Im Rampenlicht: Mobile Rollstuhlrampen

Zu Fuß nimmt man sie kaum wahr: Schwellen, ein paar Stufen am Eingang und andere unebene Übergänge. Rollstuhlfahrer können diese Hürden ganz schön ausbremsen, und es gibt sie in Massen. – Eine Behinderung, die heilbar ist: mit Rampen.

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Das Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) führt 86 verschiedene mobile Rampensysteme (Stand: März 2019): Das spiegelt nicht zuletzt die Vielzahl von Barrieren wider, mit denen mobilitätseingeschränkte Leute jeden Tag konfrontiert sind. Die zu beseitigen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dem Einzelnen bleibt vorerst nur, wenigstens sein eigenes Zuhause so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Mobile Rampen lassen sich ggf. auch mitnehmen.

Sicher von Ebene zu Ebene

Die Norm DIN 18040-1 beschreibt den Standard für Rampen im öffentlichen Bereich (BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit, 2015). Ihre Anwendung wird in den technischen Baubestimmungen der Bundesländer geregelt.

Steigung

Nach DIN-Norm darf eine öffentliche Rampe maximal 6 % Steigung haben. Im privaten Bereich ist die DIN-Norm nicht verbindlich. Aber auch hier gibt es Erfahrungswerte. Das Portal nullbarriere.de empfiehlt folgende Werte für die Steigung von Rollstuhlrampen:

  • Rollstuhlrampen für Selbstfahrer: 6 %
  • Kräftige Selbstfahrer: 6 % bis 10 %
  • Es wird von einer kräftigen Person geschoben: 12 % bis 20 %
  • Es wird von einer schwachen Person geschoben: max. 12 %
  • Elektroantrieb (Steigung lt. Bedienungsanleitung): bis ca. 20 %

Zu dieser Einteilung hat nullbarriere.de auch das Verhältnis von Rampenlänge und Stufenhöhe je nach Steigung (6 %/12 %/20 %) aufgeführt. Welche Steigung für den individuellen Gebrauch geeignet ist, sollte in einem Praxistest zuvor erprobt werden.

(nullbarriere.de – barrierefrei behindertengerecht planen – bauen – wohnen, 2015)

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Rollrampe mit Handlauf (Copyright: AHA! Effekt-Technik Vertrieb GmbH Köln)

Antirutschbeläge

Neben der geeigneten Steigung wird die Sicherheit auch durch Antirutschbeläge wie ein rutschhemmendes Lochprofil oder Gummierung einer Rampe gewährleistet.

Längskanten

Je nach Bedarf können sogenannte „Radabweiser“ die Kanten begrenzen. Damit sind hochstehende Längskanten gemeint, die die Räder des Rollstuhls führen und vor dem Abrutschen bewahren. Im öffentlichen Bereich sind sie Pflicht und müssen 10 cm hoch sein. Für Rampen im privaten Bereich besteht dazu keine Verpflichtung. Meist bieten Hersteller Varianten mit und ohne Radabweiser an.

Mobile Rampen für jede Lebenslage

In Abhängigkeit von Steigung, Stufenhöhe und Rollstuhlmodell gilt es die genau passende individuelle Lösung für jeden Höhenunterschied zu finden. Dafür sollten Betroffene sich umfassend beraten lassen. Die im Hilfsmittelverzeichnis der GKV aufgeführten Hilfsmittel dienen lediglich als Richtschnur und Auslegungshilfe. Sie bedeuten keinen Ausschluss von der Leistungspflicht für nicht genannte Rampensysteme. Entscheidend ist immer, ob ein Hilfsmittel medizinisch notwendig ist.

Einteilige Rampen/Brücken

Starre Rampen zur Überbrückung von Türschwellen haben zwei oder drei unterschiedlich lange Schenkel. Sind sie zweischenklig, kann der kurze Schenkel auf der Schwelle aufliegen oder leicht schräg darüber verlaufen, sodass er nur mit der abschließenden Kante aufliegt.

Einteilige Rampen mit drei Schenkeln verlaufen wie eine Brücke über das Hindernis bzw. liegen mit dem Mittelteil auf.

