Barrierefrei unterwegs in London

London ist nicht nur für zu Fuß gehende Liebhaber von leichtem Nieselregen, Nebel und Fish & Chips eine Reise wert. Auch für Rollstuhlfahrer hat die Stadt an der Themse einiges zu bieten, denn spätestens seit den olympischen und paralympischen Spielen 2012 präsentiert sie sich zunehmend barrierefrei.

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London ist mit weit über acht Millionen Einwohnern die größte der britischen Metropolen und galt lange als wenig rollstuhlgerecht. Dies hat sich in den letzten Jahren natürlich geändert, doch empfiehlt sich eine gewisse Sorgfalt bei der Reiseplanung.

Anreise: Barrierefrei nach London

Wer als Kontinentaleuropäer mit dem Auto nach London reist oder vor Ort einen Leihwagen mietet, ist schon ziemlich mutig. Und das nicht nur, weil man auf der Insel auf der falschen Straßenseite fährt und im Straßenverkehr in der Innenstadt grundsätzlich die Hölle los ist. Behindertenparkplätze gibt es zwar, es ist jedoch von Distrikt zu Distrikt unterschiedlich geregelt, wer dort wie lange parken darf und wer nicht. Genaue Informationen gibt es (in englischer Sprache) unter: Bluebadge London.

Die U-Bahn ist in London nur bedingt barrierefrei. Von den 270 Stationen ist etwa ein Viertel für Rollstuhlfahrer geeignet. Eine entsprechende Kennzeichnung besteht und vor Ort kann man sich das Faltblatt „Step-Free Tube Guide“ besorgen, das einen Überblick über die rollstuhlgerechten Zugänge der einzelnen Stationen vermittelt.

Einfacher wird es, wenn man mit Bussen unterwegs ist, denn die sind immer barrierefrei mit ausfahrbaren Rampen ausgestattet. Und: Rollstuhlfahrer zahlen – egal ob Einheimischer oder Tourist – grundsätzlich nichts. (Achtung: Das gilt nicht für Begleitpersonen!)

Wer nicht Bus fahren mag, könnte es mit einem Taxi versuchen, denn alle Taxen in London sind mit Rampen und vergrößerbaren Türen ausgestattet; manche haben auch Schwenksitze.

Barrierefreie Unterkunft in London

Wer nicht über einen Reiseveranstalter bzw. ein Reisebüro bucht, sondern auf eigene Faust Unterkünfte in London finden möchte, kann dies über verschiedene Buchungsportale tun. Die Option „rollstuhlgerecht“ kann hier meist in der Suche abgefragt werden, doch die Ergebnisse sind nicht immer eindeutig. Wenn in der Hotelbeschreibung „wheelchair accessessible“ zu lesen ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass es die Zimmer auch sind. Oft ist nur ein Rollstuhlzugang zur Lobby oder eine rollstuhlgerechte Toilette im Restaurantbereich gemeint. In jedem Fall sollten London-Reisende vor der Buchung im Hotel ihrer Wahl anrufen und nachfragen, ob Zimmer und Badezimmer für Rollstuhlfahrer geeignet sind.

Barrierefreie Sehenswürdigkeiten, Theater und Museen in London

Was seine Sehenswürdigkeiten angeht, hat sich London große Mühe gegeben. Selbst historische Gebäude wurden, wenn es irgendwie möglich war, barrierefrei umgebaut – d. h. die meisten Sehenswürdigkeiten in London sind für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich.

Auf der englischsprachigen Website Disablego werden in der Kategorie „places to go“ barrierefreie Orte (u. a. jenseits der Touristenhighlights) beschrieben, die man in Großbritannien und speziell in London gesehen haben sollte.

Die Website londonbarrierefrei.com listet die wichtigsten Touristenattraktionen Londons auf und bewertet und verlinkt hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit. Unter dem Link Barrierefrei zu Londons 10 beliebtesten Attraktionen gibt es Informationen in deutscher Sprache zu:

  • Britisches Museum
  • London Eye (höchstes Riesenrad Europas)
  • Madam Tussauds
  • National Gallery
  • National History Museum
  • Royal Museums Greenwich
  • Science Museum
  • Tade Modern
  • Tower of London
  • Victoria & Albert Museum

Theater und Konzerthallen in London bemühen sich sehr, Angebote und Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Die Gebäude rollstuhlgerecht zu gestalten, ist nur ein Teil davon. Die Initiative Access London Theaters zeigt auf ihrer Website Details zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen.

 

Begleitpersonen

Begleitpersonen reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln in London nicht umsonst. Auch was den Eintritt zu Sehenswürdigkeiten, Museen und Theatern angeht, bestehen mancherorts, aber nicht überall, Rabattmöglichkeiten. Im Zweifel lohnt es sich nachzufragen, ob eine Ermäßigung für Begleitpersonen möglich ist.

Tücken der englischen Sprache: Handicap oder Disability?

Das in Deutschland bekannte Wort Handicap für Behinderung entstammt zwar dem Englischen, wird dort im Sprachgebrauch aber vermieden, da es eine Abwertung beinhaltet.

Viele Menschen in englischsprachigen Ländern glauben, das Wort Handicap kommt vom Ausdruck Cap-in-Hand, einer Umschreibung von Betteln auf der Straße, mit der unausgesprochenen Aufforderung, Geld in die Kappe (Cap) in der Hand des Bettlers zu werfen. Laut einer nicht belegten Überlieferung war diese Form des Bettelns in England Körperbehinderten vorbehalten. Eine weitere mögliche Deutung ist dem Pferderennsport entlehnt: Hier wurde ein leichteres Rennpferd mit Gewichten behängt, um einen Vorteil gegenüber einem schwereren Pferd auszugleichen und so den Wettkampf fairer zu gestalten.

Wo auch immer die Herkunft der Bezeichnung zu finden ist, im heutigen Sprachgebrauch gilt sie als überholt. Besucher, die in Großbritannien unterwegs sind, sollten in jedem Fall das Wort Handicap aus ihrem Vokabular streichen und stattdessen „disabled“ oder „disability“ verwenden. Der Begriff „imparement“ bzw. „impared“ wird verwendet, wenn eine Einschränkung, aber kein kompletter Funktionsverlust vorliegt.

 

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