Aromatherapie und Aufgüsse in der Sauna

Wie wohltuend Wärme für Menschen mit Rückenmarksverletzung sein kann, wird im Beitrag Mit Querschnittlähmung in Sauna, Dampfbad und Co. beschrieben. Dass diese Anwendungen auch mit der Aromatherapie kombiniert werden können, ist ein weiterer Vorteil, den Heißluft-, Warmluft und Dampfräume mit sich bringen.

Bild Sauna 7323 copyright Manfred Sauer Stiftung, 2013

Aromatherapie soll die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren (siehe: Aromatherapie bei Querschnittlähmung). In der Sauna wird sie bereits seit Erfindung der Schwitzhütten oder -zelte vor Hunderten von Jahren durchgeführt. Ursprünglich wurden auf den heißen Steinen wohlduftende Kräuter verbrannt, zuweilen auch Pflanzenteile mit bewusstseinserweiternden Inhaltsstoffen, nämlich dann, wenn der Aufenthalt in der Sauna Teil einer spirituellen Zeremonie war.

Heute werden beim Aufguss gewöhnlich balsamisch duftende, ätherische Öle verwendet. Die Essenzen wirken entweder anregend oder beruhigend auf den Körper, während der heiße Dampf die Atmung vertieft und die Haut reinigt.

Aufgüsse beim Saunabaden

Der Aufguss in einer Sauna wirkt wie ein Dampfbad. Durch die Hitze sind die Poren der Haut weit geöffnet und die Atmung ist tief. Beim Saunaaufguss werden meistens balsamisch duftende ätherische Öle wie Fichtennadel oder Eukalyptus verwendet.

Bei einem Aufguss in der Sauna werden ätherische Öle mit warmem oder kaltem Wasser verdünnt und über den Saunaofen gespritzt. Der heißte Dampf, der aufsteigt, verteilt sich im Raum. Nach dem Aufguss entfalten sich die Aromastoffe als wohlriechender Duft; zum Schwitzen kommt ein erfreuliches Dufterlebnis hinzu. Die Substanzen werden inhaliert aber auch durch die Haut aufgenommen. Beliebte Öle sind:

  • Ackerminze
  • Cajeput
  • Eukalyptus
  • Fichte
  • Kampfer
  • Kiefer
  • Latschenkiefer
  • Minze
  • Niaouli
  • Rosmarin
  • Zeder
  • Zirbelkiefer
  • Zypresse

Sie können abwehrstärkend, antiseptisch, analgetisch, anregend, durchblutungsfördernd, entzündungshemmend, krampflösend, muskelentspannend, nervenstärkend und schleimlösend wirken. Vor allem was die Stärkung der Abwehr und die Vorbeugung von Atemwegserkrankungen angeht, können Saunaanwendungen gute Erfolge bringen.

Achtung: Auch bei der Anwendung der Aromatherapie in der Sauna dürfen naturreine ätherische Öle nicht mit Parfümölen oder Mischungen verwechselt werden.

Da die meisten ätherischen Öle Terpne, d. h. leicht entflammbare Substanzen enthalten, dürfen sie nicht direkt auf heiße Saunasteine oder Ofenteile getropft werden. Ätherische Öle können hautreizend wirken, und nicht jedes ätherische Öl ist für eine Inhalation während des Saunagangs geeignet.

Der Aufguss

Der Aufguss ist das Begießen der heißen Steine des Saunaofens mit kaltem oder heißem Wasser. Zunächst wird das Aufgusswasser in einem Saunakübel vorbereitet, in dem Wasser oder auch Eis mit den gewünschten ätherischen Ölen vermischt wird. Ca. fünf Minuten nach dem Beginn des Saunagangs wird der Aufguss vom Saunameister oder einem Badenden durchgeführt; danach wedelt er mit einem Handtuch um den Wasserdampf in der Sauna zu verteilen. Während des Aufgusses erhöht sich die relative Luftfeuchtigkeit von etwa 10% auf 30 %. Für ein paar Minuten spüren Sie einen starken Hitzereiz, der jedoch bald vorüber ist. Nach ca. acht Minuten nehmen Hitze und Dampf wieder ab und es folgen ca. zwei Minuten des Nachschwitzens. Der Aufguss gilt als Höhepunkt des Saunagangs. Als zusätzlicher Hitzereiz verstärkt er das Schwitzen und trägt gemeinsam mit den Kältereizen aus den Kaltwasseranwendungen besonders zur Entspannung und Abhärtung bei.

