Multiple Sklerose und Querschnittlähmung

Multiple Sklerose (MS) ist eine degenerative, entzündliche Autoimmunerkrankung, die das Nervensystem betrifft. Bei ihrem Fortschreiten kann die Multiple Sklerose zu einer Querschnittlähmung mit entsprechenden Folge- und Begleiterscheinungen führen.

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Bei der Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose verlieren die Nerven des menschlichen Körpers ihre Isolationsschicht, wodurch sich die Leitgeschwindigkeit, mit der Informationen transportiert werden, verringert. Wie sich die MS auswirkt, hängt davon ab, welche Areale des zentralen Nervensystems (siehe: Das Nervensystem) betroffen sind; eine große Bandbreite an neurologischen oder psychiatrischen Beschwerden sind mögliche Symptome.

2014 waren in Deutschland etwa 100.000 bis 120.000 Menschen von MS betroffen, wobei zwei Drittel aller MS-Kranken Frauen sind. Wieso der Körper beginnt seine eigenen Nervenhüllproteine zu bekämpfen, ist nicht bekannt.

Was geschieht bei Multipler Sklerose?

Die Proteinhülle, welche die Nervenstränge umgibt und zum einen zu deren Schutz dient, zum anderen die Leitgeschwindigkeit der gesendeten bzw. empfangenen Signale erhöht, löst sich im Fall einer MS-Erkrankung (aus ungeklärter Ursache) auf, d. h. es findet eine sog. Entmarkung statt. Im Gehirn selbst geht zudem die weiße Hirnsubstanz zurück. Die myelinbildenden Zellen werden durch Nervenfasern ersetzt. Diese Gebiete gelten als vernarbt (sklerosiert). Sobald die Degeneration der Proteinhüllen weit vorangeschritten ist, nimmt die Nervenleitgeschwindigkeit stark ab, was u. a. einen kompletten Funktionsverlust bedeuten kann.

Besonders häufig von einer Multiplen Sklerose betroffen sind Kleinhirn, Hirnstamm, Sehnerv und Rückenmark. Im Rückenmark sind vor allem Nervenbahnen betroffen, die zur willkürlichen Muskelbewegung eine bedeutende Rolle spielen (Gumpert, 2015). Der mögliche komplette Funktionsverlust kann hier zu einer Querschnittlähmung führen.

Multiple Sklerose: Symptome

Es gibt eine Vielzahl an physischen und psychischen Symptomen, die eine Multiple Sklerose Erkrankung hervorrufen kann. Die Entzündungen und der Abbau der Myelinscheiden können die verschiedensten Stellen des zentralen Nervensystems (ZNS) betreffen. Dabei gibt es weder ein typisches Merkmal noch einen typischen Verlauf.

Zu den häufigsten Erstsymptomen zählen plötzliche Sehstörungen und Empfindungsstörungen an Armen oder Beinen. Zudem kommt es zu Beginn der Erkrankung oft zu Störungen der Muskelfunktion, welche sich als Kraftlosigkeit, Lähmungen oder erhöhte Muskelsteifigkeit zeigen können. Gleichzeitig kommen auch Koordinations– und Gleichgewichtsstörungen vor.

Ebenfalls möglich, aber wenigstens zu Beginn der Erkrankung seltener, sind Blasenentleerungsstörungen (Drangblase, Harnverhalt, Harninkontinenz) oder eine undeutliche, verwaschene Sprache.

Im Verlauf der Erkrankung nennt die Apotheken Umschau als „Spätfolge“ in absteigender Reihenfolge der Häufigkeiten unter anderem zu folgenden Beschwerden (50 bis 90 Prozent der Betroffenen):

  • Gangstörung unterschiedlichen Schweregrades auf Grund einer krampfhaften Erhöhung der Muskelspannung (Spastik)
  • Kraftlosigkeit, Gefühlstörungen insbesondere der Beine, Unsicherheiten beim Gehen und Stehen
  • Blasenentleerungsstörungen unterschiedlicher Art
  • Ungewöhnliche Ermüdungsneigung
  • Sehstörungen (Verschwommenes Sehen bis hin zur Erblindung)
  • Sexuelle Störungen
  • Darmentleerungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Unsicherheiten bei gezielten Bewegungen
  • Psychische Störungen bei schwer Erkrankten.

Der Neurologe Nicolas Gumpert erklärt die Folgen, die eine MS-Erkrankung auf das Nervensystem und dessen Funktionen haben kann wie folgt und zeigt dabei u. a. die Parallelen zu einer Querschnittlähmung auf:

  • Sensibilitätsstörungen (verringerte oder vermehrte Sensibilität) sind häufig zu beobachten.
    • Der erloschene Bauchhautreflex ist wohl der wichtigste Parameter bei den Sensibilitätsstörungen. In diesem Falle spürt der Patient das Bestreichen der Bauchdecke mit einem etwas spitzeren Gegenstand nicht mehr. Bei einem Gesunden würde dieses Bestreichen über die Nervenverbindung zum Gehirn eine Kontraktion (Zusammenziehen) der Bauchmuskeln führen.
  • Sehstörungen treten auf, wenn von der Entmarkung der Nerven der Sehnerv betroffen ist. Mögliche Folgen können beidseitig sein und reichen vom verschwommen Sehen bis hin zur Erblindung.
  • Auch die motorischen Bahnen im Rückenmark können betroffen sein. Die Symptome reichen hier von der schlaffen Lähmung bzw. der spastischen Lähmung über gesteigerte Reflexe bis hin zur Störung der Feinmotorik.
  • Ist das Kleinhirn betroffen, kommt es zur Gangunsicherheit, der so genannten Ataxie.
  • Auch ein Intentionstremor ist nicht unüblich. Hier zittern die Hände des Patienten, sobald sie ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand richten, den sie ergreifen wollen.
  • Blasenfunktionsstörungen und Mastdarmstörungen
    • Blase und Mastdarm unterliegen nicht mehr der willkürlichen Kontrolle und entleeren sich selbstständig (Gumpert, 2015) .

Therapie bei Multipler Sklerose

Wenn die Multiple Sklerose Erkrankung erkannt ist, sollte vorbeugend eine frühzeitige Therapie der Folgeerkrankungen und Begleiterscheinungen angestrebt werden. Einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten bietet der Deutscher Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e. V. (DMSG) auf seiner Website unter MS behandeln.

Einen Überblick darüber, welche neuen Ansätze in den vergangenen Jahren hinzugekommen sind, gibt das Magazin der Amsel (Das Multiple Sklerose Portal) in dem fundierten und ausführlichen Beitrag Was hat sich 2014 in der MS-Therapie getan?.

Siehe auch: Studienergebnisse zu Stammzellentherapie bei Multipler Sklerose

Weitere Informationen

Ratgeber und Fachbücher zu Multipler Sklerose

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