Hinweiskarten für Falschparker

Die Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus e.V. (ASBH) und der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) verteilen freundliche Falschparker-Karten: Sie sind für Autofahrer bestimmt, die unberechtigt auf Behindertenparkplätzen parken. Die eindeutigen Hinweise informieren, anstatt zu sanktionieren.

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Geht man davon aus, dass es tatsächlich Personen gibt, die das riesige weiße Rollstuhl-Symbol auf dem Boden und das dazu gehörige blaue Hinweisschild auf den Parkplatz für Menschen mit Behinderung schlicht übersehen, wäre ein Bußgeld von 35 Euro für diese ahnungslosen Zeitgenossen ja völlig unverhältnismäßig – vom Abschleppen ganz zu schweigen! Hinzu kommen Situationen, in denen Ausweisinhaber angesichts eines unrechtmäßig belegten Behindertenparkplatzes nur ungern in die Vollen greifen bzw. zum Telefon, um die Behörden um Hilfe zu bitten: Z. B. wenn die Nachbarschaft oder ihr Dunstkreis den eigenen Rollstuhlfahrerparkplatz belegt oder man gerade in allzu sonniger love-and-peace-Stimmung ist und eine andere Parkfläche ohnehin in dem Moment frei wird. Oder wenn schlicht keine Zeit für weitere Maßnahmen ist. In diesen Fällen können sanfte Gemüter sich mit der pädagogischen Version des Strafzettels behelfen: Hinter den Scheibenwischer geklemmt, klärt die Falschparker-Karte anschaulich über das „Missverständnis“ auf, ohne dass ein Bußgeld fällig wird.

Auf die nette Tour

Die Karte gibt`s in verschiedenen Versionen kostenlos über die ASBH Selbsthilfe GmbH oder den BSK. Während der Cartoon des TAZ-Karikaturisten TOM auf den BSK-Hinweiskarten für Falschparker witzig aber eindrücklich auf den schlecht gewählten Standort aufmerksam macht, erklärt  der Flyer der ASBH (z. B. als PDF auf der Homepage des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes) geduldig, warum das so ist und dass unberechtigtes Parken auf Behindertenparkplätzen ein Bußgeld von 35 Euro kosten würde. Die Idee zum Flyer stammt von der ASBH Jugend Hamburg. So fühlen Falschparker sich erwischt, ohne dass Ordnungsamt oder Polizei anrücken müssen. „Sensibilisieren statt Sanktionieren“, heißt das Motto.

Eine weniger diskrete, aber dadurch vielleicht umso wirkungsvollere Methode kommt ebenfalls ohne Knöllchen aus. Die WegeHeld-Visitenkarten informieren darüber, dass das Falschparken unangenehm aufgefallen ist und bereits Alarm ausgelöst wurde: „Gucken Sie doch mal nach unter www.wegeheld.org, denn Ihr Auto ist jetzt berühmt!“, steht dann da. Im Netz hat der eigentliche Ausweisinhaber, der gern rechtmäßig geparkt hätte, Zeit und Ort des Vorfalls vermerkt und unter Umständen auch das unrechtmäßig parkende Fahrzeug abgebildet – mit geschwärztem Nummernschild zwar, aber immerhin. Bis der Fahrer das ermittelt hat, musste er sich auf unliebsame Weise mit seinem Fehltritt auseinandersetzen. Siehe auch: Erwischt! Mit der WegeHeld-App gegen Parksünder

Abschleppen lassen bleibt korrekt

Natürlich muss sich niemand scheuen, in Fällen von Missbrauch eines Behindertenparkplatzes die Polizei zu informieren und das Auto ggf. entfernen zu lassen. Mit einigen Exemplaren der Falschparker-Karte im Handschuhfach steht Ausweisinhabern bloß eine breitere Palette an Handlungsmöglichkeiten offen.

 

Weitere Informationen:

ASBH-Flyer (PDF) über den Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS)

Spenden-Shop des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK)

 

Siehe auch: Ein Nein! zum kreativen Weihnachtsparken

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