Rektale Entleerungshilfen – Zäpfchen bei neurogenen Darmfunktionsstörungen richtig verabreichen

Worin unterscheiden sich Abführzäpfchen? Was ist beim Stecken von Zäpfchen zu beachten? Wie werden Zäpfchen korrekt verabreicht? Die Redaktion hat nachgefragt.

Eine gängige Abführmethode bei Menschen mit neurogener Darmfunktionsstörung ist das Auslösen der Stuhlentleerung durch Gabe eines rektalen Zäpfchens oder Miniklistiers.

Man unterscheidet zwischen wasserlöslichen und fetthaltigen Zubereitungen, die ihren Schmelzbereich nahe der menschlichen Körpertemperatur haben. Die meisten Abführzäpfchen bestehen aus Hartfett. Der Hinweis ist der Packungsbeilage zu entnehmen. Bei wasserlöslichen Zäpfchen verursacht nicht die Körpertemperatur das Schmelzen, sondern sie lösen sich mit dem im Enddarm befindlichen Wasser auf und geben dadurch ihren Wirkstoff frei. Zweck ist, dass der Stuhlgang aufgeweicht und dadurch leichter ausgeschieden werden kann.

Nicht nur für Menschen mit Querschnittlähmung, sondern auch für Fußgänger mit Neigung zur Verstopfung oder schmerzhafter Stuhlentleerung ist die Gabe eines Zäpfchens sinnvoll, da durch das Erweichen des Stuhlgangs dieser ohne starkes Pressen ausgeschieden werden kann. Würde man mit aller Gewalt, hochrotem Kopf und angestrengtem Pressen versuchen, den Stuhlgang rauszudrücken, gehen damit eine Reihe von Komplikationen einher. Da der Stuhlgang sehr hart ist, können Hämorrhoiden (siehe: Hämorrhoiden bei Querschnittlähmung) oder auch Hautrisse, sog. Fissuren, entstehen. Diese verhalten sich einige Zeit unauffällig, fallen dann aber durch starken Juckreiz und Blutungen immer mehr ins Gewicht. Äußerste Konsequenz dieser Pressmethode ist die Entstehung eines Analprolaps, Vorfall von Darmgewebe, der nur operativ wieder behoben werden und auch bei unveränderten Abführgewohnheiten immer wieder auftreten kann.

Worauf ist bei Verabreichen eines Zäpfchens zu achten?

  • Zäpfchen richtig einführen.

    Zäpfchen richtig einführen.

    Ggf. kann eine Mahlzeit vor dem Abführen unterstützend sein, da zu diesem Zeitpunkt die Darmperistaltik gesteigert ist (sog. gastrokolischer Reflex) und das Abführergebnis optimiert werden kann. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass eine regelmäßige Nahrungsaufnahme für die Verdauung notwendig ist und Karenzphasen für die Darmbewegung nicht förderlich sind.

  • Das Rektum zuvor digital zu entleeren ist nach Herstellerangaben von Abführzäpfchen nicht notwendig, jedoch ist es bei anderen Zäpfchen, wie gegen Übelkeit oder Schmerzen, zu empfehlen.
  • Fetthaltige Zäpfchen schmelzen bei Körpertemperatur, deshalb dürfen sie nicht über 25 Grad gelagert werden. War dies doch der Fall, dürfen sie nicht mehr angewendet werden (gilt für Glycilax®, Lecicarbon® und Dulcolax®).
  • Von Creme, Salbe oder Öl zur Erleichterung des Einführens wird dringend abgeraten, da es die Wirkung des Zäpfchens verringern könnte. Allenfalls kann das Zäpfchen kurz in der Hand erwärmt oder kurz unter warmes Wasser gehalten werden, um die Gleitfähigkeit zu verbessern.
  • Um Verletzungen im Analbereich zu vermeiden, sollte das Zäpfchen langsam und vorsichtig eingeführt werden.
  • Empfehlenswert sind kurz geschnittene Fingernägel und ein Einmalhandschuh oder Fingerling.

Wie wird das Zäpfchen verabreicht?

Zäpfchensteckhilfe

Zäpfchensteckhilfe

  • Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.
  • Position: in Seitenlage oder sitzend auf der Toilette oder bei inkompletter Lähmung im Ausfallschritt (ein Bein am Boden und das andere bspw. auf dem Badewannenrand)
  • Das Zäpfchen nicht aus der Verpackungshülle herausquetschen, sondern ähnlich wie eine Banane schälen, ggf. eine Schere nutzen.
  • Mit der Spitze voran in den Enddarm einführen. Es gibt allerdings die Empfehlung, das Zäpfchen mit der stumpfen Seite vorneweg einzuführen, mit der Idee, dass sich die Darmschleimhaut an die Spitze anlegt und das Zäpfchen so weitertransportiert. Somit lässt sich bei Schwierigkeiten das Zäpfchen besser halten. Einfach mal ausprobieren.
  • Das Zäpfchen tief mit dem Finger einführen. Bei fehlender Handfunktion kann eine sog. Zäpfchensteckhilfe hilfreich sein. Siehe Abb. 1.
  • Gründlich die Hände waschen.
  • Ggf. Vorlage oder Wäscheschutz unterlegen, um ein Kotschmieren zu verhindern.
  • Wartezeit wie in der Packungsbeilage beschrieben möglichst einhalten. Wobei eingeräumt werden muss, dass keine Anwendungshinweise für neurogene Darmfunktionsstörungen in den Packungsbeilagen gemacht werden. Das bedeutet, dass die Zeiten mitunter von den Angaben abweichen können.
  • Ggf. während der Wartezeit Toilettensitzauflage zur Entlastung und Vermeidung von Druckstellen nutzen.

