Eltern mit Behinderungen: Kinder berichten

Können Mütter und Väter mit Behinderungen ihre Kinder „normal“ aufziehen? Worin liegen die Unterschiede zu Eltern ohne Einschränkungen? Und wie stehen die Kinder zu diesen Fragen? Damit beschäftigt sich die 2015 erschienene Publikation „Wie Eltern mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erziehen. Und was die Kinder dazu sagen“.

Bild 76659409 copyright Hannes-Eichinger, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

„Wie Eltern mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erziehen und was die Kinder dazu sagen“ ist Thema und Titel der Dissertation der Lehrerin und Sprachförderpädagogin Cornelia Klößinger. In quantitativen Interviews befragte die Autorin 17 Kinder aus Familien, in denen ein Elternteil oder beide von einer Behinderung betroffen sind. Fünf dieser Studienteilnehmer haben ein Elternteil, das aufgrund von Querschnittlähmung, Amputation oder Multiple Sklerose Erkrankung von Bewegungseinschränkungen betroffen ist bzw. im Rollstuhl sitzt.

Die Autorin kommt u. a. zu folgenden Ergebnissen:

Weder schwarz noch weiß

Allen gemein ist, dass die Söhne und Töchter behinderter Eltern ihre Situation nicht als durchweg negativ betrachten; ein durchweg positives Bild zeichnen sie jedoch auch nicht. D. h. die Behinderung eines Elternteils hat durchaus eine Auswirkung auf das Aufwachsen des Kindes. In welchen Situationen diese als negativ bewertet wird und in welcher Hinsicht die Behinderung keine Rolle spielt, ist von Individuum zu Individuum sehr verschieden. Eine allgemeine Aussage kann nicht getroffen werden.

Hilfe erwünscht

Überwiegend als belastend bewerteten es die Kinder, wenn es keine Unterstützungsmöglichkeiten außerhalb der Kernfamilie gab, oder Hilfsangebote durchaus vorhanden waren, sie von den behinderten Eltern aber abgelehnt wurden. Beides führte zu Situationen, in denen die Hilfestellungen, auf die die Eltern angewiesen waren, auf wenigen Schultern innerhalb der Familie ruhten, u. a. auf denen des nichtbehinderten Partners oder auf denen des Kindes selbst.

Reaktionen in der Gesellschaft

Als großes Problem betrachteten die Kinder unangenehme Erfahrungen mit verschiedenen gesellschaftlichen Reaktionen auf die Behinderung der Eltern. Dies bedeutet jedoch, dass Belastendes nicht zwangsläufig aus der Behinderung der Mutter oder des Vaters selbst resultiert, sondern aus der Zuschreibung Dritter erlebt wird.

Eltern-Kind-Beziehung

Behinderungen der Eltern führen nicht notwendigerweise zu einer stärker belasteten Eltern-Kind-Beziehung; der Aktionsradius der Familie ist nur dann eingeschränkt, wenn nicht ausreichend Assistenz zur Verfügung steht. Die Autorin resümiert: „Elternschaft mit Körper- und/oder Sinnesbehinderung kann genauso mit Höhen und Tiefen, Freude und Enttäuschungen, Wertschätzung und Verzweiflungsmomenten gelebt werden wie ohne Behinderung.“

Bild Klößinger4_Cover.indd Copyright Tectum Verlag, 2015 Mit freundlicher Genehmigung von Mirjam SchneiderKlößingers Publikation ist eine wissenschaftliche Arbeit und richtet sich an Fachpersonen, die in dem betreffenden Bereich arbeiten. „Wie Eltern mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erziehen und was die Kinder dazu sagen“ ist für Pädagogen, Sonderpädagogen und Inklusionshelfer eine hilfreiche Lektüre, für Laien aber, und das dürfte der Großteil der Betroffenen sein, ziemlich hartes Brot. Hier wünscht man sich eine auf den Ergebnissen basierende weiterführende Publikation wie z. B. einen Erziehungsratgeber.

Das Buch

  • Wie Eltern mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erziehen. Und was die Kinder dazu sagen
  • Von: Cornelia Klößinger
  • ISBN: 978-3-8288-3462-0
  • Seiten: 450
  • Preis: ca. 29,95 Euro (Stand: Aug. 2015)

 

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