Treppen steigen im Rollstuhl: Mit Hilfsmitteln und ohne

In einer Welt voller Barrieren hat man als Rollstuhlfahrer oft das Nachsehen, wenn es um die Zugänglichkeit von Orten oder Gebäuden geht. Oft ließe sich das Problem mit Rampen oder Liften lösen, doch wenn diese (aus welchen Gründen auch immer) nicht vorhanden sind, müssen andere Ansätze her: Zur Auswahl stehen Rollstühle, die Treppen steigen, Treppensteighilfen oder spezielle Fahrtechniken.  

Rollstühle, die Treppen steigen

  • Treppen befahren mit iBOT PMD

Der iBOT hat eine turbulente Entwicklung hinter sich. Bereits 2001 war er unter großem Jubel in den USA auf den Markt gekommen, nur um einige Jahre später sang- und klanglos wieder zu verschwinden. Dabei waren die Leistungen des geländegängigen und stufenüberwindenden iBOTs beachtlich. Nur sein Preis überstieg die Möglichkeiten des Durchschnittsbürgers…

Seit 2019 ist eine von Designer Dean Kamen und Toyota weiterentwickelte Version des iBOT unter dem Namen iBOT PMD wieder erhältlich. Der Hersteller weist allerdings darauf hin, dass nicht jeder Nutzer damit Treppen befahren kann. Ausreichend Kraft und Mobilität in Armen und Händen sowie ein erfolgreich absolviertes Training sei Voraussetzung für die Nutzung dieses Zusatzfeatures. Ist dies nicht gegeben, muss das Treppensteigen von einer Hilfsperson unterstützt werden. Zu beziehen ist der iBOT ausschließlich beim amerikanischen Hersteller für ca. 30.000 US Dollar (ca. 25.000 Euro / Stand: Mai 2021). Hinzu kommen Transport- und Importkosten sowie die Reisekosten für Anpassung und Training vor Ort.

Siehe auch: Das Comeback des treppensteigenden iBOT.

  • Treppen befahren mit Scewo BRO

Bereits 2016 stellte ein Projektteam der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich (ETHZ) den Prototyp des elektrisch betriebenen Rollstuhls Scalevo vor, mit dem das Befahren von Treppen ermöglicht werden sollte. Seit 2019 kann der auf Scewo BRO umgetaufte Elektrorollstuhl hier bezogen werden. Home – Scewo

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Auf ebenem Gelände fährt der Scewo BRO auf zwei breiten Reifen. Wie bei einem Segway funktioniert der Antrieb elektrisch und es gibt ein computergestütztes Gleichgewichtssystem mit Sensoren, das beim Fahren und dem Erklimmen von Treppen dafür sorgt, dass das Gefährt nicht umkippen kann. Ebenfalls wie ein Segway kann sich der Scewo problemlos um die eigene Achse drehen, was ein Manövrieren auf engem Raum ermöglicht. (Siehe auch: Segways für Rollstuhlfahrer.)

Wenn der Scewo eine Treppe erklimmen soll, muss in den „Raupenmodus“ gewechselt werden. Der Fahrer senkt die Kettenräder ab, wodurch die Räder automatisch angehoben werden. Das Befahren der Treppe erfolgt rückwärts; die Gleisketten tasten sich langsam die Treppe nach oben. Erreicht der Rollstuhl das Treppenende, werden die am hinteren Teil des Rollstuhls befindlichen Stützräder ausgefahren und sorgen so für ein sanftes Ankommen. Diese kleinen Räder sind zudem Teil eines weiteren Hilfssystems, das es dem Fahrer ermöglicht, kleinere Hindernisse wie Bordsteine zu überwinden.

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Der Scewo BRO kostet ca. 33.000 Euro (Stand: Mai 2021), was laut Hersteller den Kosten für einen Elektrorollstuhl plus zusätzlicher Treppensteighilfe entspricht.

