Hochbeete im barrierefreien Garten

Kastenhochbeet, Stufenhochbeet, Tischbeet oder unterfahrbares Hochbeet? Es gibt Unterschiede, die bedacht werden müssen, bevor man sich als Rollstuhlfahrer an das Anlegen von geeigneten Beeten im barrierefreien Garten macht.

tischbeet_gross2

Es gibt verschiedene Arten von Hochbeeten, von denen nicht alle für Rollstuhlfahrer uneingeschränkt geeignet sind.

  • Kastenhochbeet

Das klassische Hochbeet ist ein Kastenhochbeet, das eine erhöhte Arbeitsfläche bietet, was das Gärtnern im Sitzen im Vergleich zu einem Bodenbeet erleichtert. Kastenhochbeete haben jedoch einen entscheidenden Nachteil für Rollstuhlfahrer. Man muss stets seitlich an sie heranfahren, was die Armreichweite einschränkt und ein ständiges Verrenken und Strecken bei der Arbeit erfordert.

  • Pyramidenhochbeet

Hochbeete in Form einer umgedrehten Pyramide sind optisch ein ziemliches Highlight. Sie lassen sich bedingt gut unterfahren und haben wie Kastenhochbeete Bodenkontakt.

  • Stufenhochbeet

Stufenhochbeete sind vor allem für kleine Gärten gut geeignet und entfernt mit Kräuterspiralen vergleichbar: Es gibt (fast) ebenerdige Elemente gefolgt von mehreren aufbauenden Stufen. Je nach Bauweise und Stufenhöhe lassen sich Stufenhochbeete seitlich unterfahren. Was die Benutzerfreundlichkeit für Rollstuhlfahrer angeht, sind sie aber nicht uneingeschränkt empfehlenswert.

  • Tischbeet

tischbeet_kleinDas reine Tischbeet, ein rundes oder kastenförmiges Beet in unterfahrbarer Tischhöhe. Alle Pflanzen im Beet sind bequem erreichbar; allerdings hat das Tischbeet im Vergleich zum Hochbeet ein deutlich geringeres Volumen, d. h. nur flach wurzelnde Gewächse sind geeignet, und zudem besteht kein Bodenkontakt, was das Legen einer Drainage zum Abfließen von (Regen-) Wasser und ein konsequent dosiertes Gießverhalten notwendig macht. Es bietet sich u. a. die Verwendung eines Drainage-Vlieses an, das sowohl der Entwässerung als auch der Wasserspeicherung dient.

Tischbeete sind in verschiedenen Größen erhältlich. Beim Anlegen sollte man darauf achten, dass die Mitte der Pflanzfläche im Sitzen gut zu erreichen ist; i. d. R. heißt das, dass eine Tiefe von 1 Metern 20 nicht überschritten werden sollte und ein leichtes Gefälle vorhanden ist.

Im Fall von Tischbeeten kann man zwischen verschiedenen Größen und Modellen aus Holz und Modellen aus rostfreiem Edelstahl wählen. Zu beachten ist, dass die Konstruktion, wenn sie in Betrieb genommen wird, ihr eigenes Gewicht zu tragen hat und zusätzlich die bepflanzte Fläche inkl. nassem Substrat und Pflanzen. Die Stabilität darf jedoch auch dann keinesfalls nachlassen. Ein weiterer Faktor, der zu beachten ist, ist die eigene Größe im Rollstuhl. Um unbequemes Greifen und Strecken zu vermeiden, sollte die Arbeitsfläche des Tischbeets Unterbrusthöhe nicht überschreiten.

Die Tischbeete des Herstellers Hochbeetgarten sind höhenverstellbar und modular erweiterbar. Zusätzlich zum Beet können seitlich Ablageflächen für Gartenutensilien und Hilfsmittel (siehe: Hilfsmittel im barrierefreien Garten) angebracht werden.

Für einen Beitrag, der beschreibt, wie man im barrierefreien Garten im Rollstuhl am besten vorwärts kommt, siehe: Wege und Bodenbeläge im barrierefreien Garten

  • Unterfahrbares Hochbeet

Unterfahrbare Hochbeete sind von mindestens einer Seite mit dem Rollstuhl unterfahrbar. In der Mitte reichen sie bis zum Boden, so dass wie beim klassischen Kastenhochbeet Bodenkontakt besteht. An den unterfahrbaren Seitenteilen verhält sich dieses Hochbeet wie ein Tischbeet. Die Befüllung und Bepflanzung wird entsprechend vorgenommen. Auf diese Weise bietet das unterfahrbare Hochbeet den Komfort eines Tischbeets, d. h. alle Teile und damit die angebauten Pflanzen sind bequem zu erreichen, während es gleichzeitig einen Nährstoffaustausch mit dem Erdreich und damit die Bandbreite der Bepflanzung eines Kastenhochbeetes ermöglicht.

Weitere Vorteile des unterfahrbaren Hochbeets im Vergleich zum Tischbeet sind:

    • Das große Fassungsvermögen ermöglicht eine Befüllung, die Verrottungsprozesse und Wärme im Hochbeet begünstigt, was für höhere Erträge bei der Ernte sorgen kann.
    • Das große Volumen bedeutet außerdem Wasserspeicherung, Zugriff auf Wasserkapillare im Erdreich und durch ein stets mögliches Ablaufen das Vermeiden von Staunässe (nullbarriere, 2015).
Hochbeet vs. Tischbeet: Kastenhochbeete (links) sind nicht unterfahrbar und für Rollstuhlfahrer daher weniger gut geeignet als unterfahrbare Hochbeete oder Tischbeete (rechts).

