Die Gartentherapie – Mit der Natur wachsen

Die Natur ist eine Heilerin. Diese Weisheit bezieht sich nicht nur auf heilkräftige Pflanzen und ihre Verwendung im Rahmen der Phytotherapie, sondern auch auf den Umgang mit der Natur und ihren Geschöpfen an sich. Die Gartentherapie bietet hierbei sinnvolle Ansätze.

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Die Gartentherapie ist laut Definition der Gesellschaft für Gartenbau und Therapie (GGuT) “eine aktivierende Therapieform, bei der kranke oder behinderte Menschen von Fachleuten gärtnerisch und therapeutisch begleitet werden, um Schwierigkeiten und Probleme, Wünsche und Ziele durch Gartentätigkeit zu klären und ein eigenständiges Leben zu ermöglichen“ (GGuT, 2001). Das spezifisch festgelegte Behandlungsziel kann in einem adäquaten Außenraum (Parks, Gärten, etc.), aber auch Innenraum (Gewächshäuser, Wintergärten, etc.), erreicht werden.

Nach dieser Definition wäre Gartentherapie den Methoden der Psychotherapie zuzuordnen, doch ist eine Abgrenzung zur physikalischen Therapie nicht so einfach wie z. B. bei der Musiktherapie ,da auch motorische Aspekte eine Rolle spielen. Vergleichbar ist sie daher eher mit der Gestaltungs– und Kunsttherapie, was auch die Definition des Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe in Wien nahelegt, laut der die Gartentherapie „… eine Mischung aus Ergo– und Physiotherapie ist, bei der aber auch soziale, physische und psychische Faktoren beteiligt sind“ und deren Wirksamkeit durch empirische Forschung belegt werden konnte (wikipedia, 2015).

In Anlehnung daran wird die integrative Gartentherapie als Behandlungsverfahren definiert, das körperliche, emotionale, geistige, soziale, umwelt- und pflanzenbezogene Faktoren im Therapieprozess (integrativ) berücksichtigt.

Ziele der Gartentherapie

Die Gartentherapie…

  • Erweitert die motorischen, sensorischen, kognitiven und sozialen Kompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen (Freizeit, Beruf, etc.).
  • Dient der Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung von körperlicher, seelischer und geistiger Gesundheit.
  • Steigert Wohlbefinden und Lebensqualität.
  • Lehrt Achtsamkeit sich selbst, anderen und der Natur gegenüber.

Methoden und Medien der Gartentherapie

Bei der Gartentherapie werden gezielt gärtnerische Mittel in einem therapeutisch wirksamen Milieu eingesetzt. Therapeutisches Medium in der Gartentherapie ist die Pflanze, sowie deren natürliche Umgebung mit ihren allumfassenden sinnesanregenden Eigenschaften, z. B. die Erde, in der die Pflanze wächst, Sonne und Wasser, die sie gedeihen lassen, die Werkzeuge, mit denen die Gartenpflege stattfindet. Es werden aktive gärtnerische Tätigkeiten, aber auch das rezeptive Garten- und Naturerleben, sowie Anleitungen zur Sinneswahrnehmung angeboten. Achtsamkeit sich selbst und der Natur gegenüber ist ein relevanter Bestandteil der Gartentherapie (GrünPunkt, 2015).

Die Schwerpunkte der Gartentherapie liegen im

  • Physiologischen Bereich, z. B.
    • Entwicklung und Verbesserung der Motorik
    • Koordinationstraining
    • Ausdauer
    • Anregung der sinnlichen Wahrnehmung
  • Kognitiven Bereich, z. B.
    • Gedächtnistraining
    • Erlernen neuer Fertigkeiten
    • Entfaltung von Kreativität
  • Psychisch – emotionalen Bereich, z. B.
    • Selbstachtung und Selbstvertrauen
    • Zukunftsorientierung
    • Coping
  • Sozialen Bereich, z. B.
    • Kontakt und Kommunikation
    • Interaktion
    • Identifikation mit Gruppen und Umgebung
  • Selbstbild und Umgang mit sich selbst, z. B.
    • Wahrnehmung der eigenen Wirksamkeit
    • Erleben sinnvollen Tuns
    • Erfahrung der eigenen Fähigkeiten und Grenzen

