Kegeln im Sitzen

In einem Kegelclub bei Düren findet ein Durchgang am Abend für alle im Sitzen statt. Es geht um gleiche Chancen, Freundschaft unter Männern und jede Menge Bier.

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Kegeln im Sitzen ist kein neuer Volkssport, aber der Kegelclub von Müntz im Kreis Düren praktiziert es trotzdem. Die Männer erreichen damit ein Stück Chancengleichheit, denn einer von ihnen sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl.

Schon während dessen Reha in der Bochumer BG-Klinik „Bergmannsheil“ haben die Freunde das Kegeln wieder aufgenommen; das Krankenhaus besitzt eine eigene Kegelbahn. „Natürlich stand am Anfang die Frage, kann ich das überhaupt noch?“, erinnert sich Michael Biermann. Der heute 47-jährige hatte vor seinem Unfall in den 1990ern nie mit Rollstuhlfahrern zu tun und in der Reha eigentlich ganz andere Probleme. Aber die Kugel rollen zu lassen, gehörte mit zu den ersten Dingen, die mit Übung wieder möglich schienen.

Im Zeichen der Geselligkeit

„Es war kein Thema, dass ich auch zuhause weiterhin zum Club gehören würde“, sagt er. „Die anderen haben sich, während ich noch in der Klinik war, nach einer besseren Kegelbahn umgeschaut, konnten aber erst mal keinen Ersatz finden.“ Im Keller und mit einer Toilette übern Hof war die bisherige Bahn eigentlich ungeeignet. Aber: „Et es, wie et es“, und so packten die Männer an und brachten Biermann an die Kegelbahn und in der Nacht wieder raus: „Wenn alle was getrunken hatten, war`s etwas wackelig.“ Den Toilettengang erledigte Michael Biermann zwischenzeitlich auf einer separat abschließbaren Bahn per Beutelsystem.

Inzwischen haben die Männer eine andere Kegelbahn finden können, und Michael Biermann seine besondere Technik. „Ich bin immer noch nicht so gut wie die anderen, aber das sehe ich locker.“ Sein Ziel sei es, am Abend nicht Letzter zu werden. Doch ohne den entsprechenden Anlauf fehlt seiner Kugel der Drall, was ihn insbesondere in der dritten Runde häufig Punkte kostet. Da er keinen Anlauf nehmen kann, muss er Schwung und Rotation besonders gut dosieren. Im sitzenden Durchgang macht sich das bezahlt. „Drei oder vier Mal bin ich König des Abends gewesen. Ein Inklusionssport ist es trotzdem nicht, aber die Geselligkeit zählt.“

Männer unter sich

Zweimal im Jahr machen die Herren einen Wochenendausflug. Auch das sei völlig unkompliziert, so Biermann. Beim ersten Mal habe die Gruppe zwar noch einen speziellen „Behindertenbungalow“ in einem Centerpark gebucht, aber mittlerweile kenne er die Tricks, behelfe sich in Duschkabinen mit einem Gartenstuhl und baue im Übrigen auf die Manneskraft seiner Kumpel.

Und warum gibt es keine Frauen im Verein? Michael Biermann hat da seine eigene Theorie: „Frauen sind einfach schwieriger in Clubs.“ Er spreche aus Erfahrung. Der einzig je existierende weibliche Müntzer Kegelclub habe sich schnell wieder aufgelöst: „Die Frauen konnten sich einfach auf keinen Termin für ihre Wochenendfahrt einigen und wollten auf keinen Fall, dass eine nicht dabei sein konnte.“ Inklusion also nicht in Sicht. Zumindest nicht die der Geschlechter.