Hochbeet vs. Tischbeet: Kastenhochbeete (links) sind nicht unterfahrbar und für Rollstuhlfahrer daher weniger gut geeignet als unterfahrbare Hochbeete oder Tischbeete (rechts).

Hoch- und Tischbeete befüllen und bepflanzen

  • Hochbeet, unterfahrbares

Das Anlegen eines unterfahrbaren Hochbeetes erfolgt in mehreren dünnen Schichten von unten nach oben.

  1. Drahtgeflecht gegen Schädlinge
  2. Drainage, z. B. aus Steinen, Tonscherben, etc.
  3. Erde (nicht die gekaufte Pflanzenerde aus Baumarkt oder Gärtnerbedarfsläden, sondern ordinärer Dreck)
  4. Schnittabfälle, z. B. von Hecken und Sträuchern
  5. Wieder Dreck
  6. Schnittabschnitt, diesmal gehäckselt und mit Erde gemischt
  7. Gartenabfälle, Laub, gehäckselter Grünschnitt mit Erde gemischt
  8. Garten- oder Blumenerde (abhängig davon, ob man Gemüse oder Blumen anpflanzt)
  9. Kompost
  10. Nochmals Garten- bzw. Blumenerde

Die Verrottungsprozesse, die in den einzelnen Schichten stattfinden, sorgen für Wärme und Nährstoffe im Boden dank derer das Nutzen der Hochbeete bis in den Januar hinein möglich ist.

Beim Bepflanzen stellt sich natürlich zunächst die Frage, ob es ein Zier- oder ein Nutzbeet ist, das man haben möchte. Wenn man die Entscheidung, ob Obst und Gemüse oder Blumen angebaut werden sollen, getroffen hat, gilt folgende Faustregel: In unterfahrbaren Hochbeeten sieht die Randbepflanzung so aus wie in Tischbeeten (siehe unten); in der Mitte des Beetes können tiefwurzelnde Gewächse angebaut werden. Geeignet sind vor allem in den ersten Jahren Pflanzen, die viele Nährstoffe im Boden brauchen, um gut zu gedeihen wie z. B. Kohlsorten, Sellerie, Möhren und Lauch sowie früchtetragende Pflanzen (siehe auch: Spaß am eigenen Beet). Bei der Auswahl von früchtetragenden Pflanzen, wie Paprika, Gurken, Tomaten oder Auberginen sollte man allerdings darauf achten, Sorten zu verwenden, die nicht zu hoch im Wuchs sind, da Pflege und Ernte aus dem Rollstuhl heraus andernfalls erschwert sind.

Weiter ist darauf zu achten, das Hochbeet in Mischkultur zu bewirtschaften, d.h. nicht nur eine einzelne Sorte in einem Beet anzupflanzen, sondern verschiedene, sich ergänzende Gemüsesorten. So kann eine einseitige Nährstoffentnahme vermieden werden.

  • Tischbeet

Die Befüllung eines Tischbeetes ist weit weniger aufwendig als die eines Hochbeetes. Wenn der Boden mit einer Drainage versehen und evtl. einem Drainage-Vlies ausgelegt ist, wird Blumen- bzw. Gartenerde eingefüllt.

In Tischbeeten fühlen sich all jene Pflanzen wohl, die auch in Blumenkästen oder -töpfen gut gedeihen. Dies sind Kräuter, mit denen man dann auch gleich der Verdauung einen Gefallen tun kann (siehe: Kräuter und Gewürze), Blatt- und Pflücksalate, Spinat, Radieschen, Mini-Möhren oder auch kleine Paprika- und Peperonisorten. Naschkatzen freuen sich besonders über Erdbeeren im Tischbeet.

Bei Tischbeeten ist das regelmäßige, angepasste Gießen von großer Bedeutung. Zudem gilt: Extremen Witterungen, wie großer Hitze, extremer Trockenheit oder Frost halten Pflanzen im Tischbeet nicht lange stand.

Wer beim Anlegen eines Tischbeetes eher einen Zier- als einen Nutzgarten im Sinn hat, kann bei der Bepflanzung zunächst natürlich die üblichen Verdächtigen wie Petunien, Clematis, Chrysanthemen, Geranien, (kleinwüchsige) Bougainvillen, Primeln und Stiefmütterchen bemühen. Oder aber er orientiert sich am Vorbild der Flachdachbegrünung. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein sonniger Standort für das Tischbeet gewählt wird und befürchtet werden muss, ein unregelmäßiges Gießverhalten an den Tag zu legen. Nach einer Befüllung mit fertigen Substrat-Mischungen zur extensiven Dachbegrünung werden Tischbeete mit sog. Dickblattgewächsen bepflanzt, die in verschiedenen Arten und Sorten erhältlich sind. Sie lassen sich leicht vermehren, vertragen Trockenheit, Hitze, (meist) Frost – nur mit zu viel Nässe tut man ihnen keinen Gefallen.

Für Apps, die das Gärtnern erleichtern und so für mehr Freude im Garten sorgen können, siehe: Von A nach B: Apps fürs Beet.

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.