Das barrierefreie Grillvergnügen

Wenn die Tage länger werden und es abends nicht mehr ganz so schnell kalt wird, kann man endlich die Grillsaison einläuten. Für ein barrierefreies Grillvergnügen gibt es spezielle Grills, nützliche Hilfsmittel und zwei, drei Punkte zu beachten.

Bild 96472430 Copyright Brian-Holm, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Sorry, Mädels, echte Männer essen keine Quiche. Echte Männer essen Stücke von toten Kühen. Innen blutig, außen knusprig. Ertränkt in einer BBQ-Sauce, die so scharf ist, dass sie unvorsichtigen Testessern die Geschmacksknospen wegätzen kann.

Echte Männer schaffen Platz im Garten, karren Holzkohle ran, machen Feuer und lassen Rauchzeichen gen Himmel steigen, um andere echte Männer anzulocken, die das Bier mitbringen.

Echte Männer GRILLEN.

Was man beim barrierefreien Grillen alles beachten sollte:

Aufgrund der Sensibilitätseinschränkungen bei Querschnittlähmung ist Vorsicht in der Nähe der Grillstelle geboten, da Feuer und/oder Hitze erhebliche Hautschädigungen hervorrufen können (siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung). Sinnvoll ist es alle paar Minuten eine Pause vom Platz am Grill einzulegen und/oder die Seite zu wechseln.

Auf Grillhandschuhe und eine lange Grillschürze sollte man keinesfalls verzichten – und dabei sollte man nicht unbedingt die Modelle aus Baumwolle und Polyester wählen. Diese kommen zwar mit lustigen Aufdrucken wie „Hier grillt der Chef!“, „Hände weg von meinem Bier!“ oder „Ich grille kein Gemüse!“ daher, sind aber nicht hitzebeständig oder feuerfest. Bis zu 300 Grad hitzebeständig und nicht entflammbar ist z. B. Armidfaser. Schürze, Handschuhe und Universaldecken gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 25 Euro.

Grillbesteck

Für ein erfolgreiches Grillen braucht man hitzebeständige Grillzangen, Pinsel (zum Bestreichen des Grillguts), (Pfannen-) Wender, Fleischgabeln und Grillspieße. Es gibt noch weitere Gadgets, aber die aufgeführten Teile sind mal die Grundausrüstung.

Grillbesteck mit ergonomisch geformten Griffen gibt es von verschiedenen Anbietern. Die meisten haben lange Stiele, was einer eingeschränkten Reichweite zugutekommt. Bei eingeschränkter Handfunktion und/oder Armkraft können die Besteckvarianten, wie im Beitrag Hilfsmittel Essen und Trinken beschrieben, evtl. hilfreich sein.

Verschiedene Modelle

Grills funktionieren mit Kohle, Gas oder elektrisch. Es gibt sie in verschiedenen Größen, von der Miniversion für zwei Personen bis zu der SUV-Ausführung, in der man einen ganzen Ochsen garen könnte.

Für Rollstuhlfahrer kann die Höhe des Grills wichtig sein. Tischgrills haben den Vorteil, dass sie unterfahrbar sind. Allerdings ist man im Sitzen auf Unterbrusthöhe mit der heißen Grillfläche und dem Grillgut. Vor allem bei eingeschränkter Armkraft kann das von Nachteil sein. Viele erfahrene Rollstuhlgriller schwören nicht nur deshalb auf Modelle, bei denen die Grillfläche unterhalb der Kniehöhe liegt. Auf diese Weise wird garantiert vermieden, dass einem heißes Fett, Grillgut oder glühende Kohlen auf den Schoß tropfen bzw. fallen.

An freistehende Grills oder eingefasste Lagerfeuerstellen kann man von jeder Seite heranfahren, was den Zugriff auf das Grillgut erleichtert. Der US-amerikanische Hersteller Pilot Rock (RJ Thomas Manufacturing) hat diese Varianten für Rollstuhlfahrer angepasst. Ihr barrierefreier Grill ist ca. 85 cm hoch, um den Zugriff zu vereinfachen.  Der Rost ist zum Auflegen, Wenden und Abnehmen des Grillguts zur Seite schwenkbar. Der dazu verwendete Hebel ist der Grillhitze nie direkt ausgesetzt.

