Loopwheels: Rollstuhlrad mit integriertem Stoßdämpfer

Loopwheels sind die Erfindung des britischen Designers Sam Pearce und ermöglichen mit ihrer neuartigen Federung – quasi integrierten Stoßdämpfern – ein Fahren wie auf Wolken. Ursprünglich für Fahrräder entwickelt, wurden sie nun für den Einsatz am Rollstuhl neu-konzipiert.

Bild Loopwheel für Rollstühle Copyright Sam Pearce, 2015 Quelle: loopwheel.com

Ein unzureichend gefederter Rollstuhl ist für den Fahrer mit erheblichen Nachteilen verbunden. Beim Befahren von unebenem Gelände oder beim Überwinden von Schwellen oder Randsteinen üben die dabei entstehenden Stöße Stress auf den Körper aus und belasten Knochen, Muskeln und Gelenke. Zudem benötigt man für das Antreiben deutlich mehr Kraft und Energie.

Die Loopwheel Rollstuhlräder mit integrierten Stoßdämpfern sollen hier Abhilfe schaffen. Das Befahren von Unebenheiten, Gras und Kies soll weniger anstrengend sein, beim Überwinden von z. B. Bordsteinkanten vereinfachen die drei Carbonfedern mit der speziell entwickelten Radnabe das Fahren bzw. Schieben für evtl. Begleitpersonen. Zudem punkten Loopwheels mit einem Bequemlichkeitsfaktor: Sie absorbieren Schütteln, Stöße und hartes Aufkommen egal aus welcher Richtung bzw. aus welchem Winkel die Erschütterung erfolgt. (Hinweis: Diese extreme Federung bedeutet auch, dass die Fahrtechnik beim Überwinden von Hindernissen angepasst und bei der Erstverwendung der Räder entsprechend geübt werden muss.)

Kickstarter Projekt März 2015

2013 kamen die Loopwheels für Fahrräder auf den Markt. Auch damals wurde ihre Entwicklung zur Serienreife durch ein Kickstarter Projekt (siehe: Mit Crowdfunding Ideen verwirklichen) finanziert, bei dem die veranschlagte Summe deutlich überschritten wurde.  Im März 2015 wurde auf diesem Weg auch für die Loopwheels für Rollstühle der finanzielle Hintergrund geschaffen, den eine Serienproduktion voraussetzt.  Die Funding Summe von 16.000 Britischen Pfund (ca. 22.600 Euro) wurde deutlich vor Ablauf der gesetzten Frist erreicht und die Loopwheels für Rollstühle konnten realisiert werden.

Technische Daten

Loopwheels sind in den Durchmessern 24 Zoll bzw. 54 cm und 25 Zoll bzw. 60 cm verfügbar und damit für die meisten Aktivrollstühle geeignet; die Montage erfolgt über eine Quick-Release-Achse. Zudem sind die Räder, laut Hersteller, sehr robust und langlebig und müssen kaum gewartet werden.

  • Raddurchmesser:  54 cm und 60 cm
  • Federn: 3 Carbonfedern, die im Vergleich zum Loopwheel für Fahrräder größer und weniger flexibel sind, da noch genug Widerstand gegeben sein muss, um Hindernisse zu überwinden.
  • Nabe: Eigens entwickelte leichte, starke Nabe mit drei Federn für den Einsatz am Rollstuhl
  • Quick-Release-Achse: 1,3 cm Durchmesser
  • Gewicht: 2 kg inkl. Greifreifen und Bereifung
  • Gewicht: 1,75 kg inkl. Greifreifen exkl. Bereifung

Kosten und Verkauf

Der Preis für ein Set Loopwheels zzgl. Versandkosten liebt bei ca. 800 Pfund* (ca. 900 Euro) aufwärts. Die vielfarbige Varianten sind etwas teurer. Die Bereifung ist im Lieferumfang nicht mit inbegriffen; wer ein Set mit bereits aufgezogenen Reifen möchte zahlt ca. 20 Pfund (ca. 28 Euro) zusätzlich.

Seit 2017 sind Loopwheels (in verschiedenen Farben) auch in Deutschland erhältlich, z. B. hier.

Weitere Informationen gibt es auf www.loopwheels.com und das teilweise in deutscher Sprache. Die Redaktion von Der-Querschnitt.de fühl sich geschmeichelt, dass dafür der Wortlaut dieses Beitrags verwendet wurde.

Hintergründe

Bereits 2013 als die Loopwheels für Fahrräder auf den Markt kamen, wurde Sam Pearce auf einen möglichen Einsatz an Rollstühlen angesprochen. Da die Fahrradräder allerdings einen deutlich kleineren Durchmesser haben als für Rollstühle notwendig ist, bedeutete es einen erheblichen Aufwand einen Prototypen für Rollstühle zu entwickeln. Zudem waren den Designern die Ansprüche von Rollstuhlfahrern nicht bewusst.

“Ich begann mit Leuten zu sprechen”, erzählt Pearce. „Ich wollte verstehen, was sie sich von Loopwheels erhoffen. Sie sagten mir, dass sie dort fahren wollten, wo es ihnen gerade in den Sinn kam – über hohes Gras, im freien Gelände, über Schwellen und auf unebenen Straßen – und das einfacher und bequemer als es mit herkömmlichen Rollstuhlrädern möglich ist. Außerdem wollten sie das Schütteln vermeiden, das von unebenen Untergründen über den Rollstuhl an ihre Körper weitergegeben wird. Mir wurde also schnell klar, dass es nicht nur eine nette Idee wäre, das Loopwheel für die Nutzung an Rollstühlen weiterzuentwickeln, sondern dass es wirklich notwendig war.“

Andere Neuerfindungen des Rades

Ein ähnliches Produkt wie das Loopwheel entwickelte das israelische Unternehmen SoftWheel (siehe: Acrobat Wheel – Rollstuhlrad mit stoßdämpfender Federung), das mit ca. 1.500 Euro pro Set allerdings etwas teurer ist als der geplante Preis des Loopwheels (ca. 1.000 Euro).

Ebenfalls neu erfunden wurde das Rad von Duncan Fitzsimons, der eine faltbare Version entwickelte. Siehe: Das Rad neu erfinden mit Morph Wheels.

Für stoßdämpfende Lenkrollen siehe: Standard bis Disco – Lenkrollen am Rollstuhl.

 

*Stand: Feb. 2018