Keine kleinen Fische: der barrierearme Koi-Teich

Es gab Zeiten, da waren Kois der letzte Schrei. Inzwischen hat sich die Aufregung um die edlen Karpfen gelegt, und es gibt sie auch in gemäßigteren Preisklassen. Dennoch: Ein Koi-Karpfenteich kann sehr aufwendig sein. Matthias Schilling, der als Rollifahrer einen eigenen Teich angelegt hat, kennt sich da aus.

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Im Gartenteich von Matthias Schilling aus dem badischen Reichartshausen schwammen jahrelang rotzordinäre Goldfische. Dann kam der Hype um die japanischen Kois und veränderte auch die Unterwasserwelt in seinem Garten. Kois können bis zu einen Meter lang werden, sodass jeder Koi mindestens 1000 Liter Wasser benötigt. Matthias Schilling und seine Frau Dagmar beschlossen, zu klotzen statt zu kleckern und kleideten den alten Goldfischteich komplett mit Glasfasermatten aus, um ihn haltbar zu machen und entsprechend zu verlängern. 12.000 Liter Wasser passen heute rein; ein Heim für bis zu zwölf Koikarpfen.

Das Laminieren

„Laminieren“ heißt das Beschichten mit Glasfasermatten im Fischfreundejargon. „Das Auskleiden geht auch mit Folie, die macht aber Falten und ist weniger beständig“, so Schilling. Er und seine Frau verklebten drei Schichten Glasfasermatten und strichen sie hinterher seegrün an. Der Rollstuhl hinderte Matthias Schilling zwar daran, während der Laminierung das Verkleben der Matten zu übernehmen, aber es gab mit dem Zuschneiden der Platten genug zu tun. „Eine Laminierung können Sie ohnehin kaum allein machen. Je nach Wetterlage muss es sehr schnell gehen, damit die Matten zwischendurch nicht austrocken. Genauso wenig darf das Material beim Trocknen nass werden, es darf also nicht regnen.“

Die Glasfasermatten gibt es, wie das gesamte Equipment, unter „Teichzubehör“ im Internet zu bestellen oder im spezialisierten Einzelhandel zu kaufen.

Die Höhe

Rollstuhlfahrer können ihren Teich zur besseren Erreichbarkeit aus dem Boden ragen lassen, ähnlich wie ein Hochbeet. „Die Wassertemperatur sinkt im Winter bei einem herausragenden Teich natürlich stärker, als wenn er im Boden liegt“, so Schilling. Sein Teich ist zum Teil im Boden belassen, hat jedoch eine kniehohe Umrandung bekommen, die  außen mit Sandstein verkleidet wurde. „Ich komme immer dran, und die Tiere haben die nötige Wassertiefe.“

Der Standort

Kois brauchen es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nicht zu kalt. „Am besten mit schützendem Dach“, rät Matthias Schilling. Das hat er in seinem eigenen Garten allerdings  nicht umsetzen können. Deshalb schützt der den Teich an sehr heißen Sommertagen mittels Sonnenschirm und deckt die Wasseroberfläche im Winter so ab, dass die Plane nicht direkt aufliegt. Einen Teich unter Schatten spendenden Bäumen zu planen, empfiehlt sich wegen des herabfallenden Laubs nicht.

Die Kois – fischen im Internet

Man unterscheidet japanische und europäische Kois. Es gibt sie nicht nur im klassischen Rot-Weiß, sondern auch in Gelb oder Blau. „Jeder Koi sieht anders aus“, sagt Matthias Schilling. Die Fische seien aufgrund ihrer Züchtung empfindlich, ähnlich reinrassigen Hunden. Liebhaber wählen Koikarpfen nach speziellen Kriterien, wie Maserung und Leuchtkraft ihrer Farben.

Eine gigantische Auswahl japanischer Karpfen kann im Internet bestellt werden. „Der Fisch kommt dann in einer Tüte mit Karton drum rum und genügend Sauerstoff im Beutel, sodass er die Reise übersteht.“ Schilling hat bei der Auswahl seiner Kois weniger Wert auf  Exklusivität gelegt. Es stört ihn nicht, dass in seinem Teich keine Juwelen zu finden sind; die gleichmäßige Maserung der Fische ist für ihn Nebensache. Sie bilden auch so einen Ruhepunkt in seinem Garten.

