GRIT Freedom Chair – Das Mountainbike unter den Rollstühlen

Unwegsames Gelände? Weiche, unebene Böden? Schlaglöcher, Stock, Stein, Kies, Matsch? Vielleicht sogar Eis und Schnee? Dies alles stellt kein Problem für den GRIT Freedom Chair dar, denn Vorspannrad und manueller Hebelantrieb machen ihn zum Mountainbike unter den Rollstühlen.  

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Der GRIT Freedom Chair ist ein Outdoor-Rollstuhl, mit dem der Fahrer Unebenheiten und Hindernisse (bis zu einem gewissen Grad) ohne Hilfe überwinden kann. Angetrieben werden kann er auf die herkömmliche Weise über Greifreifen an den Antriebsrädern oder über zwei Hebel an den Seiten, die hin und her bewegt werden. Diese Hebelbewegung überträgt sich auf ein Zahnrad, das über eine Kette mit der Hinterachse verbunden ist. Wer die ganz sportliche Variante möchte, wählt ein Modell mit Gangschaltung.

Was der Freedom Chair alles kann: GRIT-Freedom-Chair-8-collage2

  • Durch die Antriebshebel lassen sich Hindernisse mit einem, im Vergleich zum Antrieb über die Greifreifen, um 50% verbesserten Drehmoment überwinden.
  • Große Reifen und ein Vorspannrad aus Vollgummi ermöglichen das schnelle und sichere Vorwärtskommen auf unebenen Böden. (Siehe auch: Das Vorspannrad – Ein fünftes Rad am Rollstuhl)
  • Der Rollstuhl verfügt über einen Edelstahlrahmen der hohen Belastungen standhält und hat einen niedrigen Schwerpunkt um bei starkem Gefälle Stabilität zu gewährleisten.
  • Für den Transport ist der Freedom Chair auseinandernehmbar, so dass man ihn auch in kleinen Autos schnellstens zum Off-Road-Trail seiner Träume befördern kann.
  • Verwendet werden Standard-Fahrradteile, so dass Reparaturen einfach selbst durchführbar sind und Komponenten an die eigenen Wünsche angepasst werden können.
  • Auf Wunsch wird der Freedom Chair mit einer Gangschaltung versehen.
  • Ebenfalls optional sind breitere Reifen für ein sichereres Fahren auf Eis, Schneematsch und Schnee ohne Einsinken.
  • Verfügbar ist der Outdoor-Rollstuhl in mattem Schwarz.
  • Was die Sitzbreite angeht, kann man zwischen 16 und 18 Inches (ca. 40 bzw. 46 cm) wählen; für Fahrer, die mehr als 100 Kilogramm wiegen, ist der Freedom Chair nicht geeignet.
  • Der Freedom Chair wurde laut Hersteller von sowohl Para- als auch Tetraplegikern getestet. Geeignet ist er für Personen, die über eine gewisse Armkraft sowie Oberkörperstabilität verfügen. Wahlweise können am Sitz Gurte befestigt werden, mit denen sich der Fahrer anschnallen kann.

Kosten

Interessenten müssen für das Standardmodell des GRIT Freedom Chair ca. 3.000 US Dollar (ca. 2.660 Euro) inkl. MwSt. aufbringen . Hinzu kommen die Kosten für den Versand, die sich nach Europa auf 1.000 Dollar (ca. 880 Euro) belaufen werden. Die Macher um Tish Scolnik suchen derzeit nach einem Vertragshändler in Europa, um diesen Zusatzkosten zu begegnen.

Für weitere Informationen (in englischer Sprache) siehe: www.gritfreedomchair.com

Der GRIT Freedom Chair .... lässt sich für den Transport in seine Einzelteile zerlegen.

Der GRIT Freedom Chair …. lässt sich für den Transport in seine Einzelteile zerlegen.

