TEK RMD – Der Stehrollstuhl für drinnen und draußen

Das Tek Robotic Mobilization Device (RMD) ist ein frontgesteuerter Stehrollstuhl, mit dem man ohne großen Aufwand eine stehende, sitzende oder hockende Position einnehmen und auf allerengstem Raum mobil sein kann. Seit 2020 ist er nicht nur für die Nutzung in Innenräume sondern auch für draußen geeignet.

Bild TEK+RMD2 Copyright Derek Jones & istockphoto, 2015

Ein türkisches Entwicklerteam steckt hinter dem Tek Robotic Mobilization Device (RMD), dessen Prototyp seit 2012 immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. Ein Video, in dem ein querschnittgelähmter Nutzer zeigt, was der neuartige Stehrollstuhl alles kann, ging durch Presse und Foren. Seit dem Frühjahr 2015 können europäische Interessenten das TEK RMD kaufen. Allerdings nicht überall….

Was das TEK RMD ist:

Das TEK RMD sieht auf den ersten Blick aus wie ein Segway (siehe: Segways für Rollstuhlfahrer). Bei beiden Fahrzeugen steht der Fahrer hinter der Lenkkonsole auf einer Plattform. Das TEK RMD fährt im Gegensatz zum Segway allerdings auf vier kleineren Rädern und auch das Balance-System ist ein anderes, weshalb das TEK RMD nicht über Unebenheiten im Boden hinweghüpfen oder Gefälle bezwingen kann. Geeignet ist es ausschließlich für die Nutzung in Innenräumen, z. B. Privatwohnungen, dem Büro oder Schule, Hotels, Museen oder dem Einkaufszentrum. Während es im häuslichen Umfeld also durchaus seinen Nutzen hat, kann es den manuellen Rollstuhl also keinesfalls ersetzen, sondern höchstens ergänzen.

Von der Funktionalität her ist das TEK RMD also eher ein Stehrollstuhl. Im Vergleich zu seinen herkömmlichen Kollegen weist er aber einige Unterschiede auf.

  • Das TEK RMD ist kleiner und wendiger als Standard-Stehrollstühle und braucht deutlich weniger Platz.
  • Man kann im TEK RMD stehen, sitzen und in die Hocke gehen.
  • Die Lenkeinheit ist nicht an der Seite, sondern vor dem Fahrer. Man zieht sich im TEK RMD aus einer sitzenden Position nach vorne und oben in eine stehende Position, eine Fixierung an Oberkörper, Hüfte, Knien und Füßen sorgt für die nötige Stabilität.
  • Per Fernbedienung kann das TEK RMD gesteuert werden, auch wenn man selbst gerade nicht am Steuer ist (nützlich beim Verladen oder aus dem Weg räumen).

Das TEK RMD fährt rein elektronisch. Wenn der Akku geladen ist, hält er laut Hersteller ein bis zwei Tage. Innerhalb von vier bis fünf Stunden am Netz lädt die Batterie wieder auf.

TEK RMD für den Innen- und den Außenbereich

Ursprünglich war der TEK RMD ausschließlich für Innenräume geeignet und damit im Alltag schlecht einsetzbar. Seit 2020 hat der Hersteller sich dieses Problems angenommen und auch weitere Verbesserungen sind realisiert worden. Verfügbar sind nun folgende Zusatzoptionen:

  • Outdoor Conversion Kit – Der neue Tek RMD wird jetzt mit einem optionalen Outdoor Conversion Kit geliefert. Einfaches Umschalten zwischen Innen- und Außenmodus für maximale Mobilität.
  • Motorisierter elektrischer Lifter – Für den neuen Tek RMD gibt es jetzt einen optionalen elektrischen Lifter, der den Wechsel von einer sitzenden in eine stehende Position erleichtert.
  • Klappsitz – Der Tek RMD ist jetzt mit einem optionalen Klappsitz ausgestattet, der den Transfer in und aus dem Tek RMD erleichtert.

Kosten und Bezugsquellen

Die Preisempfehlung des Herstellers für das Standardmodell liegt bei ca. 18.250 € (Stand: April 2021) excl. MwSt.. Interessenten können sich an einen Händler in ihrer Nähe wenden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiB3aWR0aD0iMTAwJSIgaGVpZ2h0PSIzNjAiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvOW1qY080ODFqUDgiIHRpdGxlPSJZb3VUdWJlIHZpZGVvIHBsYXllciIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93PSJhY2NlbGVyb21ldGVyOyBhdXRvcGxheTsgY2xpcGJvYXJkLXdyaXRlOyBlbmNyeXB0ZWQtbWVkaWE7IGd5cm9zY29wZTsgcGljdHVyZS1pbi1waWN0dXJlIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW49IiI+PC9pZnJhbWU+

Was für das TEK RMD spricht:

Die stehende Position, die man im TEK RMD einnehmen kann, bringt die Vorteile eines täglichen Stehtrainings mit sich (siehe: Stehtraining bei Querschnittlähmung). Die sehr kompakten Maße von ca. 40 cm Breite auf 75 cm Länge gewähren dem Nutzer Zugang zu sehr engen Durchgängen (z. B. Regalreihen im Supermarkt oder Bücherregale in Bibliotheken). Zudem erreicht man problemlos Gegenstände, die in Schränken und Regalen ganz oben oder ganz unten eingeräumt sind. Letzteres, weil das Gerät so eingestellt werden kann, dass es den Nutzer in eine sitzende oder (tief) hockende Position bringt.

Ein weiterer Vorzug ist das Entfallen von Transfers und den eventuellen Schäden, die entstehen können, wenn man sie nicht korrekt durchführt (vgl.: Transfertechniken bei Para- und Tetraplegie), da man sich statt überzusetzen aus einer sitzenden Position, z. B. auf dem Bett oder dem normalen Rollstuhl, hochzieht.

Und dann ist da noch der kleine technische Vorteil, dass der TEK RMD per Fernbedienung gesteuert werden kann, wenn man ihn gerade nicht benutzt. D. h. wenn man auf dem Sofa sitzt oder zu Bett gegangen ist, kann das Gerät per Knopfdruck in die Ecke gestellt oder wieder herangerufen werden, wenn man es wieder fahren möchte.

Für wen das TEK RMD geeignet ist:

Das TEK RMD ist ausschließlich für Lähmungshöhen geeignet, bei denen eine gewisse Arm- und Schulterkraft gegeben ist, da das Ziehen in die stehende Position aus eigener Kraft erfolgen muss. Zudem muss ausreichend Rumpfstabilität gegeben sein, mit der sich der Nutzer in der aufrechten Position halten kann, ohne dafür die Hände zu benutzen. Für die Nutzung des TEK RMD gilt außerdem:

  • Die Körpergröße des Nutzers muss zwischen 1,40 und 1,90 m liegen.
  • Das Körpergewicht darf 40 kg nicht unter- und 120 kg nicht überschreiten.
  • Die Fußlänge muss zwischen 23 und 35 cm liegen.
  • Die Handfunktion muss voll gegeben sein, um das TEK RMD steuern zu können.

Weitere Ausschlusskriterien ergeben sich aus den Einschränkungen, denen ein Stehtraining unterworfen ist, z. B. vorhandene Osteoporose, Kontrakturen, Kreislaufprobleme, Frakturen oder offene Wunden (siehe: Stehtraining bei Querschnittlähmung und „Ratgeber Stehen„). Zudem wird von einer Nutzung abgeraten, wenn eine Schwangerschaft, Epilepsie, Sehstörungen oder kognitiven Einschränkungen vorliegen.