Möglich ist auch das Aufgießen mit einer Gießkanne, mit der das Wasser besonders gleichmäßig über den Steinen verteilt werden kann, wodurch deren Oberfläche besser genutzt wird. Das gesamte Wasser verdampft stoßweise früher und steigert so das Hitzeempfinden.

Vorsicht: Wegen der großen Hitze und Luftfeuchtigkeit ist der Aufguss besonders anstrengend für den Körper. Empfindlichen und ungeübten Saunabesuchern wird empfohlen, Vorsicht walten zu lassen z. B. indem sie sich während des Aufgusses auf eine der unteren Bänke setzen, wo die Luft weniger heiß ist, oder ganz darauf zu verzichten. Für mehr Informationen darüber, worauf Querschnittgelähmte beim Saunabaden achten sollten, siehe: Mit Querschnittlähmung in Sauna, Dampfbad und Co.

Aufguss in der Heimsauna

Da private Saunen meist etwas kleiner sind, ist hier weniger Aufgusswasser notwendig. Da in kleineren Saunen nur wenige Schöpfkellen Aufguss benötigt werden, kann das ätherische Öl auch tropfenweise einzeln auf den wassergefüllten Saunalöffel gegeben werden, der dann über die Steine gekippt wird. Keinesfalls darf aber das Öl ohne Wasser auf die Steine gelangen, da Brand-, Verletzungs- und Verätzungsgefahr besteht.

Sonderformen des Aufgusses

Es gibt verschiedene Sonderformen des Aufgusses, von denen hier nur einige genannt werden sollen:

  • Birkenaufguss (auch: Wenik-Aufguss)

Hierbei werden Birkenzweige im Aufgusswasser eingeweicht (manchmal wird dem Aufgusswasser auch die ätherische Essenz „Birke“ zugefügt, um den Birkenduft zu verstärken) mit denen sich die Saunabesucher während der Dampf aufsteigt selbst oder gegenseitig abschlagen. Dadurch wird die Blutzirkulation angeregt; zudem soll das Abschlagen einen erfrischenden Effekt haben und die an der Hautoberfläche stehende Luftschicht hochwirbeln, was zusätzlich die Schweißproduktion steigern soll.

  • Eis- bzw. Schneeaufguss

Hierbei wird das Aufgusswasser  mit Eiswürfeln, zerstoßenem Eis oder (falls vorhanden) Schnee gemischt, dem ätherische Öle zugefügt werden können. Das Eis schmilzt und verdampft gleichmäßig ohne teilweise ungenutzt durch die Steine hindurch zu rinnen. Hierdurch wird ein stärkerer Effekt erzielt, der so nur durch gleichmäßiges Aufgießen über einen längeren Zeitraum zu erzielen wäre.

Zwei Aufgussarten sollen der Hautpflege (siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung) in besonderer Weise dienen:

  • Honigaufguss

Hierbei wird der ganze Körper mit Honig eingerieben, der sich durch die Wärme verflüssigt und intensiv duftet. Er sieht schnell in die warme Haut ein, soll hautreinigend wirken und den Säureschutzmantel stärken. Zusätzlich können fruchtig duftende Aromaessenzen im Aufgusswasser verwendet werden. Im Fachhandel gibt es mittlerweile spezielle Honigpasten für die Anwendung in der Sauna, die weitere, teils hautpflegende Zusätze enthalten.

  • Salzaufguss

Nach dem Vorschwitzen oder dem ersten Aufguss wird der Körper (Kopf, Genitalbereich und offene Wunden werden ausgespart) mit grobkörnigem Meer- oder Mineralsalz eingerieben. Neben dem Peeling-Effekt für die Haut soll das Salz schweißtreibend und desinfizierend wirken. Ätherische Öle, die beim Salzaufguss zusätzlich verwendet werden können, sind meist Nadelholzöle u. ä.. Eine positive Wirkung für die Atemwege, die dem Salzaufguss oft nachgesagt wird, ist wahrscheinlich nicht gegeben, da Salz aus einer Salzlösung nicht mitverdampft und somit nicht in die Luft gelangt.

 

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