Lagerfeuereinfassungen gibt es in verschiedenen Durchmessern und Höhen. Roste, auf denen das Grillgut aufgelegt werden kann, können so angebracht werden, dass man sie entweder mit einem Hebel über das Feuer klappen oder wie beim Grill schieben kann, wenn es in Gang gebracht worden ist. Diese Optionen können, wenn sie erstmal installiert sind, auch bei eingeschränkter Handfunktion bedient werden. Preislich halten sich die Modelle von Pilot Rock im Rahmen. Mit 150 US$ (ca. 140 €) für das Standardmodel ist man dabei. Hinzu kommen Kosten für den Versand.

Für eine Präsentation der verschiedenen Produkte siehe folgendes (englischsprachige) Video. Interessant wird es erst ab Sek. 20.

Die Luxusvariante für Rollstuhlfahrer: Der ADA Grill von Lynx

Der US-amerikanische Hersteller Lynx (mit Vertragshändler in Offenbach) hat Anfang 2014 einen Gasgrill auf den Markt gebracht, der speziell für und mit Rollstuhlfahrern entwickelt wurde und definitiv zur Luxusklasse zählt. Der rostfreie Edelstahlgrill ist freistehend, schließt vorne jedoch nicht wie andere Modelle bündig mit dem Boden ab, sodass Platz für Lenkräder und Fußstütze ist. Die Kochfläche hat eine etwas niedrigere Höhe als herkömmliche Modelle (ca. 80 cm), was einer eingeschränkten Armkraft entgegenkommt. Die Konstruktion ist so kompakt geschweißt, dass Fett und Kondenswasser, das sich ansammelt, nicht heraustropfen können. Mit einem Hebel lässt sich die Haube bequem im Sitzen schließen; wahlweise ist ein Drehspieß im Lieferumfang mit inbegriffen.

Der ADA von Lynx: Groß und glänzend.

Der ADA von Lynx: Groß und glänzend.

Der Preis für den ADA Grill beläuft sich auf ab ca. 2.600 US$ (ca. 2.500 €) für das Standardmodell. Wem das für einen Grill etwas teuer vorkommt, sollte in sich gehen und sich fragen, wie ernsthaft und wie oft er das barrierefreie Grillvergnügen im eigenen Garten denn betreiben möchte. Und wie viele Leute mit leeren Tellern und erwartungsvollen Minen um seinen Grill herumstehen werden. Denn der ADA Grill ist nichts für Menschen, die Grillen auf die leichte Schulter nehmen. Vielmehr sieht er seine Zielgruppe in all jenen, deren erklärtes Ziel das Füttern der hungrigen Massen und deren Mission das Kreieren von perfektem Grillgut ist. Wer also Steak, Spanferkel und Auberginen-Satey zur Chefsache erklärt, sollte ihn sich zulegen, den Rolls Royce unter den Gartengrills. Alle anderen kommen wahrscheinlich mit einer kleineren Variante aus dem Baumarkt klar.

Achtung: Bei jeder Art von Grill muss stets darauf geachtet werden, dass er sicher steht und nicht umfallen oder kippen kann, wenn man z. B. beim Wenden des Rollstuhls an ihn stößt.

Was auf den Grill kommt

Spargel: Kann man ganz wunderbar grillen!

Spargel: Kann man ganz wunderbar grillen!

Wie eingangs beschrieben, kommt Fleisch auf den Grill! Und wenn nicht gleich eine ganze Herde des bevorzugten Beutetieres dezimiert wird, ist da auch nichts gegen zu sagen… Trotzdem sollten auch in der Grillsaison – die ja durchaus die sieben Monate von Anfang April bis Ende Oktober dauern kann – die Aspekte der Ernährung bei Querschnittlähmung nicht ganz außer Acht gelassen werden (siehe: 14 Regeln zur Ernährung Querschnittgelähmter) und da spielt Fleisch nicht die Hauptrolle. Empfohlen werden 300 – 500 Gramm mageres Fleisch pro Woche.

Natürlich sind Männer immer noch echt, auch wenn sie auf Fleisch pfeifen und stattdessen Spargel, Auberginen und Ananas grillen. Für mehr Informationen hierzu siehe: Gemüse und Obst – Wie kriegt man es (r)unter?

Echte Männer, die Tofu grillen, gibt es auch, sind aber seltener. Damit es mehr werden siehe: Pflanzliches Eiweiß: Keine Angst vor Tofu und Co.

Weitere Informationen

Wie ebenfalls eingangs beschrieben, hofft der Grillmeister nicht selten, Gäste mit Bier anzulocken. Wie man bei eingeschränkter Handfunktion Dosen und Flaschen aufbekommt, steht hier: Das Bier-Problem: Flaschen und Dosen öffnen bei eingeschränkter Handfunktion.

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