Fuß an Darm – Die Fußreflexzonenmassage

Eine wissenschaftlich untermauerte Wirkung konnte der Fußreflexzonenmassage bislang nicht nachgewiesen werden. Studien mit geringen Probandenzahlen geben aber Hinweise darauf, dass sie u. a. positiven Einfluss auf arthritische Knieschmerzen sowie auf die Durchblutung des Darms haben könnte.

Bild 119663143 Urheberrecht wavebreakmedia, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die Vorstellung von Energieströmen (Meridianen) im menschlichen Körper, die bestimmte Zonen der Haut mit inneren Organen und Muskeln verbinden, hat ihren Ursprung in der fernöstlichen Medizin. Wie die Akupunktur, Akupressur oder Moxibustion setzt auch die Fußreflexzonenmassage auf die Stimulation bestimmter Druckpunkte, sogenannter Reflexzonen. Für die Existenz der Meridiane gibt es keine wissenschaftlichen Belege, und doch hat sich die Methode neben anderen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) aufgrund von Erfahrungswerten in der westlichen Welt etabliert.

Das Konzept besagt, dass ausgehend von der Wirbelsäule jeweils rechts und links Energieströme verlaufen und an den Füßen enden. Durch den amerikanischen Hals-Nasen-Ohren-Arzt William Fitzgerald nahmen auch Elemente der indianischen Volksmedizin Einfluss auf die Weiterentwicklung der Therapie. Er konzipierte um 1917 ein System, in dem er den Körper in zehn senkrechte Zonen einteilte – der Grundstein der heutigen Reflexzonentherapie. In den 1950er-Jahren griff auch die Heilpraktikerin Hanne Marquardt die Methode auf und konzipierte zahlreiche weitere Behandlungsformen.

Die Reflexzonen des Fußes

Wird eine bestimmte Zone am Fuß stimuliert, kann dies das entsprechende Organ über bestimmte Energieströme erreichen und eine bessere Durchblutung bzw. Selbstheilungskräfte in Gang setzen, so die Theorie. Unbestritten ist, dass eine gute Durchblutung für jedes Organ lebenswichtig ist, denn das Blut ist das Transportmittel für Sauerstoff, sämtliche Aufbaustoffe, Hormone, Antikörper und übernimmt den Abtransport von Abfallprodukten.

Areale, die erkrankte oder gestörte Organe repräsentieren, sind gemäß der Reflextherapie schmerzempfindlicher oder in ihrer Struktur verändert, z. B. verhärtet. Diesen Regionen widmet sich die Therapie mit verschiedenen Grifftechniken, mit Druck oder Streichen und zielt darauf ab, so eine Besserung der Organfunktion zu bewirken.

Hanne Marquardt fand insgesamt 96 Reflexzonen, u. a.:

  • Großer Zeh: Reflexzone des Gehirns
  • Zweiter und dritter Zeh: Reflexzonen der Augen
  • Ballen: Zonen von Lunge, Herz und Schilddrüse
  • Sohle des Mittelfußes: Reflexzonen der inneren Organe, wie Nieren, Leber und Darm
  • Fußinnenseiten: Zonen der Wirbelsäule
  • Fußrücken: Reflexzonen des Brustkorbs
  • Zwischen Ferse und Innenknöchel: Reflexzonen von Blase, Rektum und Geschlechtsorganen

Reflexzonen existieren nach der TCM auch an Ohren und Nase, am Rücken, am Kopf oder den Händen. Die Reflexzonen sind in vielen Abbildungen relativ exakt bemessen, sodass z. B. die Zehen über mehrere Zonen für verschiedene Organe verfügen. Allerdings: „Es gibt keine einheitliche Darstellung der Reflexzonen − etwa an Füßen und Händen, stattdessen gibt es viele voneinander abweichende, sich widersprechende Abbildungen“ (Wikipedia, 2015).

SH-77136316-Alex-Luengo-gro

Indikationen

Die Autoren des Kapitels „Physikalische Therapie“ in dem Band „Paraplegie – Ganzheitliche Rehabilitation“ betrachten die Reflexzonentherapie am Fuß nach Hanne Marquardt als indiziert bei Kopfschmerzen, Spasmen, Darmproblemen, physischer Überlagerung, organischen Dysfunktionen, Schmerzen allgemein und dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS/Sudeck-Syndrom) sowie bei Stress und Schlafstörungen, gynäkologischen Beschwerden oder Immunschwäche.

Kontraindikationen seien infektiöse und fieberhafte Erkrankungen, akute Entzündungen im Venen- und Lymphsystem (auch Erysipel als bakterielle Infektion der oberen Hautschichten und Lymphwege), operativ zu behandelnde Krankheiten, großflächige Pilzerkrankungen, Gangrän (Wandbrand), Risikoschwangerschaften und Arterienerweiterungen (Zäch/Koch, 2006).