Treppensteighilfen

Neben Treppenliften (siehe: Wohnen mit Treppenlift) gibt es auch mobile Hilfsmittel, mit denen man mit dem Rollstuhl Treppen hinauf und hinunter kommt. Treppensteighilfen funktionieren tatsächlich und sind erschwinglich – teilweise erfordern sie aber die Begleitung durch einen Fußgänger. Beispiele sind:

  • Scalamobil

Für die Nutzung des elektrisch betriebenen Treppensteiger Scalamobil bedarf es einer Begleitperson. Besonders groß ist der Kraftaufwand für diese allerdings nicht. Das Scalamobil wird bei Bedarf an den Rollstuhl angedockt und erlaubt, Treppen aller Art (auch Wendeltreppen) mit bis zu 300 Stufen zu befahren. Danach muss die Batterie aufgeladen werden.

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Der Treppensteiger mit Sicherheitssensorik und Steigmechanismus ist für Personen mit einem maximalen Gesamtgewicht von 180 kg geeignet; die ergonomischen Griffe ermöglichen der Begleitperson eine sichere Bedienung bei minimalem Kraftaufwand. Die automatische Sicherheitsbremse stoppt zuverlässig an jeder Stufenkante.

Das Scalamobil kostet ca. 4.550 Euro (Stand Mai 2021). Es ist möglich, dass die gesetzlichen Krankenkassen, Pflegeversicherungen oder Sozialhilfeträger diese Kosten übernehmen, allerdings nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Interessenten sollten diese mit den Leistungsträgern im Vorfeld abklären. Die Hilfsmittelnummer des Scalamobils ist: 18.65.01.1026

Das System gibt es auch als Scalacombi mit integierter Sitzeinheit.

Treppensteiger*, die mit Begleitperson zu verwenden sind, gibt es auch von anderen Herstellern zu unterschiedlichen Preisen.

  • Stairmax

Mit dem Stairmax können Rollstuhlfahrer mit ausreichend vorhandener Armfunktion, geradläufige (d. h. keine Wendeltreppen) Treppen im Innen- und Außenbereich eigenständig befahren. Zwischenpodeste müssen mindestens einen Meter breit sein.

Der manuelle Rollstuhl wird (nach entsprechender Adaption durch den Hersteller) dabei auf einem Unterbau fixiert, dessen Raupenantrieb Stufen auf bis zu 30 Stockwerke befährt.

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Der Stairmax des österreichischen Herstellers Lehner kostet ca. 5.500 Euro (Stand Mai 2021) inkl. der Umrüstung des vorhandenen Aktivrollstuhls. Eine Hilfsmittelnummer gibt es nicht.

Treppenraupen* gibt es auch von anderen Herstellern zu unterschiedlichen Preisen.

Die Do-It-Yourself Option: Treppen steigen ganz ohne Hilfsmittel oder Rückrollsperre

Wer mag, kann versuchen, Treppen im Rollstuhl ganz ohne Hilfsmittel zu befahren. Voraussetzungen hierfür sind: Sehr gute körperliche Fitness und Kraft in Armen und Oberkörper bei einer niedrigen Lähmungshöhe und ein leichter Aktiv-Rollstuhl nebst Anschnallgurt. Leichter geht es mit Bremsen mit Rückrollsperre (z. B. Hill Holder oder Dezziv). Die richtige Technik, die zum Befahren von Treppen notwendig ist, wird in verschiedenen Mobilitätstrainings vermittelt (siehe auch: Rollstuhlhandhabung: Mobil im Rollstuhl).

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Oder so:

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Treppensteigen ohne Rollstuhl

Wer seinen Rollstuhl am Ende der Treppe stehen lassen möchte, kann auf dem Hosenboden die Stufen hinauf- oder hinunterrutschen. Wer das allerdings regelmäßig machen möchte, sollte sich zur Dekubitusprophylaxe für folgendes, anschnallbares Sitzkissen interessieren:

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*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; Hinweise zu weiteren Modellen nimmt die Redaktion gerne entgegen.


Die im Text vorgestellten Produkte stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und wurden – falls nicht anders vermerkt – von der Redaktion nicht getestet. Der-Querschnitt.de ist ein Informationsportal und keine Verkaufsplattform. Sollten Sie Fragen zu einzelnen Produkten haben, wenden Sie sich bitte direkt an den Hersteller.