Für Menschen mit Querschnittlähmung: Kühlende Kleidung für heiße Sommertage

Bei hohen Temperaturen kann es für Menschen mit Querschnittlähmung gefährlich sein, sich im Freien oder in überhitzen Räumen aufzuhalten. Gewappnet mit Kleidungsstücken, die den Körper aktiv kühlen, lässt sich die Temperaturdysregulation bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.

Wie im Beitrag Temperaturdysregulation bei Querschnittlähmung beschrieben, ist die Regulation der Körpertemperatur durch Schwitzen und Zittern bei Menschen mit Querschnittlähmung nur eingeschränkt möglich. Besonders stark betroffen sind Menschen mit einer Lähmungshöhe von Th6 und darüber (ISCoS, 2015). An den warmen Tagen des Jahres (und während der Nächte) sind daher Maßnahmen gegen eine Überhitzung des Körpers notwendig, um Folgen wie Unwohlsein, Schlafstörungen bis hin zu Fieber und Kreislaufbeschwerden zu vermeiden.

Wie solche Maßnahmen aussehen können – Beispiele sind viel Trinken, die Ernährung anpassen, sich mit Sprühflaschen einnebeln und ausreichend Pausen im Schatten einlegen – werden in verschiedenen Beitragen auf Der-Querschnitt.de thematisiert und in den Beiträgen Bei Querschnittlähmung: Der Hitze trotzen und Fünf Dinge, die Menschen mit Querschnittlähmung im Sommer beachten sollten zusammengefasst.

Eine Möglichkeit, die im Folgenden eingehend betrachtet wird, ist das Tragen aktiv kühlender Kleidung.

Das physikalische Prinzip der Verdunstungskälte

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Kühlende Manschette von Aqua Coolkeeper

Diese Kleidung funktioniert, indem sie Verdunstungskälte erzeugt und dabei die Kühlfunktion des menschlichen Körpers imitiert: Bei hohen Temperaturen bildet sich (wenn keine Funktionsstörung vorliegt) auf der Haut Schweiß, der verdunstet und dadurch einen Kühleffekt auslöst. Dieses Prinzip der Wasserverdunstung machen sich die industriel hergestellten Materialien zunutze, die für kühlende Kleidung (erhältlich sind z. B. Hoodies, Westen, Pulsmanschetten, Kopfbedeckungen, Manschetten für Ober- und Unterschenkel und Halstücher) verwendet werden. Diese wird mit Wasser getränkt oder auch nur damit besprüht und kühlt beim Tragen durch die Verdunstung des im Gewebe gespeicherten Wassers. Sie wird über oder ggf. auch unter der normalen Kleidung getragen; die nach außen liegende Funktionsfaser trocknet nach der Bewässerung schnell. Der Kühleffekt kann je nach Produkt mehrere Stunden oder sogar Tage anhalten.

Es gibt verschiedene Hersteller für solche Produkte und unterschiedliche Systeme. Einige wirken über einzelne Gelkissen, andere sind über die ganze Fläche mit dem sogenannten „Hydroquarz“ gefüllt, das die Flüssigkeit aufnimmt und verdunsten lässt.

Auch gut zu wissen:


Der Hersteller E.Cooline gibt z. B. an, dass die Kühlwesten den Nierenbereich aussparen, sodass hier keine Überreizung stattfinden kann.

Und auch wer Bedenken hat durch das Tragen feuchter Kleidung der Hautgesundheit zu schaden, kann beruhigt sein: Die Feuchtigkeit ist im Inneren des Kleidungsstücks gespeichert. Nach außen fühlt sich das Material angenehm trocken und weich an.

Geeignet für Menschen mit Querschnittlähmung

Die Hersteller wissen um die besondere Situation von Menschen mit Querschnittlähmung (bzw. Menschen mit Multipler Sklerose) und geben an, dass die Produkte explizit für diese Zielgruppe geeignet seien.

Der Hersteller E.Cooline hat auch gleich mehrere Testimonials am Start, u. a. Handbiker Stefan Kretzschmar, der über die Effekte der kühlenden Kleidung beim Sport sagt: „Damit komme ich bis +30°C gut zurecht. Alleine das Bandana (unterm Helm getragen) lässt mich gute zwei bis drei Stunden bei über 25°C fahren. Und mit der ShirtWeste, die ich unter dem Trikot trage, bin ich bestens gerüstet und habe die Temperaturprobleme gut im Griff.“ Besonders gut gefalle ihm, dass es damit auch keine Bewegungseinschränkungen beim Kurbeln gäbe, was speziell beim Handbiken störend wäre.

Vorsicht bei eingeschränkter Sensibilität

Trotz dieser positiven Bewertung ist Vorsicht geboten, wenn in den Bereichen, in denen die Kleidungsstücke verwendet werden, eine Sensibilitätsfunktionsstörung vorliegt. Beim Bewässern nimmt das Produkt an Gewicht zu und dehnt sich aus.

Menschen mit Querschnittlähmung sollten individuell herausfinden

  • welche Ausdehnung und welches Gewicht die beste Kühlung bewirkt, ohne dabei die eigene Bewegungsfreiheit einzuschränken, und
  • wie das Kleidungsstück an den Körper angepasst werden muss, damit die Haut nicht (z. B. durch Scheuern) belastet wird.
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Kühlende Westen gibt es auch für z. B. Assistenzhunde.

Der Hersteller Aqua Coolkeeper weist zudem darauf hin, dass ein Produkt, das gerade aus dem Kühlschrank kommt (wie bei Kühlakkus der Fall), ungeeignet ist für Menschen mit Sensibilitätsstörungen oder für Personen, die das Kühlprodukt nicht eigenständig entfernen können. Aber genau hier liegt einer der Vorteile der kühlenden Kleidung: In der Regel ist gar nicht vorgesehen, dass die Produkte überhaupt in den Kühlschrank kommen; es reicht, sie in der vom Hersteller angegebenen Weise zu bewässern und anzulegen. Niedrigtemperaturen, die so kalt sind, dass sie bei direktem Kontakt der Haut schaden können, werden bei den verwendeten Systemen gar nicht erst erreicht.

Hersteller von kühlender Kleidung und Co. sind z. B.:


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und wurden (falls nicht anders vermerkt) nicht getestet. Der-Querschnitt.de verkauft keine Produkte. Wer Interesse an den genannten Produkten hat, wendet sich bitte direkt an den Hersteller.