7 Tipps für das nächste Arztgespräch

Die Zeiten, in denen man als Patient sein Schicksal dem Arzt überlassen hat, sind vorbei. Viele Patienten erwarten heute Transparenz und möchten sich aktiv in ihre Behandlung einbringen. Eine gute Kommunikation ist dazu eine wichtige Basis.

Bild 131122493 Copyright Alexander Raths, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Immer mehr Patienten lehnen das traditionelle Modell, das sogenannte „paternalistische Modell“ der Arzt-Patienten-Beziehung ab. In diesem Modell stellt der Arzt den Gesundheitszustand des Patienten fest und entscheidet sich alleine für eine Behandlungsmaßnahme. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Ärzte aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Fachwissens diejenigen sind, die am Besten wissen, was für den Patienten das Richtige ist. Der Patient verhält sich eher passiv, seine persönlichen Ansichten werden nicht berücksichtigt (Klemperer/Rosenwirth, 2005).

Durch die steigende Verfügbarkeit medizinischer Fachinformationen im Internet ist es heute viel eher möglich geworden, sich ausgiebig über Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Viele Patienten verfügen so über ein hohes Maß an Wissen über ihre Krankheit. Sie möchten sich aktiv in ihre Behandlung einbringen und wollen bei Behandlungsentscheidungen beteiligt werden. Man spricht von „mündigen Patienten“ (Homburg/Dietz, 2005).

Patient und Arzt auf Augenhöhe

Vor diesem Hintergrund gewinnt in den letzten Jahren das Modell der „Partizipativen Entscheidungsfindung“ (engl: Shared Decision Making) zunehmend an Bedeutung:

Das Konzept baut auf dem Grundverständnis auf, dass Arzt und Patient auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und medizinische Entscheidungen gemeinsam treffen. Der Informationsfluss erfolgt nicht nur in eine Richtung (vom Arzt zum Patienten), sondern in beide Richtungen im Sinne eines Austausches. Auf der einen Seite vermittelt der Arzt dem Patienten die notwendigen fachlichen Informationen über die Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite kann der Patient den Arzt über seine Lebensweise und Lebenssituation sowie seine Vorstellungen und Befürchtungen informieren, damit diese in den Entscheidungsprozess einfließen können (Hamann et al., 2005).

7 Tipps für ein gutes Gespräch mit dem Arzt

Grundlegend für das Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung ist eine gut funktionierende Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Deshalb im Folgenden einige Tipps, die bei einem Arztgespräch helfen können.

  1. Gute Vorbereitung

Viele Menschen sind bei einem Arztbesuch angespannt oder aufgeregt. Schnell passiert es dann, dass man seine Fragen und Anliegen im Sprechzimmer plötzlich wieder vergessen hat.

Deshalb ist es wichtig, sich schon zuhause alle Fragen oder Punkte, die man besprechen möchte, zu notieren (Bittner/Jonietz/Kersten, 2013). Zusätzlich ist es gut, dem Arzt die Anzahl der Fragen direkt zu Beginn des Gespräches mitzuteilen. „Ich habe drei Fragen, die ich im Laufe des Gesprächs gerne mit Ihnen besprechen würde.“ Dann weiß der Arzt Bescheid und kann sich schon einmal darauf einstellen.

  1. Notizen machen

Unter Umständen ist man als Patient während einer Sprechstunde  einer Flut von Informationen  ausgesetzt. Kaum hat man das Sprechzimmer verlassen, bemerkt man, dass man sich nur die Hälfte von dem, was der Arzt erzählt hat, gemerkt hat. Es hilft, sich während des Gesprächs Notizen zu machen oder auch den Arzt um schriftliche Informationen (zum Beispiel zu bestimmten Medikamenten oder Behandlungsformen) zu bitten. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Vertrauensperson mit in die Sprechstunde zu nehmen. Vier Ohren hören bekanntlich immer mehr als zwei und die Anwesenheit einer vertrauten Person kann Sicherheit vermitteln (Bittner/Joniet/Kersten, 2013).

  1. Zeitdruck begegnen

Ärzte stehen oft unter Zeitdruck. Jedoch haben Patienten das Recht darauf, die vollste Aufmerksamkeit des Arztes zu bekommen, auch wenn das Wartezimmer voll ist. Bekommt man den Eindruck, dass der Arzt nicht richtig zuhört oder ungeduldig wird, gleichzeitig am Computer tippt oder sogar telefoniert, kann es helfen, ihn darauf anzusprechen: „Ich merke, dass Sie sehr unter Zeitdruck stehen, aber es ist wichtig für mich, mein Anliegen heute mit Ihnen zu besprechen“ (Bittner/Jonietz/Kersten, 2013).