 

Welche Zäpfchen gibt es zum Abführen?

Ein Zäpfchen zum Abführen ist nicht wie das andere. Im Folgenden werden die gängigsten Abführzäpfchen mit einigen Anwendungshinweisen und Angaben zur Wirkungsdauer vorgestellt. Bei allen genannten Herstellern wurde seitens der Redaktion nachgefragt, ob das Rektum vor Verabreichen des Zäpfchens leer sein und wie das Zäpfchen genau positioniert werden sollte – die Antworten dazu im Text.

  • CO2-bildende Zäpfchen (Beispiel Lecicarbon®)

Lecicarbon® Zäpfchen entwickeln im Enddarm feinperlige Mikrobläschen aus Kohlendioxid. Diese Mikrobläschen „tackern“ gegen die Darmwand und dehnen sie behutsam. Die Darmperistaltik wird aktiviert und der Entleerungsreflex im Enddarm nach 15-30 Minuten ausgelöst. Ein kurzes vorheriges Eintauchen in Wasser erleichtert das Einführen. Ggf. kann die Anwendung nach 30 Minuten bis einer Stunde nochmals wiederholt werden. Aufgrund seiner Wirkungsweise führt Lecicarbon® auch bei häufiger und lang andauernder Anwendung nicht zur Gewöhnung. Es kann auch eingesetzt werden als erweiterte Abführmaßnahme oder wenn andere Abführtechniken nicht den gewünschten Erfolg brachten. Lt. Herstellerkontakt muss der Enddarm vor Einbringen des Zäpfchens Lecicarbon® nicht entleert werden. Man geht davon aus, dass ein gefüllter Enddarm sogar förderlich ist. Das Zäpfchen soll mittig positioniert werden. Sehr harter Stuhlgang kann auf die Wirkung des Zäpfchens Einfluss haben.

  • Glycerin-Zäpfchen (Beispiel Glycilax®)

Der Wirkstoff Glycerol wird im Enddarm kaum resorbiert. Glycerol wirkt dehydrierend auf die Darmschleimhaut im Enddarm. Weil Wasser im Enddarm zurückgehalten wird, steigert sich die Bewegung des Enddarms und der Defäkationsreflex wird über den Kontakt der osmotischen Lösung mit der Darmschleimhaut ausgelöst. Dabei kann eine Schleimabsonderung auftreten. Mit der Wirkung ist nach Verabreichen ca. 60 Minuten später zu rechnen. Insgesamt ist der Stuhlgang durch den Wirkstoff Glycerol weicher und gleitfähiger, wodurch er leichter abgesetzt werden kann. Es können 1-2 Zäpfchen gesteckt werden. Vor der Anwendung können sie kurz unter das kalte Wasser gehalten werden. Nach Angaben der Packungsbeilage ist die Anwendung von Glycilax® ohne ärztliche Abklärung auf den Bedarfsfall beschränkt. Lt. Herstellerkontakt von soll das Zäpfchen Glycilax® mittig mit dem spitz zulaufenden Ende möglichst tief in den Enddarm eingeführt werden. Eine digitale Entleerung des Enddarms vorab scheint nicht nötig.

  • Bisacodyl-Zäpfchen (Beispiel Dulcolax® 10mg)

Der Wirkstoff Bisacodyl ist in ein Hartfett- Zäpfchen eingebettet und wird über die Darmwand aufgenommen. Auch hier wird bewirkt, dass dem Darm weniger Wasser entzogen wird. Bei Körpertemperatur schmilzt das Zäpfchen und so wird der Wirkstoff ca. 15-30 Minuten nach Gabe freigesetzt. Bei regelmäßiger Anwendung oder Überdosierung erfolgt der Hinweis auf eine mögliche Gefahr der Elektrolytentgleisung (Hypokaliämie), weshalb die Zäpfchen ohne ärztliche Abklärung nicht über einen längeren Zeitraum angewandt werden sollen bzw. Blutkontrollen erfolgen sollten. Lt. Herstellerkontakt ist vor dem Verabreichen von Dulcolax® ein vorheriges Ausräumen zu empfehlen, aber nicht grundsätzlich notwendig.

  • Sorbitol-Klistier/Miniklistier (Beispiel Mikrolax®)

Der Inhalt der Minitube wird am besten auf der Toilette sitzend appliziert. Dazu wird der Verschluss entfernt und für eine bessere Gleitfähigkeit ggf. ein Tropfen der Flüssigkeit schon herausgedrückt. Der Tubenhals wird komplett in den Anus eingeführt und anschließend die 5 ml Inhalt ausgedrückt. Noch immer zusammengedrückt wird die Tube wieder entfernt. Mikrolax® wirkt in 5 – 20 Minuten. Die Wirkstoffe Natriumcitrat, Dedecyl(Sulfoacetat) und Sorbit setzen das im Stuhl gebundene Wasser frei und weichen den Stuhl auf. Da der gelartige Inhalt des Mini-Klistiers rein lokal und physikalisch wirkt, hat er keinen Einfluss auf die Darmtätigkeit, wie dies bei anderen Mitteln der Fall sein kann. Ein Gewöhnungs- oder Abhängigkeitspotential besteht nicht. Lt. Herstellerkontakt ist ein vorheriges Ausräumen vor der Gabe von Microlax® nicht erforderlich. Der Tubenhals sollte mittig, eher im Stuhl als an der Darmwand, positioniert werden.

 

 

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