Antibiotika & Probiotika – Auswirkungen auf den Darm

Antibiotika sind heute weltweit die am häufigsten verschriebenen Medikamente mit mehr als 40 Mio. Verordnungen pro Jahr allein in Deutschland (aok-gesundheitspartner.de, 2015). Doch Wirkung und Nebenwirkung liegen nahe beieinander.

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Welche Auswirkungen haben Antibiotika auf den Darm?

Magen-Darm-Beschwerden nach einer Antibiotikagabe sind relativ häufig. Dies begründet sich daraus, dass die antibakteriellen Wirkstoffe die normale Darmflora verändern, und sich widerstandsfähige Arten übermäßig vermehren können. So entstehen Durchfälle. Und das nicht mal so selten. In der Recherche zeigte sich ein Auftreten von 30-50% einer antibiotikaassoziierten Diarrhoe (AAD) mit steigender Tendenz (Deutsche Gesundheitshilfe, 2015; Nutrimmun GmbH 2015). Antibiotikaassoziiert bedeutet im Zusammenhang mit der Antibiotikagabe auftretende Durchfälle. Grundsätzlich können alle Antibiotika diese Durchfälle auslösen, doch man unterscheidet zwischen drei Risikostufen (Pharmazeutische Zeitung, Vortrag Prof. Lembcke, Gladbeck, 2002; Infektionsnetz.at, 2015):

  • Einem sehr hohen Risiko, wie die Gruppe der Cephalosporine (Beispiel Handelsname Cefuroxim®) oder Aminopenicilline (Beispiel Handelsname Amoxicillin®)
  • Einem hohen Risiko, wie die Gruppe der Makrolide (Beispiel Handelsname Erythrocin®) oder Fluorchinolone (Beispiel Handelsname Ciprobay®)
  • Einem geringen Risiko, wie die Gruppe der Tetrazykline (Beispiel Handelsname DoxyHexal®) oder Cortimoxazol (Beispiel Handelsname Eusaprim®)
Was passiert im Darm?

Was passiert im Darm?

Ebenso erschreckend wie erstaunlich ist die Tatsache, dass die Durchfälle binnen weniger Stunden auftreten können oder aber auch erst mehrere Wochen nach Absetzen des Antibiotikums, was die Ursachenforschung der Durchfälle durchaus erschweren kann (perenterol.de, 2015).

Inwieweit sich die Langzeitwirkungen von Antibiotika auf die Darmflora auswirken ist noch unklar. Zumindest wurde in einer Studie bestätigt, dass sich bei einer erneuten Antibiotikatherapie sechs Monate nach der Erstantibiose die Darmflora so verändert, dass sie nicht mehr ihren Ausgangsstatus zum Zeitpunkt vor der ersten Therapie erreicht (Dethlefsen / Relman, 2011). Die bislang angenommenen drei Monate scheinen nicht auszureichen, um die Darmflora wieder zu normalisieren. Dies sollte Berücksichtigung bei Menschen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten finden, die mehrmals im Jahr mit Antibiotika behandelt werden.

Neben den Durchfällen gehen mit einer Antibiotikagabe oftmals noch weitere Magen-Darm-Beschwerden, wie eine leichte Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Blähungen einher. Darüber hinaus treten in einigen Fällen auch Hautrötungen, Juckreiz oder Pilzinfektionen auf. Alles zusammen stellt für viele ein Grund dar, die Behandlung früher abzubrechen. Davon ist jedoch abzuraten, denn für den Behandlungserfolg ist es unerlässlich, das Antibiotikum über den gesamten vorgesehenen Zeitraum einzunehmen.

Clostridien Difficile

Bei einem Viertel der antibiotikaassoziierten Durchfälle steckt der Keim Clostridium difficile, ein gefürchteter Krankenhaus-Keim, dahinter. Die Übertragungsgefahr erfolgt durch Toiletten oder Hände, sowie über verunreinigte Gegenstände. Clostridien difficile können durchaus in einem gesunden Darm vorkommen, allerdings nur in einer geringen Anzahl, so dass sie keine Beschwerden verursachen. Durch die bakterielle Verschiebung aufgrund der Antibiotikatherapie vermehren sie sich und können eine entzündliche Darmschleimhauterkrankung (pseudomembranöse Colitis) hervorrufen. Bei dieser Darmerkrankung leidet der Betroffene unter massiven Durchfällen. Diese Durchfälle führen zu einem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust und können vor allem bei älteren und geschwächten Menschen bis zum Tod führen (gesundheitswerkstatt.de, 2015).

Was kann man tun?

Um das Ungleichgewicht der Darmbakterien wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, besteht die Möglichkeit, mit einem Probiotikum (lebenden „guten“ Darmbakterien), die Fehlbesiedlung auszugleichen. Hierzu liegen Studien vor, die u.a. den Wirkstoff Saccheromyces Boulardii, die sog. „Arzneihefe“, als wirksam belegen. Die Wirkung der Probiotika setzt zwei bis drei Tage nach der ersten Einnahme ein und wird bis ca. sieben bis zehn Tage nach Absetzen aufrechterhalten. Da es sich um einen Pilz handelt und Antibiotika Bakterien angreifen, zeigt er Wirkung auf die gesamte Darmflora (L D’Souza et al., 2002).

Was bewirken Probiotika?

Probiotika stabilisieren eine gesunde Darmflora und stärken ihre natürliche Schutzfunktion. Sie stimulieren das Immunsystem (siehe: Das Immunsystem), welches sich bis zu 80% in unserem Darm befindet und haben entzündungshemmende Eigenschaften, so dass sie auch bei Krankheitsbildern wie dem Reizdarmsyndrom eingesetzt werden. In den USA werden sie bereits prophylaktisch zur Prävention der antibiotikaassoziierten Diarrhoe (Durchfall) eingesetzt.

Mittlerweile liegen zahlreiche Studien vor, die den positiven Einsatz von Probiotika bei einer Antibiotikatherapie belegen. Dennoch gibt es Lücken, denn oftmals sind Antibiotikagruppen oder Probiotikazusammensetzungen nicht näher definiert, so dass bislang keine generelle Empfehlung aus medizinscher Sicht ausgesprochen wurde. Da die Gabe eines Probiotikums aber weder mit Nebenwirkungen noch mit sonstigen Schäden einhergeht, ist es eine Überlegung wert, sie zumindest auszuprobieren. Dennoch sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden, ob die Einnahme im Einzelfall nicht kontraindiziert ist, z.B. bei immunsuppremierten Menschen oder Menschen mit einer Immunschwäche.

(Siehe auch: Prä- und Probiotika für die Verdauung)

 

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