Ernährung nach einer Stomaanlage

Im Hinblick auf ein Enterostoma tritt häufig die Fragestellung auf, welchen Einfluss die Operation auf die Ernährung hat. Ist es nötig, anders als zuvor zu essen, mehr oder weniger, öfter oder seltener? Abgesehen vom postoperativen Kostaufbau gibt es keine Diätvorschriften oder Einschränkungen der Ernährung, wie sie bei anderen Erkrankungen notwendig sind.

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Eine spezielle Diät für Stomaträger gibt es nicht, jedoch wird der Verdauungsvorgang durch das vorzeitige Ausleiten des Darms beeinflusst. Von Bedeutung ist die Lage des Stomas, sie bestimmt, wie weit die Verdauung fortgeschritten ist. Innerhalb der folgenden zwei bis drei Monate nach der Stomaanlage sollte sich die Verdauung wieder regulieren. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Milchprodukten und fettarmen Fleisch und Fisch. Um hierzu selbst den Überblick zu erhalten, hat das Netzwerk zur Ernährung Querschnittgelähmter ein Ernährungsrad entwickelt, was die Zusammensetzung einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung darstellt (siehe: Das Ernährungsrad für Querschnittgelähmte).

Was passiert mit der aufgenommenen Nahrung? Bild 73841845 Copyright leonello-calvetti, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die Stuhlkonsistenz ändert sich in den einzelnen Darmabschnitten. Bereits im Mund mit dem Zerkleinern der Nahrung beginnt unsere Verdauung. Nicht umsonst heißt es im Volksmund „gut gekaut, ist halb verdaut“. Die Nahrung wird eingespeichelt und gelangt über die Speiseröhre in unseren Magen. Dort wird sie mit Verdauungssäften und Säure weiter zersetzt und nach ca. 2-6 Stunden weiter an den Dünndarm gegeben. Der Dünndarm hat die Aufgabe, Nährstoffe, wie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette, Mineralstoffe und Vitamine, zur Verwertung von der Nahrung zu trennen. Hier verweilt die Nahrung 2-3 Stunden. Danach gelangen die bis dahin unverdauten Resten in den Dickdarm. Dort werden ihnen die Mineralien und Wasser entzogen, das Wasser wird wiederum über die Niere ausgeschieden. Dieser Vorgang streckt sich über ca. 20 Stunden, bei einer Querschnittlähmung u. U. deutlich länger. Übrig bleiben vom Körper nicht verwertbare Reste, die sich in Form von festem Stuhl im Enddarm ansammeln, bis sie ausgeschieden werden. (Siehe auch: Verdauung und der Verdauungstrakt.)

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Ileostomie und die Auswirkungen auf die Verdauung

Wurde das Stoma im Bereich des Dünndarms oder am Anfang des Dickdarms angelegt, ist die Ausscheidung wässrig bis dickflüssig, da der Dickdarm nicht komplett passiert wird. Dadurch läuft der Stuhl kontinuierlich bzw. in Abhängigkeit mit der Nahrungsaufnahme in den Stomabeutel ab.

Bei anhaltenden starken Durchfällen und bei hoher Ausscheidung über das Stoma sind Nährstoffverluste möglich. Dabei ist hauptsächlich die Aufnahme von Substanzen wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Kalium und Zink, Vitamin B12 und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) gefährdet. Aber auch die Energie- und Flüssigkeitszufuhr kann zu gering sein. Im letzten Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) werden neben Nährstoffen auch die Gallensäuren resorbiert. Vor allem bei einem Dünndarmstoma (terminales Ileostoma) ist das Risiko groß, dass ein Gallensäureverlustsyndrom entsteht. Um die Nährstoffe und Gallensäure zu ersetzen, können Tabletten und Nahrungsergänzungsstoffe eingenommen werden.

Empfehlungen zur Ernährung bei Ileostomie

  • Medikamenteneinnahme

Es sollten nur Medikamente verbreicht werden, die im oberen Dünndarm resorbiert werden. Beim Entleeren des Stomabeutels sollte im Blick bleiben, ob Tabletten vollständig aufgelöst worden sind. Werden sie unverdaut wieder ausgeschieden, bleibt auch deren Wirkung aus. sh_72167701Dmitry_Lobanov_klein

  • Trinkmenge erhöhen

Der wässrige Stuhlgang erfordert eine erhöhte Trinkmenge, um den Verlust an Nährstoffen auszugleichen. Empfohlen werden um die 2-2,5 Liter pro Tag. Ob die Menge ausreichend ist, kann über die ausgeschiedene Urinmenge gemessen werden. Laut urologischer Empfehlung  sollten 1-1,5 Liter Urin in 24 Stunden ausgeschieden werden, liegt die Menge darunter, besteht Flüssigkeitsmangel. (Siehe auch: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung.)