LCF, Vorläufer des GRIT

Das Produkt – ein geländegängiger Rollstuhl, der für das Befahren von verschiedenen Bodenbeschaffenheiten geeignet ist – haben die technischen Designer vom Massachusetts Institute of Technology im Cambridge, USA, ursprünglich für die Nutzung in Dritte-Welt-Ländern entwickelt. Denn Mountainbike-Qualität sind in Ländern, in denen sich das tägliche Leben oft draußen und überwiegend jenseits von Bürgersteigen und befestigten Straßen abspielt, nicht nur ganz nett, sondern ein Muss. Bereits 2012 kam der Freedom Leverage Chair (LCF) auf den Markt. Er wird in Indien produziert und ist ausschließlich in Entwicklungsländern erhältlich. Verkauft wird er in größeren Mengen an NGOs (Nichtregierungsorganisationen), Stiftungen und Hilfsorganisationen zu einem Stückpreis von 250 Dollar (ca. 220 Euro) pro Stuhl. Er funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der GRIT, doch gibt es einige Unterschiede:

  • Im Gegensatz zum GRIT Freedom Chair kann der LCF nicht für den Transport auseinandergenommen werden.
  • Der LCF wird aus Fahrradteilen gebaut, die in Entwicklungsländern standardmäßig erhältlich sind und leicht ersetzt werden können, wenn eine Komponente defekt ist. In Industrieländern sind diese (Ersatz-) Teile nicht verfügbar.
  • Der LCF wird in Indien produziert, der GRIT Freedom Chair in den USA. Für Kunden in den USA bedeutet dies geringere Transportkosten beim Erwerb des GRIT. Solange es in Europa keine Vertragshändler gibt, fallen für Interessenten hierzulande Transportkosten von ca. 880 Euro an.
  • Die Produktion des LCF kann durch Spenden unterstützt werden, was die Kosten für den Endverbraucher senkt und ihn somit in vielen Fällen überhaupt erst erschwinglich macht.

Für mehr Informationen (in englischer Sprache) zum Freedom Leverage Chair siehe: gogrit.us

Der LCF sorgte weltweit für Aufsehen und Interesse. Als die Macher vermehrt mit Anfragen aus den USA und Europa konfrontiert wurden, entschieden sie eine Variante angepasst an den westlichen Nutzer zu schaffen und finanzierten es via Kick Starter.

 

Siehe auch: Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen.

Fragen & Kommentare

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  1. rollipeter 24.03.2015, 13:33 Uhr

    Hallo, habe mir mit Greifreifen die Schultergelenke lädiert. Deshalb suche ich nach einem handhebelgetriebenen Rolli. Möglichst sofort lieferbar, bezahlbar, und idealer Weise aus Europa. Es wäre sehr nett, wenn mir jemand einen Tip geben könnte.

    • Tanja Konrad 27.03.2015, 09:56 Uhr

      Guten Tag Rollipeter,
      vielen Dank für Ihr Kommentar.
      Uns ist derzeit leider kein europäischer Hersteller eines vergleichbaren Produktes bekannt, werden aber Augen und Ohren offenhalten und Hinweise an die Redaktion gerne entgegen nehmen und weiterleiten.
      Um Ihre lädierte Schulter zu entlasten könnten Sie vielleicht hin und wieder einen Ausflug in die Sportart Pole Wheeling einlegen. Das Antreiben des Rollstuhls funktioniert hierbei mit Stöcken, wie etwa beim Langlaufschlitten. Siehe: Pole Wheeling – Nordic Walking für Rollstuhlfahrer.
      Viele Grüße
      Tanja Konrad

    • Tanja Konrad 21.04.2015, 09:24 Uhr

      Guten Tag rollipeter,

      wir haben auf Ihre Anregung hin einen Übersichtsbeitrag zum Thema Geländerollstühle geschrieben. Es gibt weitere Modelle mit Hebelantrieb; der GRIT scheint im Vergleich allerdings preislich immer noch der günstigste zu sein. Siehe: Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen.

      Viele Grüße
      Tanja Konrad