  1. Vorinformationen einbringen

Heutzutage informieren sich viele Patienten vor einem Arztbesuch über Symptome, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im Internet. Das ist empfehlenswert und kann sehr nützlich sein, denn auch Ärzte wissen nicht immer alles. Vorwissen zu haben, erleichtert es außerdem, mit dem Arzt zu kommunizieren und gezielter Fragen zu stellen.

Eine Internetrecherche ersetzt jedoch kein Medizinstudium; viel hängt davon ab, wie der informierte Patient seinem Arzt gegenübertritt. Es spricht im Prinzip nichts dagegen, Vorwissen in das Gespräch mit dem Arzt einfließen zu lassen, dabei kann es allerdings hilfreich sein Formulierungen zu wählen, die dem Arzt signalisieren, dass man an seiner Meinung und Einschätzung interessiert ist (Buckl, 2010). „Ich habe gelesen, dass … Was halten Sie davon?“, „Haben Sie schon etwas von … gehört?“, „Ich habe davon gelesen, was halten Sie davon? Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Wäre das eine Alternative für mich?“

  1. Nachfragen, bis man wirklich alles verstanden hat

Ein guter Arzt sollte auf eine für den Patienten verständliche Ausdrucksweise achten. Oft verwenden Ärzte jedoch schon aus reiner Gewohnheit so viele Fachbegriffe und Fremdwörter, dass man als Mensch ohne Medizinstudium schnell gar nichts mehr versteht. Genau zu verstehen, wovon der Arzt überhaupt redet, ist jedoch die wichtigste Voraussetzung dafür, die Rolle eines mündigen Patienten einzunehmen und mit dem Arzt auf Augenhöhe zu kommunizieren. Deshalb sollte man auf keinen Fall schüchtern sein und solange nachfragen, bis man wirklich alles verstanden hat.

Eine gute Methode ist es auch, zu versuchen, die Informationen des Arztes nochmal in eigenen Worten wiederzugeben. „Habe ich Sie richtig verstanden, dass…?“„Und das bedeutet für mich jetzt also, dass…?“ Eine solche Zusammenfassung mit eigenen Worten zeigt dem Arzt, inwieweit seine Aussagen bei dem Patienten angekommen sind und er kann gegebenenfalls noch weiter darauf eingehen (Bittner/Jonietz/Kersten, 2013).

Auch Arztbriefe, Befunde, Labor- und OP-Berichte sind in medizinischer Fachsprache geschrieben und für den Laien meist nicht verständlich. Die gemeinnützige Initiative „Was hab ich“ bietet für dieses Problem eine Lösung an. Unter www.washabich.de kann jeder, anonym und kostenlos, medizinische Unterlagen einsenden und sich diese von Medizinstudenten in leicht verständliches Alltagsdeutsch übersetzen lassen („Was hab‘ ich?“ Gemeinnützige GmbH, 2012).

  1. Nach Alternativen fragen

Grundsätzlich muss der Arzt dem Patienten nicht ungefragt erläutern, welche Behandlungsmethoden theoretisch in Betracht kommen und was für oder gegen die eine oder die andere dieser Methoden spricht (Schultze-Zeu, 2014). Das Patientenrechtegesetz schreibt dies nur vor, „wenn mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können“ (§ 630e). Deshalb sollte man, insbesondere wenn man von einem Behandlungsvorschlag des Arztes nicht ganz überzeugt ist, immer auch nach Behandlungsalternativen fragen und sich die jeweiligen Vor- und Nachteile erläutern lassen.

Nur ein Patient, der umfassend informiert ist, ist in der Lage, Entscheidungen über den weiteren Behandlungsverlauf im Sinne des Konzepts der partizipativen Entscheidungsfindung zusammen mit dem Arzt zu treffen.

  1. Recht auf Aktenansicht

Ein Arzt ist verpflichtet, die medizinische Behandlung seiner Patienten zu dokumentieren. Dies geschieht zumeist in der Form einer Patientenakte. Als Patient hat man das Recht auf Einsicht in diese Patientenakte und kann auf eigene Kosten Kopien davon fertigen lassen (Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz, 2008).

Engagiert für die eigene Gesundheit

Es ist nicht immer einfach, vor dem Arzt als mündiger Patient aufzutreten und eine aktive Beteiligung an der Behandlung einzufordern. Das verlangt Überwindung, Mut und Engagement. Aber der Einsatz lohnt sich, denn schließlich geht es um die eigene Gesundheit.

 

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