Mit dem Monoski die Bergwelt erobern

Der mehrfache paralympische Goldmedaillengewinner Martin Braxenthaler hat sich aus dem aktiven Skisport zurückgezogen und trainiert nun junge Athleten, aber auch blutige Anfänger. In Kooperation mit dem Sanitätscenter adViva leitet er jedes Jahr einen Monoski-Kurs für Rollstuhlfahrer im österreichischen Obertauern.

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Herr Braxenthaler, gerade kommen Sie von der diesjährigen Monoski-Woche in Obertauern. Ihre Eindrücke?

Wunderbar. Mit vier Tagen Sonnenschein hatten wir perfekte Bedingungen. Zusammen mit sechs Guides, die das Skigebiet ebenfalls gut kennen, konnten wir vier Anfänger und sechs Fortgeschrittene begleiten. – Das Tolle ist das glückliche Leuchten in den Augen der Teilnehmer, wenn sie mit dem Monoski Spaß haben!

Was begeistert Sie persönlich am Monoski-Fahren?

Nach meinem Unfall 1994 hatte ich den Wunsch, auch weiterhin mit meinen Kumpels die Bergwelt zu genießen. Damals hat mich Karl Lotz, der als Monoskifahrer in der deutschen Nationalmannschaft Weltmeistertitel und Olympiamedaillen gewonnen hat, in einem Kurs mit dem Monoski vertraut gemacht. Da habe ich dann gemerkt, dass diese Kombination von Anstrengung und Spaß mir liegt. Mit einer guten Portion an Talent und den richtigen Leuten zur Seite kämpft man sich dann durch. Bis an die Spitze wird einem nichts geschenkt, aber den Kampfgeist hatte ich auf jeden Fall!

In der Tat. Was bringen Sie heute Anfängern bei?

Wir starten mit Trockenübungen: Der Einstieg ins Gerät, also der Transfer vom Rolli in den Monoski, wird erstmal indoor geübt. Am nächsten Tag gehen wir dann in den Schnee, üben auf ebener Fläche das Drehen auf der Stelle und ganz leichtes Rutschen. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Teilnehmer erleben, wie es sich anfühlt zu gleiten. Im Laufe der Woche lernen sie durch erste Impulse das Abbremsen, ihr Gleichgewicht zu halten und ein Stück Piste zu nehmen.

Brauche ich als Teilnehmer einen eigenen Monoski?

Die Geräte leihe ich nach Angaben, die wir bei der Anmeldung abfragen, für die Teilnehmer vorab aus. Je nach Rollstuhlbreite, Gewicht und anderen Maßen weiß ich aus Erfahrung genau, was passt.

P1210275_neuWorin liegt der Reiz des Kursangebotes für die Fortgeschrittenen?

Die belegen nicht den Kurs selbst, sondern sind mit unseren Guides im Skigebiet unterwegs. So verbessern sie ihre Technik einfach auch mit den Pistenkilometern, die sie zurücklegen und der Übung, die sie dadurch bekommen. Obertauern ist ein sehr angenehmes, vielseitiges Skigebiet, da kann man in ein paar Tagen sein Können schon ganz gut ausbauen.

Welche Voraussetzungen müssen Teilnehmer mitbringen?

Motivation natürlich und Mut, aber auch bestimmte körperliche Fähigkeiten. Das Handicap darf nicht zu hoch sein. Bis TH 4 mit normaler Arm- und Schulterfunktion ist es aber in der Regel kein Problem. Und bei bestimmten Ausfällen muss man sich halt vor der Anmeldung unterhalten, um wenn möglich, individuelle Lösungen zu finden. Jeder Teilnehmer braucht außerdem eine Begleitperson.

Ist die auch bei den „Könnern“ noch notwendig?

Man kann zwar mit etwas Übung allein zurechtkommen, aber es kostet Kraft und macht den Kopf müd, wenn man nach jedem Sturz ganz allein wieder in die richtige Position kommen will. Damit sollte man sein Pulver nicht verschießen. Deshalb macht es Sinn, dass eine körperlich fitte Person hier unterstützt. Aber das muss dann keine 1:1-Unterstützung mehr sein, sondern es können auch mehrere geübte Fahrer mit einer Begleitperson unterwegs sein.

Allerdings ist die Woche für eine Person finanziell schon nicht ganz ohne …

Man muss sagen, dass weder ich noch die Organisatoren von „adViva“ mit dem Kurs wirklich Geld verdienen. Das Hotel ist sehr komfortabel und liegt direkt am Anfängerlift. Das hat seinen Preis, macht aber auch Sinn. Den Skilift können Sie im Monoski ganz normal benutzen, wie andere auch, ohne zu Warten.

Auf was muss man achten, wenn man oben angekommen ist?

Es gibt natürlich gewisse Pistenregeln, die zählen für jeden. Das größte Problem sind Leute, die über ihren Möglichkeiten unterwegs sind. Man muss immer damit rechnen, dass andere nicht aufpassen. Dann fährt man selbst am sichersten.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Impressionen

Monoski-Kurs 2013 Zum Video auf Youtube

Monoski-Kurs 2014 Zum Video auf Youtube

 

Zu den Kursdaten: P1210299_neuwww.adviva-info.de

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Martin Braxenthaler ist seit einem Unfall 1994 querschnittgelähmt. 1995 begann er mit einem Monoski-Kurs, wurde zwei Jahre später in den Bayrischen Landeskader aufgenommen und gehörte mehr als zehn Jahre lang in seinem Sport zur Weltelite. Er holte zehn Goldmedaillen, unter anderem 2002 bei den Paralympics in Salt Lake City. Dort gewann er vier Mal in den Disziplinen Slalom, Riesenslalom, Abfahrt und Super G. Jetzt ist er ausgebildeter Trainer und lebt mit seiner Familie in Surberg bei Traunstein.

 

 

 

 

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