Harnwegsinfektion: erkennen – behandeln – vorbeugen

Harnwegsinfektionen sind eine der häufigsten Komplikationen bei Querschnittlähmungen. Sie sollten nicht als nahezu unvermeidbare Begleiterscheinung hingenommen, sondern bestmöglich begrenzt werden. Dazu gibt es intervenierende, aber auch vorbeugende Maßnahmen.

Ob ein medizinisch relevanter Harnwegsinfekt vorliegt, lässt sich mit folgender Formel feststellen:

Bakteriurie mit Keimzahl  ≥ 105/ml
+Leukozyturie  ≥ 100/mm3
=klinisch relevanter Harnwegsinfekt

Bei Fachleuten gilt bei Querschnittlähmung jeder Harnwegsinfekt als „kompliziert“. Zum einen können derartige Infekte ein Hinweis sein auf eine nicht hinreichend behandelte Neurogene Blasenfunktionsstörung, zum anderen fehlen mitunter klinische Symptome, da Betroffene aufgrund ihrer Querschnittlähmung Warnzeichen nicht wahrnehmen können (Arbeitskreis, 2014).

Wie erkenne ich eine Harnwegsinfektion?

Eine bakterielle Entzündung der Harnwege kann sich sehr unterschiedlich stark bemerkbar machen. Manchmal wird sie gar nicht wahrgenommen, darum empfiehlt es sich, regelmäßig zu Hause Teststreifen zu verwenden, die Abweichungen von den normalen pH-Werten des Urins nachweisen. Andere Symptome sind:

Behandlungsmöglichkeiten 

Bei dem Verdacht auf eine Harnwegsinfektion bei bestehender Blasenlähmung wird eine Urinkontrolle durch den Arzt empfohlen. Über ein Antibiogramm können zugleich die erfolgreichsten Antibiotika ermittelt werden. Das einmalige oder kurzzeitige Einnehmen von Antibiotika wird bei Neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes (bis 2020: Neurogenen Blasenfunktionsstörungen) infrage gestellt. Stattdessen sollte die Behandlung nach Erfahrungen des BG Unfallkrankenhauses Hamburg sieben bis zehn Tage (bei Männern ggf. länger) andauern, um ein erneutes Auftreten der Entzündung zu vermeiden. „Über die Länge dieser Zeiten wird allerdings ärztlicherseits immer wieder kontrovers diskutiert“ (Burgdörfer/Wenig, 2012).

In jedem Fall sollte die Behandlung mit einem Antibiotikum nach spätestens drei Tagen anschlagen, d. h. die Leukozytenanzahl im Urin sollte sinken. Damit Erreger herausgespült werden können, unterstützt es die Behandlung, reichlich zu trinken. Blasentees aus harntreibenden Kräutern können zudem die Harnmenge steigern. Vier bis sieben Tage nach Abschluss der Behandlung sollte der Urin nochmals überprüft werden.

Was kann ich tun, um einen Harnwegsinfekt vorzubeugen?

Die regelmäßige und vollständige Blasenentleerung, viel trinken, eine gewissenhafte Pflege des Genitalbereichs und die sorgfältige Hygiene beim Katheterisieren wirken gemeinsam gegen die Ausbreitung und das Wachstum von Bakterien. Die Fachliteratur empfiehlt sowohl Betroffenen mit einer schlaffen als auch einer spastischen Blase den intermittierenden Selbstkatherterismus, um die Blase zuverlässig und druckfrei zu entleeren. Sie können lernen, sich selbst zu katheterisieren, wenn die Motorik der Hände das zulässt. Ansonsten funktioniert der Fremdkatheterismus auf dieselbe Weise. Ratsam ist eine Entleerung der Blase alle vier Stunden (siehe auch: Zur Durchführung des Intermittierenden Selbstkatheterismus).

Um potenzielle Erreger herauszuspülen, empfiehlt es sich generell reichlich zu trinken. Die Ausscheidungsmenge sollte 1.500 ml in 24 Stunden betragen (siehe auch: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung).

Ein Blasentraining soll Betroffenen zudem helfen, ein besseres Gefühl für ihre Blasentätigkeit bzw. eine bewusste Wahrnehmung dieser zu bekommen und angemessen darauf zu reagieren.

Zu Beginn eines Blasentrainings werden Urinmengen, die Zeit zwischen Trinken und Entleerung, Reaktionen des Körpers auf eine volle Blase u. a. genau protokolliert. Mit der Zeit wird so ein vorausschauender Umgang mit der Blase erreicht, der in Kombination mit der passenden Entleerungstechnik Infektionen vermeiden kann.

Siehe auch:

Alternative Methoden zur Vorbeugung und Heilung von bakteriellen Harnwegsinfekten

Neurogene Blasenfunktionsstörungen: Konservative Therapien

Neurogene Blasenfunktionsstörungen: Operative Verfahren