Sexualassistenz mit Helen Hunt

Im Spielfilm „The Sessions – Wenn Worte berühren“ geht es auf den ersten Blick um Sex und auf den zweiten um Liebe. Nichts Ungewöhnliches für eine Hollywood-Produktion – wenn  der Protagonist nicht vom Hals abwärts bewegungsunfähig wäre.

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Aus dem Inhalt

Im Jahr 1988 ist der 38-jährige Autor Mark O’Brien (John Hawkes) immer noch Jungfrau. Aufgrund einer Polioerkrankung in seiner Kindheit, verfügt er über keinerlei Muskelkraft unterhalb des Halses. Mark muss die meiste Zeit des Tages in einer Eisernen Lunge verbringen. Die wenigen Stunden, die er ohne Beatmung auskommt, sorgen Assistenzkräfte und eine fahrbare Liege für Mobilität. Zwar hat Mark weder Sensibilitäts- noch Sexualfunktionsstörungen, doch schafft er es nicht Frauen auf die Art näherzukommen, die er sich wünscht. Grund hierfür ist neben seinen religiös geprägten Moralvorstellungen, seine negative Körperwahrnehmung. Mark empfindet seinen gelähmten Körper als unattraktiv und abstoßend und sich selbst als Konsequenz nicht liebenswert. Erschwerend hinzu kommt, dass ihm kein Grund einfallen mag, wieso Frauen in dieser Hinsicht anderer Meinung sein sollten.

Fest entschlossen nicht als Jungfrau zu sterben, wendet sich Mark – mit Segen seines Beichtvaters – an die professionelle Sexualbegleiterin Cheryl (Helen Hunt). In sechs Sitzungen (engl.: Sessions) will sie ihm helfen trotz seiner Ängste erste sexuelle Erfahrungen zu machen.

Schnell wird klar, dass beide romantische Gefühle für den anderen entwickeln. Doch das ist ein Problem, denn Cheryl ist verheiratet…

Was den Film besonders macht

Sexualität und Behinderung ist ein Thema, um das Hollywood gewöhnlich einen großen Bogen macht. Mark O’Brien, über den 1996 eine oscarprämierte Dokumentation* gedreht worden war, liefert mit seinem Artikel „On Seeing a Sex Surrogate“ jedoch eine ebenso offene wie berührende Vorlage für „The Sessions“, der Regisseur Ben Lewin, getreu der Persönlichkeit O’Briens, einen humorvollen Unterton verleiht. Wenn Mark jenseits aller Bitterkeit solche Dinge sagt wie: „Natürlich bin ich religiös. Jemandem muss ich ja die Schuld geben.“, oder er in einer Kontaktanzeige erwähnt, dass er bewegungsunfähig ist und daher „lange Spaziergänge“ mit ihm ausfallen, erlebt man als Zuschauer keinen Mann, der aufgegeben hat, sieht man kein Melodram sondern eine Komödie. Und es wird deutlich, womit Mark Frauen dazu bringen wird sich in ihn zu verlieben, sobald er die Oberhand über die beiden widerstreitenden Gefühle, die ihn zerrreißen – der Wunsch nach Intimität einerseits und die Angst vor Ablehnung andererseits – gewonnen hat.

Ein US-Kritiker sagt: „The Sessions ist ein Plädoyer dafür das Leben voll auszukosten, allen persönlichen Einschränkungen, gesellschaftlichen Vorurteilen, religiösen Dogmen und vor allem, aller persönlichen Ängste zum Trotz.“

DVD, Trailer und mehr Informationen

The Sessions – Wenn Worte berühren

Regie: Ben Lewin

Hauptdarsteller: John Hawkes, Helen Hunt, William H. Macy

Länge: 96 Min.

Preis: Auf DVD ab ca. 7,99 Euro

Zum Kinotrailer von „The Sessions“ geht es hier.

Regisseur Ben Lewin erkrankte als Kind selbst an Polio und geht an Gehstöcken. Die Schauspieler, die er zur Darstellung von Mark und der Cheryl gewählt hat, hätten besser nicht sein können.

Oscarpreisträgerin Helen Hunt spielt die Rolle der teilweise überforderten und schließlich von ihren Gefühlen hin und her gerissenen Sexualbegleiterin derart überzeugend, dass es ihr eine weitere Oscarnominierung einbrachte.

Für die Rolle des Mark castete Lewin mehrere Schauspieler mit Behinderungen, letztlich überzeugte ihn aber die Leistung des nicht-behinderten John Hawkes, der alleine durch seine Mimik die Gefühlswelt eines Mannes, auf der Suche nach der Erfüllung der fundamentalsten aller Bedürfnissen, offenzulegen vermag.

Über die Dreharbeiten zu The Sessions sagt Hauptdarsteller John Hawkes:  „Mark O’Brien sagte oft, dass behinderte Menschen für nicht-behinderte Leute unsichtbar seien. Wenn ich zwischen den Aufnahmen auf meiner Trage liegen blieb, war es tatsächlich so, dass Leute ihre Sandwiches oder Jacken und Mäntel auf mir ablegten. Und ich dachte, ah, so fühlt es sich also an ein Möbelstück zu sein.“

Hauptfigur Mark O’Brien war ein kalifornischer Schriftsteller und Dichter, der in seiner Kindheit an Polio erkrankte und anschließend vom Hals abwärts bewegungsunfähig war. Um seine Sexualität auszuleben, ging er eine Surrogatpartnerschaft mit der Sexualbegleiterin Cheryl Cohen-Green ein. Diese Erfahrung beschrieb er in dem Artikel „On Seeing a Sex Surrogate“ (dt.: Über meine Treffen mit einer Sexualbegleiterin), der 1990 im US-amerikanischen Magazin The Sun erschien und dem Spielfilm „The Sessions“ als Vorlage dient.

Für mehr Informationen über Mark O’Brien siehe: Mark O’Brien über die Treffen mit einer Sexualbegleiterin

Für mehr Informationen zur assistierten Sexualität siehe: Assistierte Sexualität in Deutschland, Österreich und der Schweiz

 

*Breathing Lessons: The Life and Work of Mark O‘Brien

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