Klistiere, Einläufe & Irrigation bei Querschnittlähmung

Als weitere rektale Abführhilfen gibt es neben den Zäpfchen und Mikroklistieren die Möglichkeit, den Darm zu spülen. Dabei handelt es sich um ein invasiveres Vorgehen, denn es wird Wasser über den Anus in den Darm eingeleitet. Verschiedene Darm-Spültechniken werden im Folgenden vorgestellt.

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Dieser Beitrag ist die Fortsetzung zu „Rektale Entleerungshilfen – Zäpfchen bei neurogenen Darmfunktionsstörungen richtig verabreichen“ und erläutert die Möglichkeiten der Darmspülungen bei neurogenen Darmfunktionsstörungen.

Wann sind Darmspülungen bei Querschnittlähmung indiziert?

Darmspülungen haben in der Praxis vielfältige Anwendungsgründe. Zum einen werden sie vor operativen oder diagnostischen Maßnahmen im Darm durchgeführt oder bei Fastenkuren / Heilfasten zum Entschlacken (siehe: Heilfasten: Neustart für die Seele). Im Bereich neurogener Darmfunktionsstörungen indiziert die Darmspülung entweder eine Stuhlinkontinenz oder eine Verstopfung, um die Kotballen zu lösen und auszuspülen. Die Symptome treten in Abhängigkeit des Lähmungsniveaus auf:

  • Hohe Lähmungen verursachen eine Stuhltransportstörung und Stuhlentleerungsstörung. Dabei sind die Reflexe intakt, aber es entsteht ein erhöhter Tonus des Schließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur. Deshalb wird der Stuhlgang nicht weiterbefördert und lässt sich nur mit unterstützenden Maßnahmen ausscheiden.
  • Tiefe Lähmungen gehen mit einer Stuhlinkontinenz einher, da die Reflexe des Schließmuskels, Beckenbodens und der Stuhlausscheidung gestört sind. Der Darm wird gespült und solange er nicht wieder gefüllt ist, ist die Person stuhlkontinent.

Wirkung von Darmspülungen

Darmspülungen sind äußerst effektiv, denn sie wirken auf mehrfache Weise. Die Spülung des Darms bewirkt einen mechanischen Reiz, ausgelöst

  • Durch den Fremdkörper (Darmrohr)
  • Durch den Druck der einlaufenden Flüssigkeit
  • Durch die Menge der Spülflüssigkeit

Auch die Temperatur des Einlaufs spielt eine entscheidende Rolle, sie verursacht den thermischen Reiz durch

  • Absenken der Temperatur auf etwa 30 bis 35 Grad: es entsteht ein starker Reiz (Krampfgefahr)
  • Anheben der Temperatur auf etwa 38 bis 40 Grad: es entsteht ein schwacher Reiz (wird selten verwendet)

Neben Wasser können noch weitere chemische Zusätze einen Reiz auslösen. Dabei handelt es sich bspw. um osmotisch wirkende Fertigmischungen, wie Yal® oder Praktoclyss®.

Was ein absolutes No-go ist und keinesfalls praktiziert werden sollte, ist die Verwendung von Zusätzen, die nicht für die Anwendung von Darmspülungen deklariert sind. Oftmals ist in Foren zu lesen, dass Olivenöl, Milch, Kaffee, Kräuter, Schüsslersalze, Basenpulver, Kernseife usw. in das Spülwasser beigemengt werden. Fakt ist, dass derlei Substanzen zu Reizungen der empfindlichen Darmschleimhaut führen können und nicht für Darmspülungen zugelassen sind. Fraglich ist zudem, wieviel von den Substanzen im Darm zurückbleibt und welche negativen Auswirkungen dies langfristig auf die Darmgesundheit hat.

Wann dürfen keine Einläufe verabreicht werden?

Während es bestimmte Situationen gibt, in denen ein Einlauf indiziert ist, gibt es auch konkrete Krankheitsbilder oder Zustände, in denen kein Einlauf verabreicht werden darf. In der Packungsbeilage sind hierzu detaillierte Informationen aufgeführt, bzw. muss die Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Am häufigsten aufgeführt werden akute Bauch- und Unterbaucherkrankungen sowie Verletzungen im Bereich des Afters.

Komplikationen beim Verabreichen eines Einlaufs

Wichtig ist ein vorsichtiges Vorgehen beim Einführen des Darmrohrs/Schlauchs. Lässt sich der Katheter nicht weiter einschieben, darf keinesfalls gegen Widerstände geschoben werden. Sinnvoll ist es, den Katheter einige Zentimeter zurückzuschieben und es erneut zu versuchen. Es besteht eine Verletzungsgefahr durch unsachgemäßes Einführen des Katheters in Form eines Darmdurchbruchs (Perforation).

Da einige Einlaufarten sehr kreislaufbelastend sind, muss das Befinden des Patienten während des Einlaufs erfasst werden. Der Patient muss über die Risiken informiert und angehalten werden, Veränderungen sofort mitzuteilen. Ggf. sind Blutdruckkontrollen erforderlich. Hilfreich ist es für den Patienten außerdem, wenn er sich nach dem Einlauf eine Weile ausruhen kann.