Zweiteilige Rampen

Während die einteilige Rampe auf eine bestimmte Ebene führt, leitet die zweiteilige Rampe auch wieder hinab. Sie eignet sich z. B. für Podeste, breite Schwellen o. ä. Eine zweiteilige Rampe besteht also aus zwei starren separaten Rampen für dieselbe Höhe, die gegenüberliegend genutzt und einzeln entfernt werden können, z. B. um eine Tür zu schließen.

Dreiteilige Rampen

Dreiteilige Rampen besitzen im Gegensatz zur zweiteiligen Rampe noch ein verbindendes Mittelstück. Dadurch sind sie für alle Schwellenarten geeignet.

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Rampensystem von excellent Systems A/S; gesehen bei T-RV, Rheinstetten

Rampensysteme

Rampensysteme eigenen sich, um unterschiedliche Höhen flexibel ausgleichen zu können. Versatzstücke lassen sich auch übereinander schichten; so kann ist System für verschiedene Barrieren einsetzbar.

Doppelrampen

Die Doppelrampe besteht aus zwei Schienen, die mit Abstandhaltern parallel nebeneinander laufen und in unterschiedlichen Längen und Spurbreiten sowie mit verschiedenen Beschichtungen erhältlich sind (siehe 1. Foto). Die Abstandhalter können dem jeweiligen Rollstuhl flexibel angepasst werden.

Teleskoprampen

Viele Hersteller bieten ausziehbare Doppelrampen in verschiedenen Spurbreiten.

Klapprampen

Sie können je nach Modell mittig in Längsrichtung oder quer bzw. in mehreren Abschnitten zusammengeklappt werden. Klapprampen in Leichtbauweise mit Tragegriffen eignen sich am besten für den Transport.

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Breite zusammenklappbare Rampe von Guldmann, Hilfsmittelnr. 22.50.01.0015

 

Rollrampen

Rollrampen in verschiedenen Breiten lassen sich durch ihre kettenartige Konstruktion aufrollen und so ggf. platzsparend verstauen.

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„Roll-A-Ramp“, in Deutschland vertrieben von AHA! Effekt-Technik Vertrieb GmbH Köln; Hilfsmittelnummer 2250010043, -44, -45 sowie -49

Stege

Stege entsprechen der DIN-Forderung nach beidseitigen Handläufen. So finden Nutzer eine zusätzliche Begrenzung, die ggf. mehr Sicherheit bietet. Im öffentlichen Raum müssen diese Handläufe einen Durchmesser von 3 bis 4,5 cm haben, 85 bis 90 cm hoch sein und mit einer Rundung nach unten oder zur Seite abschließen.

Wer übernimmt die Kosten?

Betroffene müssen nicht wissen, ob die Krankenversicherung oder die Pflegeversicherung oder ein anderer Rehaträger als Kostenträger für mobile Rampen infrage kommt: Sie können ihren Antrag an einen Rehaträger richten, von dem sie vermuten, dass er zuständig ist. Falls z. B. die Krankenkasse das nicht ist, muss sie den Antrag innerhalb von 2 Wochen an die zuständige Stelle weiterleiten (Zuständigkeitsprüfung; § 14, 9. Sozialgesetzbuch) – es sei denn, es besteht auch gegenüber allen anderen Leistungsträgern kein Anspruch. Das gilt im Übrigen für alle Anträge an Sozialleistungsträger. Siehe auch: Medizinische Hilfsmittel; Medizinische Hilfsmittel beantragen (1)

Fußmatte oder Rampe? Beides.

Die „Converta Step Welcome Mat“ aus den USA kann ganz einfach manuell von einer Fußmatte mit der Aufschrift „Welcome“ in eine Rampe verwandelt werden. Die Idee ist so einfach wie gut: Ein Scharnier hebt die Matte an der Türseite an und sorgt so für die benötigte Steigung. Gibt’s auch elektrisch, allerdings bisher nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten:

wolfemobility.ca/welcome-mat/

Mobile Rampen für Deutschland

„Tausendundeine Rampe“ empfahl der Sozialhelden e. V. schon 2012 ganz Deutschland und verteilte einige Hundert mithilfe von Spenden an öffentliche Einrichtungen, vor allem in der Gastronomie. Mittlerweile kann man die mobile „Wheelramp“ auch kaufen. Siehe: Auf neuen Wegen mit Wheelramp.

 

 

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