Erster Rollstuhlfahrer erwirbt Lizenz als Fußballtrainer

Der querschnittgelähmte Matthias Schilling vom badischen TSV Reichartshausen hat gerade seine Ausbildung als Trainer mit C-Lizenz im Breitenfußballbereich abgeschlossen. Dass Rollstuhlfahrer gute Trainer sein können, steht für ihn und seinen Verein außer Frage.

 

Auch für Matthias Schilling war der Angang zur Ausbildung als Fußballtrainer beim Bayerischen Fußball Verband bfv ein Experiment. „Ich wusste nicht, ob ich die notwendigen Prüfungen als Rollstuhlfahrer überhaupt ablegen kann“, sagt er. Seit 2013 hat Schilling das Teamleiter-Zertifikat, er wollte aber mehr Struktur in sein Training bringen und sich weiterentwickeln. Seine Anfrage beim Verband stellte die Verantwortlichen vor die bis dahin nie diskutierte Frage, ob ein Rollstuhlfahrer Fußballpraxis vermitteln kann. Nach einigen Monaten kam die Zusage.

Technik und Taktik finden zuerst im Kopf statt

Wie jeder andere Teilnehmer an der Ausbildung zum C-Trainer musste er zum Schluss sowohl theoretische als auch praktische Prüfungen absolvieren. Dazu gehörte auch das Demonstrieren von Techniken und Übungen. Beides ist Bestandteil jeder Trainingseinheit in der Praxis als Coach. „Was ich selber nicht ausführen kann, wie z. B. das Spielen eines Flugballs oder andere Übungen, das zeige ich am Tablet-Computer, nehme mir versierte Spieler zur Hilfe oder vermittle es mit meinen Händen – so einfach ist das und es funktioniert!“ In der Prüfung hat Schilling es so gemacht, und genauso funktioniert seine Arbeit auch auf dem Platz.

Auf dem Gelände des TSV wurden zusätzliche Rampen gebaut, und ab und zu springt der Co-Trainer ein, wenn Matthias Schilling durch zu enge Eingangstüren oder Stufen ausgebremst wird. Ansonsten scheint ihn kaum etwas zu bremsen. Bis zu seinem Unfall mit 23 Jahren und der Folge einer Querschnittlähmung kickte er aktiv und wechselte danach zum Tischtennis, wo er es bis in die 1. Bundesliga der Rollstuhlfahrer schaffte. Mit seiner Frau Dagmar, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt, hat der 5o-Jährige zwei Kinder. Wie viele andere Väter begleitete er sie in den Fußballverein und kam so auf die Idee, Jugendmannschaften zu trainieren. Er ist der erste Teilnehmer eines Trainerlehrgangs beim bfv, der als Rollstuhlfahrer die C-Lizenz im Breitenfußballbereich erworben hat.

Alle spielen mit

Durch seine Ausbildung kennt er mittlerweile viele kindgerechte Wege, um Techniken verständlich zu vermitteln und motivierend einzusetzen. „Wir jagen dann halt den Drachen. – Vor dem Anspruch möglichst zu gewinnen kommt immer das Ziel: Alle spielen mit.“

Zu Schillings Aufgaben gehört es auch, Konflikte zu erkennen und zu klären. Offenheit und die Eigenschaft auf andere zuzugehen, bringt er ohnehin mit. „Es macht einfach Spaß, die Junioren zu coachen; das Fußball-Jugendtraining ist eine große Leidenschaft!“

 

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