Zusammen mit dem Plätschern eines kleinen Wasserfalls und der Pflanzen im Garten entsteht eine entspannte Atmosphäre. „Wenn ich den Kois dann eine Weile zugucke, kann ich runterkommen“, sagt Matthias Schilling, dessen Leben ansonsten weniger gemächlich abläuft. Der Vater von zwei Teenagern ist Mitarbeiter eines Hilfsmittelherstellers und hat gerade als erster Rollstuhlfahrer die C-Trainerlizenz für den Breitenfußball erworben. Als gelernter Maurer und Zimmermann übernimmt er Arbeiten in Haus und Garten am liebsten in Eigenregie.

Winterruhe

Mindestens einen Meter tief müssen Koiteiche sein, damit die Fische in der kalten Jahreshälfte zur Winterruhe an den Teichboden sinken können. Dorthin, wo es auch bei eisigen Temperaturen für sie noch auszuhalten ist. „Schon im Herbst, so bei 10°C etwa, fahren die Kois ihren Energieverbrauch runter. Dann darf man sie auch nicht mehr füttern, sonst können sie die Nahrung nicht mehr verwerten“, erklärt Schilling.  Auf Standby verbringen die Japaner den deutschen Winter am Teichgrund, eng aneinander gerückt, um sich gegenseitig zu wärmen.

Im Frühling kauft Matthias Schilling dann sogenanntes „Sinkfutter“: Die Körnchen sinken zu den Fischen auf den Teichboden und begrüßen sie dort aus der Winterruhe.

Die Teichbepflanzung

Wer seinen Gartenteich bepflanzen will, findet Wasserpflanzen in jedem Bau- und Gartencenter. Mit Seerosen ist die Familie Schilling allerdings durch. Geradezu tonnenweise Wurzelwerk und Schlamm hätten die im alten Teich verursacht. „Über der Wasseroberfläche haben Sie dann zwei Blüten und was sich alles unter Wasser tut, ahnen Sie gar nicht“, sagt Matthias Schilling. „Außerdem produzieren abgestorbene Pflanzen Faulgase, das raubt den Fischen den Sauerstoff.“ Mit Sinn für das Praktische entschieden er und seine Frau sich deshalb gegen eine Teichbepflanzung. Schließlich sollten doch vor allem die Karpfen ins Auge stechen. Damit die sich nicht langweilen, sind sie zu zwölft, Vermehrung nahezu ausgeschlossen. „Das tun sie eher in den großen Naturteichen in Japan“, erklärt Schilling.

Die Reinigung

Der von den Fischen benötigte Sauerstoff fördert das Algenwachstum. Gibt es zu viele Algen, kann der Teich „umkippen“. Das bedeutet Lebensgefahr für die Fische, denen dann Sauerstoff fehlt. Die Ausgewogenheit der Wasserqualität ist also Grundvoraussetzung für einen lebendigen Teich. Für die stolze Summe von rund 4500 Euro überwacht daher ein professionelles Filtersystem die Wasserqualität des Schilling`schen  Gartenteichs. Matthias Schilling ist zufrieden: „Ich muss nur etwa alle 14 Tage eine Filterrolle wechseln.“ Das einfache System mithilfe von Schwämmen habe hingegen nicht funktioniert, das Wasser sei immer grün gewesen. Für ihn ist die Investition in das Reinigungssystem eine Entlastung und Zeitersparnis, bei anderen Menschen, die für einen Teichbewohner tausende Euro ausgeben, fällt sie einfach nicht ins Gewicht.

Einmalige und laufende Kosten

Schilling schätzt, dass ihn das Anlegen seines Teiches rund 1000 Euro gekostet hat, zuzüglich der Reinigungsanlage und der Fische selbst. Monatlich fallen 50  bis 75 Euro für die Filterrollen an, hinzukommen die Kosten für das Fischfutter. „Es gibt Leute, die haben noch dazu extrem hohe Tierarztkosten“, sagt er. „Die lassen einen Koi auch operieren, wenn es sein muss.“ Das Glück wird seinen Teichbewohnern allerdings nicht beschieden sein. Darüber hinaus droht ihnen eine weitere Gefahr: der hungrige Fischreiher. Der soll Duftstoffe absondern können, die der Fisch mit Nahrung assoziiert. Schwimmt der dann geradewegs auf den scharfen Reiherschnabel zu, war er mal ein Kostenfaktor …

 

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Leicht befahrbare Wege gewähren den Zugang zum Teich von jeder Seite

 

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