Gartentherapeuten

Gartentherapie wird von qualifizierten Fachkräften durchgeführt, die über fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten für den therapeutischen Einsatz von gärtnerischen Tätigkeiten verfügen, sowie über die therapeutische Verwendung von Pflanzen und Naturmaterialien (GrünPunkt, 2015). Die meisten Fachpersonen, die eine Weiterbildung zum Gartentherapeuten absolviert haben, kommen aus Heil- oder Erziehungsberufen, z. B. Psychologie, Psycho-, Ergo-, Physiotherapie, Sozialpädagogik, Pädagogik, Pflegeberufe, etc., oder sind ausgebildete Gärtner oder Biologen.

Gartentherapie im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

Bild 55608841 Copyright dcwcreations, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comBei der Rehabilitation nach einer traumatischen Querschnittlähmung wird eine Kombination von verschiedenen therapeutischen Strategien eingesetzt, um den Betroffenen zu helfen sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Die Gartentherapie kann hierbei eine sinnvolle Ergänzung sein, denn die pflanzen- und/oder gartenbezogenen Aktivitäten ermöglichen es die positive Wirkung, die Gärten auf Menschen haben können, therapeutisch zu nutzen.

Die Natur, der achtsame Umgang mit Pflanzen, das Säen, Pflegen und das Beobachten des Wachsens von Blumen oder Obst- und Gemüsepflanzen, kann Menschen mit traumatischer Querschnittlähmung helfen, eine neue Sicht auf die Dinge zu entwickeln und die eigene Situation neu zu bewerten. Zudem können motorische Fähigkeiten und die (neue) sensorische Wahrnehmung gefördert und gezielt trainiert werden, die eine verbesserte Selbständigkeit und Unabhängigkeit in Alltagssituationen ermöglichen. Eine Ausbildung neuer Kompetenzen und ein evtl. Ausweiten der eigenen Talente, ist ein weiteres Ziel, das mit der Gartentherapie erreicht werden kann, falls dies individuell gewünscht ist.

Im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke wird die Gartentherapie seit Jahren erfolgreich eingesetzt – vornehmlich im Bereich der Psychosomatik, die bei traumatischer Querschnittlähmung eine wichtige Rolle spielen kann. Die Therapiegärten in Herdecke werden von den Patienten gepflegt und in Schuss gehalten. In einem redaktionellen Beitrag erzählt Gartentherapeutin Silvia Jacoby von ihrem Therapiealltag im 800 Quadratmeter großen Garten.

„In der Gartentherapie“, so Jacoby, „können die Patienten die eigenen Fähigkeiten wahrnehmen, stärken und entwickeln, sie erleben ihre Selbst-Wirksamkeit unmittelbar.“ Und: „Es lassen sich Ängste überwinden, neue Kraftquellen erschließen.“

In der Anwendung richten sich die Tätigkeiten, die der Patient im Garten durchführt, nach dessen aktueller Befindlichkeit. Zu Beginn jeder Therapiestunde wird diese erfragt und je nach Antwort werden von der Therapeutin leichte oder anstrengende Arbeiten vorgeschlagen. „Wenn ich merke, dass ein Patient voller Ärger, Zorn und Wut ist, gebe ich ihm gern eine Aufgabe, bei der er sich abreagieren kann – ein Beet umgraben, Rindenmulch herankarren und verteilen, Wege von Unkraut befreien, Äste für den Kompost zerkleinern. Aber auch für geschwächte Patienten gibt es sinnvolle und nicht zu sehr belastende Tätigkeiten: da müssen verwelkte Blüten oder vertrocknete Zweige abgeschnitten, Beete gehackt, oder Unkraut gejätet werden. Es kommt darauf an, dass die Patienten dabei ihr eigenes Maß finden, sich nicht über-, aber auch nicht unterfordern.“

Für den Volltext siehe: Ein Ort für alle Sinne

Siehe auch: Kategorie Garten

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