Das Verabreichen eines Einlaufs

Körperposition

Beim querschnittgelähmten Menschen muss unterschieden werden, ob der Einlauf selbstständig durchgeführt werden kann oder pflegerische Unterstützung benötigt wird. Voraussetzung ist, dass die Person den Schlauch/das Darmrohr halten und mit Gefühl einschieben kann. Ist dies nicht der Fall, ist eine zweite Person vonnöten. Während es grundsätzlich möglich ist, den Einlauf in Rücken-, rechter oder linker Seitenlage mit angewinkelten Beinen oder im Vier-Füßler-Stand zu verbreichen, wird bei pflegerischer Unterstützung die linke Seitenlage im Bett bevorzugt soweit es für den Betroffenen bequem bzw. umsetzbar (mit angewinkelten Beinen) ist. Links erklärt sich aufgrund des anatomischen Verlaufs des Darms. Das Wasser kann so tiefer eingespült werden. Entweder findet das komplette Abführprozedere dann im Liegen statt oder es erfolgt nach Einführen des Wassers ein Transfer auf den Toilettenstuhl bzw. zur Toilette. Bei selbstständigem Durchführen, z. B. der Irrigation, sitzt die Person von vornherein auf der Toilette bzw. dem Toilettenstuhl und führt dort auch das Wasser in den Darm ein.

Welche Formen von Einläufen gibt es?

Klistierspritze birnenförmig
Birnenklistier

Birnenklistier

Die Klistierspritze entspricht einem Mini-Einlaufsystem. Dabei wird körperwarmes Wasser in den Ballon aufgezogen, die Menge variiert je nach Hersteller zwischen 100-300ml. Über einen in den Enddarm eingeführten Konus wird das Wasser aus dem Ballon in den Darm eingespült. Ziel dabei ist, dass das Wasser den Stuhl aufweicht und somit der Entleerungsreflex ausgelöst wird. Es eignet sich zur Darmreinigung und bei Verstopfung. Von Vorteil sind neben einem geringen Aufwand auch niedrige Kosten, da das Produkt mehrfach verwendet werden kann.

 

Klysma/Klistier

Klistiere sind Fertiglösungen mit bestimmten Zusätzen. Als Beispiel das Klistier Freka Clyss®, ein gebrauchsfertiges Einmal-Klistier auf Salzbasis. Voraussetzung ist eine gewisse Fingerfertigkeit, denn Verschluss und Spitze werden zuerst mit Vaseline eingefettet, dann wird die Spitze entfernt/abgebrochen. Damit nicht die Flüssigkeit herausläuft, muss der Schlauch abgeknickt werden, am besten mit den Fingerspitzen oder einer Klemme. In vorzugsweise linker Seitenlage wird der Schlauch vorsichtig und möglichst tief eingeführt und unter leichtem Druck die 120 ml Flüssigkeit in den Darm einlaufen gelassen. Innerhalb 10 bis 20 Minuten erfolgt die Darmentleerung. Das Klistier kann vor Verabreichen im Wasserbad auch auf Körpertemperatur erwärmt werden. Zu beachten ist, dass bei Überdosierung eine Störung des Elektrolytgleichgewichts auftreten kann. Soweit nicht anders vom Arzt verordnet, ist es zur einmaligen Verwendung vorgesehen. Genaue Anweisungen sind der Gebrauchsanweisung zu entnehmen. (Gebrauchsanweisung Stand: 11/2009)

 

Rektaler Katheter mit Spülung

Sog. Darmrohre oder auch rektale Katheter sind zum Einlaufen von Flüssigkeiten, aber auch zum Ableiten von Gasen nach außen vorgesehen. Die Darmrohre werden in unterschiedlichen Größen von Charrière 16 bis 40 (= 5,33 bis 13,33 mm) und in Längen von 20 bis 40 cm angeboten und sind zur einmaligen Verwendung. Im Vergleich zu Kathetern sind Einmaldarmrohre weniger flexibel, damit sie besser in den Darm eingeführt und vorgeschoben werden können. Die Auswahl des Darmrohrs richtet sich nach der Indikation. Um das Einführen des Darmrohres für den Patienten so wenig belastend wie möglich zu machen, wird es mit einem Gleitmittel bestrichen. Bei starken Blähungen kann ein durch den Anus eingeführtes Darmrohr einen Teil der Darmgase in einen angeschlossenen Beutel ableiten und den Darm entlasten. Dabei bleibt das Darmrohr für max. 30 Minuten im Darm liegen, denn eine längere Verweildauer kann zu Druckstellen im Darm führen. Beim Einlaufen von Flüssigkeiten über ein Darmrohr werden Einmal-Beutelsysteme verwendet. Die Wassermenge oder etwaige Zusätze richten sich dabei nach Arztangaben. Die Flüssigkeit bewirkt im Darm einen leichten Druck auf die Darmwand, so dass die Peristaltik des Darms zusätzlich angeregt wird.

