Bist du krank, Rolli-Tom?

Da wo Hase und Frosch sich Gute Nacht sagen, leben Nulli und Priesemut. Als plötzlich ein Hase auf Rädern zu Besuch kommt, geht`s rund. Denn der Besucher ist schließlich nicht krank, er kann nur nicht laufen – kein Grund, nicht eine Menge Spaß zu haben.

wheelblades_montage_Copyright Lappan

 

Pünktlich zu Ostern ist der Redaktion die Geschichte von Nulli, Priesemut und Tom in die Hände gefallen, die der Lappan Verlag schon 2011 rausgebracht und 2014 in zweiter Auflage veröffentlicht hat. Lappan ist auch der Verlag des Cartoonisten Phil Hubbe, dem seine Multiple Sklerose seit Jahren Stoff für seine Arbeit liefert; das Thema Behinderung ist also kein unberührtes Terrain im Haus (siehe auch: Ich muss das gar nicht groß überzeichnen“ – Phil Hubbe über seine satirischen Cartoons).

Den Hasen Nulli und seinen froschigen Kumpel Priesemut hingegen bringt der fahrbare Untersatz ihres Besuchers ganz schön aus der Fassung. „Was ist denn mit deinen Beinen los, sind sie gebrochen?“, will Priesemut wissen. Und während er neugierig auslotet, ob der „Zauberstuhl“ auch einen Spaßfaktor hat, ist Nulli gar nicht zum Spaßen zumute. Besorgt schiebt er seinen früheren Schulkameraden in den Schatten, bringt ihm Kissen und raspelt Möhren zu Brei, damit Tom sie auch gut essen kann. Sogar füttern will er ihn.

Bis Tom ein bisschen ausrastet: „Ich bin nicht krank … Ich-kann-nur-nicht-laufen!“ Autor und Illustrator Matthias Sodtke hat dazu einen Hasen gezeichnet, der die Hasenfäuste ballt und so brüllt, dass man das Zäpfchen unter den Hasenzähnen sehen kann. Der Möhrenbrei fliegt durch das Bild, und Nulli weiß gar nicht, wie ihm geschieht. „Das Einzige, was an mir kaputt ist, sind meine Beine“, erklärt Tom ihm.

Und so banal das klingt, ist es gerade das, was Betroffene oft nur schwer vermitteln können. Da sind Rollifahrer, die erzählen, dass Menschen besonders laut mit ihnen sprechen oder sich gleich an den Begleiter wenden, Eltern, die ihre behinderten Kinder umsorgen bis ins hohe Erwachsenenalter und Chefs, die lieber eine Geldstrafe zahlen als eine Person mit Behinderung einzustellen, weil sie unterm Strich keinen Nutzen davon erwarten. – Warum also nicht schon Kinder auf den Trichter bringen, Menschen mit Behinderungen differenzierter wahrzunehmen? Nulli und Priesemut machen den Anfang.

Als die sich wieder gefangen haben, kommt endlich Freude auf und die Freunde rollen gemeinsam auf dem Dreirad, im Rollstuhl und per Fahrrad durch den schönen Tag.

 

Matthias Sodtke: Bist du krank, Rolli-Tom? Lappan Verlag, Oldenburg, 2014. ISBN 978-3-8303-1179-9, 6,95 Euro