  • Zeitpunkt der Flüssigkeitszufuhr

Getrunken werden sollte zwischen den Mahlzeiten und nicht beim Essen, da die beschleunigte Verdauung noch zusätzlich angeregt wird. Regelmäßiges Essen und eine Trinkpause bis eine Stunde danach unterstützen die Verdauung.

  • Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts

Nicht nur die Menge und der Zeitpunkt des Trinkens ist relevant, sondern auch die Art des Getränks an sich. Da der Körper Elektrolyte mit der wässrigen Ausscheidung aus dem Körper ausschwemmt, kann die Zufuhr von Mineralien in Form von isotonischen Getränken oder Fleisch- und Gemüsebrühen unterstützt werden.

Kolostomie und die Auswirkungen auf die Verdauung Bild 103214060 copyright blamb, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Im Dickdarm wird unter anderem den Verdauungsresten Flüssigkeit entzogen. Je weiter die Verdauung voranschreitet, desto mehr wandelt sie sich in geformten Stuhl. So kann ein Stoma am Anfang des Dickdarms noch breiig fördern, während bei einem Stoma am Ende des Dickdarms fester Stuhlgang zu erwarten ist. Das bedeutet für einen Querschnittgelähmten, dass bei einer vorliegenden Stuhltransportstörung das Problem der Obstipation (Verstopfung) trotz Stoma (Sigmoidstoma) weiter bestehen kann.

Empfehlungen zur Ernährung bei Kolostomie

  • Regelmäßige Mahlzeiten

Durch regelmäßiges Essen kann auch eine regelmäßige Stuhlentleerung gefördert werden. Mit gezielten Abführmaßnahmen, wie z. B. der Irrigation, können auch Blähungen vermindert und die Ausscheidung insgesamt gesteuert werden, so dass entleerungsfreie Intervalle entstehen.

  • Vermeiden von stark blähenden Lebensmitteln

Neben Gemüsesorten wie Kohl und Hülsenfrüchte und Rohkost können auch kohlensäurehaltige Getränke die Blähungen verstärken. Hausmittel wie Fenchel, Kümmel und Anis haben eine krampflösende Wirkung und können bei Blähungen Linderung schaffen (siehe: Kräuter und Gewürze).

  • Vermeiden von geruchsbildenden Lebensmitteln

Einige Lebensmittel erzeugen einen unangenehmen Geruch, dazu gehören bspw. der Verzehr von Eiern, Zwiebeln, Knoblauch und Spargel. Es empfiehlt sich, diese Nahrungsmittel zu meiden.  Außerdem sollte der Stomabeutel öfter gewechselt werden, da der geruchshemmende Filter dies nicht im vollen Umfang kompensieren kann.

Ein Vermeidung von Gerüchen kann u. U. über eine erhöhte Aufnahme von Chlorophyll in der Nahrung erreicht werden. Siehe hierzu: Grüne Smoothies für einen gesunden Darm und Grüne Smoothies – Fit in den Frühling.

Tipp: Treten immer wieder Durchfälle oder Blähungen auf, kann es hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. So ist nachvollziehbar, was und wann gegessen wurde. Es ist sehr individuell, was vertragen wird oder weniger gut bekommt, und muss von jedem selbst getestet werden. Grundsätzlich ist es besser bekömmlich, Gemüse zu kochen, dünsten oder dämpfen. Bei Bedarf können Betroffene Ernährungsberater und Stomatherapeuten rund um das Thema Ernährung bei Stoma ansprechen.

Übersicht über mögliche Nebenwirkungen ausgewählter Nahrungsmittel:

Nebenwirkungen ausgewählter Nahrungsmittel in Anlehnung an Kafka-Ritsch & Hutter, 2010

Nebenwirkungen ausgewählter Nahrungsmittel in Anlehnung an Kafka-Ritsch & Hutter, 2010

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