 

Spülsystem Reprop®

Reprop® besteht aus einem Flüssigkeitsbehälter, der 750 ml umfasst, mit Belüftungsventil, einem Verlängerungsrohr mit Rückschlagventil und einem Darmrohr. Das Gefäß ähnelt einer Kunststoff Trinkflasche und ist mit den Fingern zusammendrückbar. In das Gefäß wird körperwarmes Wasser gefüllt. Auf der Toilette sitzend wird die Flüssigkeit über das mit Gleitgel versehene Darmrohr eingebracht. Der Ventilmechanismus ermöglicht ein einfaches manuelles Pumpen des Flüssigkeitsbehälters bis die gesamte Flüssigkeit in den Darm eingeführt wurde. Das System kann nach Reinigung mehrfach verwendet werden. Weiterführende Informationen unter http://www.reprop.de

 

Anales Irrigationssystem / transanale Irrigation

Die anale Irrigation ist eine Weiterentwicklung des bekannten Einlaufs. Sie wird ärztlich angeordnet und erfordert eine Einweisung in die Handhabung durch fachlich qualifiziertes Personal. Es gibt verschiedene Irrigationssysteme auf dem Markt, bspw. das System von Qufora® von Fa. MBH International, Peristeen® von Fa. Coloplast oder Irrimatic R von Fa. BBraun. Die Utensilien außer Rektalkatheter können mehrmals genutzt werden, genaue Informationen sind der Packungsbeilage zu entnehmen. Ein

Peristeen® Komplettsystem

Peristeen® Komplettsystem

System besteht in der Regel aus einem

  • Rektalkatheter mit Ballon
  • Wasserbehälter
  • Steuereinheit

 

 

Der Wasserbehälter wird mit ca. 500 ml körperwarmem Wasser gefüllt. Bereits auf der Toilette sitzend wird der Rektalkatheter in das Rektum eingeführt, da er hydrophil beschichtet ist, muss kein weiteres Gleitgel angewandt werden. Über die Steuereinheit wird der am Rektalkatheter befindliche Ballon „aufgepumpt“ und somit der Darmausgang verschlossen (geblockt). So bleibt der Katheter an Ort und Stelle und das eingeführte Wasser kann nicht mehr entweichen. Alternativ kann statt eines Katheters mit Ballon auch ein Konus verwendet werden. Dieser muss jedoch die ganze Zeit über mit der Hand festgehalten werden. Das Wasser gelangt entweder per Schwerkraft oder über das Gerät gesteuert in den Darm. Dort sollte es ca. drei Minuten verweilen, bis der Ballon des Rektalkatheters abgelassen und der Rektalkatheter aus dem Rektum gezogen wird. Kurz darauf wird der „aufgeweichte“ Stuhl mit dem Wasser ausgeschieden. Ggf. kann das Vorgehen in Abstand von mind. 15 Minuten zwei bis drei Mal wiederholt werden.

 

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


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  1. friedrich.ernst@gmx.de 04.10.2015, 15:24 Uhr

    Hallo,
    habe das Peristeen ausprobiert, hatte aber einige Anwendungsprobleme.
    Der Effekt war nicht sehr erfolgreich. Wasser kam zwar heraus, der Stuhl aber nur sehr wenig.
    -die meisten Schwierigkeiten gab es mit dem Ballon. entweder er platzte, was nicht sehr angenehm war. Obwohl nur 3 mal gepumpt wurde. Und der Katheter rutschte wiederholt wieder heraus, trotzt „aufgepumptem“ Ballon. Habe die weitere Nutzung eingestellt.

    • Kerstin Gitschel 06.10.2015, 08:28 Uhr

      Sehr geehrter Herr Friedrich,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und die Schilderung Ihrer persönlicher Erfahrung. Da es durchaus sein kann, dass eine Abführtechnik beim einen zum Erfolg führt beim anderen nicht, war es uns wichtig, die verschiedenen rektalen Abführmöglichkeiten darzustellen.

      Herzliche Grüße
      Kerstin Gitschel

    • Albert Weißenbach 04.09.2016, 20:22 Uhr

      Hallo!

      Ich weiß es ist nicht ganu up-to-date, aber ich hatte auch das selbe Problem. Bei mir hat es geholfen, dass ich vorsichtig mit einer Hand gepumpt habe und die andere Hand habe ich hinten beim Hintern in der Nähe des Katheters gehabt, für den Fall, dass der Katheter rausrutschen sollte. Wegen dem Platzen des Ballons kann ich leider keine nützlichen Tipps geben, da es mir auch ab und zu sowas passiert, aber da muss man selbst ein wenig abschätzen wann es am besten ist den Ballon nicht weiter aufzupumpen. Jedoch kann ich dir sagen, dass du (laut meiner Ärztin) den Katheter (sollte er nicht schon „schmutzig“ sein, ein zweites mal SOFORT wieder verwenden kannst um die anale Irrigation durchzuführen. Falls der Ballon platz, nimm einfach einen neuen Katheter. Manchmal ist es vielleicht auch gescheit, wenn man (falls möglich) den Stuhl rausdrückt (den Oberkörper nach vorne richten und mit geballter Faust gegen den Bauch drücken – eventuell die Beine anwinkeln, das hilft oft). Ich hoffe ich konnte dir soweit helfen!