Stilles Örtchen über den Wolken

Diesen Wunsch will die Fluggesellschaft easyJet ihren Gästen ab 2016 auch auf innereuropäischen Flügen erfüllen und hat den Airbus A320 mit rollstuhlgerechter Toilette geordert. Als zweite Airline in Europa.

Bild 83625031 copyright Gilmanshin, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Auf Kurzstrecken innerhalb Europas fliegt derzeit nur die spanische Vueling mit rollstuhlgerechten Toiletten. Rollstuhlfahrer, die mit anderen Fluggesellschaften von A nach B jetten, müssen die Zeit notfalls irgendwie überbrücken. Bei Langstreckenflügen sind ausreichend große Kabinen in der Regel bei allen Airlines vorhanden.

Aus zwei mach eins

Das soll sich ändern, meldet die Discount-Fluggesellschaft easyJet. Gerade hat sie mit dem Flugzeugbauer Airbus vereinbart, dass alle neuen Maschinen des Typs A320, die easyJet ab 2016 geliefert bekommt, mit einer rollstuhlgerechten Toilette ausgestattet sein müssen. In diesen schmalen Flugzeugen wird sich künftig die Trennwand zwischen zwei kleinen Toiletten entfernen lassen, sodass eine größere Kabine entsteht. Airbus ist der einzige Hersteller solcher Flugzeuge, der die „Space Flex-Toiletten“ anbietet, und easyJet erst die zweite Fluggesellschaft in Europa, die diese Lösung für ihre Fluggäste bereitstellt.

„Die Toilette wird mithilfe des an Bord mitgeführten Rollstuhls zugänglich sein, der auf allen easyJet Flügen vorhanden ist. Der Einsatz eines Transfer-Sitzes innerhalb des Toilettenraums macht den eigenständigen Übergang vom Bord-Rollstuhl auf die Toilette einfacher“, kommentierte die Fluggesellschaft auf Anfrage. „easyJet hat die Benutzung mit einem Mitglied einer internen Arbeitsgruppe ESAAG (easyJet Special Assistance Advisory Group), der Rollstuhlfahrer ist, getestet. Er bewertete die Benutzung der per Rollstuhl zugänglichen Toilette und insbesondere den Zugang über den Transfer-Sitz und gab eine positive Rückmeldung.“

Kein rechtlicher Anspruch

Die Gesellschaft Vueling fliegt in Europa bereits mit rollstuhlgerechten Toilettenkabinen; die Lufthansa und andere Luftverkehrsgesellschaften hingegen halten sich bedeckt. Das geht nur, weil die europäische Union in ihrer Verordnung über die Rechte von mobilitätseingeschränkten Flugreisenden zu diesem Thema recht unzureichend formuliert: „Erforderlichenfalls Hilfe, um zu den Toiletten zu gelangen“ (Anhang II). So machen Rollstuhlfahrer mitunter die Erfahrung, dass Flugbegleiter ihnen zwar bis zur Toilettentür helfen, aber in die Kabine kommen Betroffene trotzdem nicht.

Während Hilfen auf dem Flughafengelände vor und nach dem Flug recht gut geregelt sind, bleiben die Abläufe und Rechte für mobilitätseingeschränkte Fluggäste während des Fluges merkwürdig unpräzise und gestalten sich daher in der Praxis uneinheitlich und bislang unberechenbar.

Weitere Bestimmungen für Hilfen während des Flugs (Hilfeleistung des Luftfahrtunternehmens):

  • „Beförderung anerkannter Begleithunde in der Kabine, vorbehaltlich der nationalen Vorschriften.
  • Zusätzlich zu medizinischen Geräten Beförderung von bis zu zwei Mobilitätshilfen pro behindertem Mensch oder Person mit eingeschränkter Mobilität, einschließlich elektrischer Rollstühle (sofern diese 48 Stunden vorher angemeldet wurden und an Bord des Luftfahrzeugs genügend Platz ist und sofern die einschlägigen Vorschriften über Gefahrgüter nicht entgegenstehen).
  • Mitteilung von wesentlichen Informationen über einen Flug in zugänglicher Form.
  • Auf Wunsch Bemühen im Rahmen des Möglichen nach besten Kräften um Sitzvergabe entsprechend den Bedürfnissen des jeweiligen behinderten Menschen oder der jeweiligen Person mit eingeschränkter Mobilität, vorbehaltlich der Sicherheitsanforderungen und der Verfügbarkeit.
  • Wird ein behinderter Mensch oder eine Person mit eingeschränkter Mobilität von einer Begleitperson unterstützt, bemüht sich das Luftfahrtunternehmen im Rahmen des Möglichen nach besten Kräften, dieser Person einen Sitzplatz neben des behinderten Menschen oder der Person mit eingeschränkter Mobilität zuzuweisen“ (Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juli 2006 über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität, Anlage II).

Siehe auch: Flugreiseplanung für Rollstuhlfahrer; Flugreisen mit Katheter und Co.