Überzeugte Verfechter der Fußreflexzonenmassage warnen vor zu langen Massagen, da sie annehmen, dass eine zu starke Reizung, verbunden mit einer veränderten Durchblutung z. B. der Leber, zu viele Giftstoffe lösen könnte. „Warum und wie das funktioniert, lässt sich bis heute nicht wissenschaftlich erklären, aber dass es funktioniert, lässt sich leicht beweisen. Massiert man zum Beispiel die mittlere Zehe (Reflexzone des Mittelfingers), kann man schon nach kurzer Zeit feststellen, dass der Mittelfinger der bestdurchblutete, heißeste der ganzen Hand ist“ (http://www.lichtleben-lexikon.de/).

Keine Kassenleistung

Als eine Form der reflektorischen Massage fällt die Fußreflexzonenmassage unter die Physikalische Therapie. Die Heilmittel-Richtlinie (2011) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die für die Verordnung von Heilmitteln wie Physiotherapie, Ergotherapie und mehr maßgeblich ist, fasst die Fußreflexzonenmassage unter die nicht verordnungsfähigen Heilmittel, da ihr  therapeutischer Nutzen nach Maßgabe der Verfahrensordnung des G-BA (VerfO) nicht nachgewiesen sei. (Anders entschied der G-BA bei Akupunktur: Seit 1. Januar 2007 ist die Behandlung mit Nadelstichen bei chronischen Rückenschmerzen sowie chronischen Gelenkschmerzen eine Kassenleistung).

Derzeit liegen nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Fußreflexzonenmassage vor, die aufgrund ihrer geringen Anzahl an Probanden nicht repräsentativ sind. Im Folgenden werden zwei davon vorgestellt, deren Ergebnisse interessante Tendenzen hervorgebracht haben.

Studien zur Fußreflexzonentherapie

  • 2006 wurde am Universitätsklinikum Jena eine Studie an 30 Probanden mit mittelschwerer Kniegelenksarthrose durchgeführt. Alle Patienten erhielten für einen Zeitraum von 6 Wochen zweimal pro Woche Fußreflexzonenmassage an den korrespondierenden Zonen.
    Erhoben wurden neben dem subjektiven Empfinden der Patienten auch die Ergebnisse mehrerer Erhebungsverfahren zur Schmerzintensität und die Beweglichkeit des erkrankten Knies. Als Vergleichszeiträume waren dieselben Daten bereits 6 Wochen vor der Behandlung festgehalten worden. Die Evaluation dauerte bis zur 8. Woche nach der Therapie an. „Es zeigten sich während und nach der Fußreflexzonentherapie deutliche Verbesserungen: Die Schmerzintensität ging um mehr als zwei Drittel zurück und die Beweglichkeit des Kniegelenks hat sich durchschnittlich um 12 Grad verbessert“, erklärt Prof. Dr. Christine Uhlemann, Leiterin des Kompetenzzentrums Naturheilverfahren der Uniklinik Jena. In schweren Fällen von Kniearthrose werde die Methode allerdings nicht helfen können.
  • Eine weitere Studie in der Schweiz untersuchte 2001 die Auswirkungen der Fußreflexzonenmassage auf den Darm. 32 gesunde Erwachsene wurden entweder der Interventionsgruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt eine Fußmassage an den Zonen, die den Darm repräsentiert, während die Probanden der Placebo-Gruppe an Zonen ohne angeblichen Bezug zum Darm massiert wurden. Über eine spezielle Sonographie wurden vor, während und nach der Massage die Durchflussrate und die maximale Strömungsgeschwindigkeit der A. mesenterica superior bestimmt, einer Arterie, die den Darm mitversorgt. In Zusammenhang mit einer Messung des Gefäßwiderstandes konnten die Mediziner auf eine Zunahme der Durchblutung der A. mesenterica superior und der nachgeordneten Gefäßsysteme während der Fußreflexzonenreizung schließen. Demgegenüber kam es in der Placebo-Gruppe zu keiner signifikanten Veränderung. Die Verantwortlichen schließen daraus, dass durch Fußreflexzonentherapie zumindest für die Dauer der Behandlung eine Zunahme der Durchblutung im Bereich von Organen, die mit der Behandlungszone in Verbindung stehen sollen, erreicht werden kann. Damit gehen sie von der Übertragbarkeit ihrer Beobachtungen aus, die bislang nicht belegt ist.

Massage der Fußreflexe als Entspannungsmethode

Beide Studien können lediglich als Hinweise auf mögliche Einflüsse der Fußreflexzonenmassage auf die Selbstheilungskräfte des Körpers gedeutet werden. Dennoch ist die Methode gerade im Wellnessbereich fest verankert. Dort steht sie für Entspannung und Wohlbefinden. Sie soll Verspannungen lösen und Stress abbauen. Bei unzureichender Sensibilität in den Füßen, die eine bewusste Wahrnehmung der Massage verhindert, können auch die Hände oder Ohren sowie andere Reflexzonen einer Massage unterzogen werden.

Siehe auch: Akupressur: Per Fingerdruck zur besseren Verdauung

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.