Ernährungsempfehlungen bei Dekubitus

Dekubiti sind häufige Komplikationen bei Querschnittlähmung und es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung (siehe: Prävention von Druckstellen und Dekubitus-Behandlung). Neben regelmäßiger Hautkontrolle und Positionswechsel, spielt auch die Ernährung eine wesentliche Rolle.

gemüserollis_sechs_gross copyright Manfred-Sauer-Stiftung, 2014

Eine vollwertige Ernährung unterstützt und fördert die Wundheilung. Besonders wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Makro– und Mikronährstoffen. Die Wundheilung findet nicht optimal statt, wenn Eiweiße oder Mineralstoffe wie Natrium, Calcium, Kalium, Phosphor, Chlorid und Zink fehlen.

Erhöhter Energiebedarf und Flüssigkeitszufuhr bei Dekubiti

Grundsätzlich gilt: Wenn der Körper gegen akute Störfälle kämpfen muss, erhöht sich der Energiebedarf. Auch bei Dekubiti und Wundheilungsstörungen ist dies der Fall, selbst wenn der Betroffene in der Rekuperationsphase evtl. bettlägerig ist und sich weniger bewegt. Eine Energiezufuhr von 30 –40 Kcal pro kg Körpergewicht pro Tag sollte ermöglicht werden.

Die Energie- und Eiweißzufuhr bei Dekubituspatienten ist wie folgt zu ermitteln: Anstelle des PAL-Werts (im Vergleich dazu siehe: Ernährung und Energiebedarf bei Querschnittlähmung)

Für den Aktivitätszuschlag gibt es bei Patienten mit Dekubitus einen sogenannten Stressfaktor. Das heißt, der Energiebedarf berechnet sich aus Grundumsatz × Stressfaktor. Berücksichtigt werden muss hierbei allerdings ein abweichender Stressfaktor in Abhängigkeit des Grads des Dekubitus (beginnend bei Grad 2).

  • Bei Dekubitus Grad 2 gilt ein Stressfaktor von 1,2; Der Eiweißbedarf liegt bei 1,2 -1,5 g pro kg Körpergewicht.
  • Bei Dekubitus Grad 3 und 4 gilt ein Stressfaktor von 1,5; Der Eiweißbedarf liegt bei 1,5 -2 g pro kg Körpergewicht.

Die Flüssigkeitszufuhr sollte 30 – 40 ml pro kg Körpergewicht am Tag betragen (im Vergleich hierzu siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung). Alternativ kann die Flüssigkeitszufuhr auch über die Kalorienmenge berechnet werden, dann gilt 1 ml pro Kcal. Wer z. B. 1.800 Kcal zur Deckung des täglichen Energiebedarfs zu sich nimmt, sollte mindestens 1,8 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Nährstoffe zur Unterstützung der Wundheilung

Folgende Nährstoffe spielen für die Wundheilung eine entscheidende Rolle:

  • Eiweiß (bzw. die Aminosäuren aus denen es sich zusammensetzt) ist am Aufbau von Antikörpern und faserbildendem Kollagen beteiligt, in Form von Hämoglobin nützt es als Transporthilfe für Sauerstoff. Die tägliche Zufuhr richtet sich wie oben angegeben nach dem Grad des Dekubitus. Siehe auch: Pflanzliches Eiweiß: Keine Angst vor Tofu und Co.
  • Fett ist essenzieller Bestandteil der Zellmembranen und dient dem Körper neben den Kohlenhydraten als wichtige Energiequelle.
  • Vitamin C ist essenziell für den Aufbau an Bindegewebe und stärkt das Immunsystem und sollte auch vermehrt aufgenommen werden. Vitamin C-Lieferanten sind zum Beispiel Paprika, Zitrusfrüchte und Hagebutte. Für eine detaillierte Auflistung von Vitamin C reichen Lebensmitteln siehe: Verblüffend vitaminreich – Salami, Shrimps und Kartoffelchips.
  • Vitamin A beeinflusst die Zellmembranbildung positiv. Es kommt vor allem in Leber, Möhren und Salaten vor.
  • Vitamin K ist unablässig für die Blutgerinnung. Es gilt: Je grüner das Gemüse, desto mehr Vitamin K ist darin enthalten. Gute Quellen sind z. B. Brokkoli, Brunnenkresse und vor allem Grünkohl.
  • Vitamin E wird als Radikalfänger im Körper benötigt. Durch die Aufnahme von Pflanzenölen, Nüssen, Samen und Vollkorn kann der erhöhte Bedarf gedeckt werden.
  • Das Mineralsalz Natrium ist notwendig für die osmotische Regulation im Körper.
  • Flüssigkeit in Form von Trinkwasser dient dem Körper als Transportmittel und Reaktionspartner und ist wichtig zur Aufrechterhaltung des Körperzellendrucks und für die Wärmeregulation.

Ggf. sollte über die Blutwerte ermittelt werden, ob Zink, Eisen, Vitamin C oder die Aminosäuren (Eiweißbestandteile) Arginin und Glutamin über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden müssen. Alternativ kann zusätzlich auch eine eiweißreiche Trinknahrung zu sich genommen werden (ADA, 2009). Welche hierzu geeignet ist, sollten Betroffene immer mit einem Arzt oder Therapeuten besprechen. Generell gilt, dass das Rauchen den Nährstoffbedarf erhöht (siehe auch: Rauchen und Querschnittlähmung).

Wenn Entzündungen, Dekubitus und Wundheilungsstörungen als Komplikation bzw. Folgeerscheinung bei Querschnittlähmung auftreten, sollte eine Ernährungsberatung in die therapeutische Behandlung des Betroffenen mit einbezogen werden. Diesen Service bieten verschiedene Querschnittzentren sowie das Zentrum für Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter.

Für mehr Informationen und zum kostenfreien pdf Download des Ratgebers des Netzwerks Ernährung Querschnittgelähmter siehe: Broschüre – Ernährungsempfehlungen für Querschnittgelähmte

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