Mit Verbrennungen richtig umgehen

Das Risiko sich Verbrennungen oder Verbrühungen zuzuziehen, ist bei Querschnittlähmung z. T. deutlich erhöht. Während lange Zeit eine schnelle und lange Kühlung die Erste-Hilfe-Maßnahme bei thermischen Verletzungen war, ist man heute von dieser Vorgehensweise abgekommen.

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Dass bei Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko besteht, sich thermische Verletzungen zuzuziehen, liegt zum einen am teilweisen oder vollständigen Verlust der Oberflächensensibilität (siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung). Neben dem Unvermögen Berührung oder Druck wahrzunehmen, können dadurch nämlich auch die Gefahrensignale Hitze und Schmerz vom Körper nicht registriert werden. Ein Umstand, der die Haut und das darunterliegende Gewebe stark gefährden, wenn Verbrennungen vorkommen, der Betroffene sie aber nicht bemerkt.

Zum anderen kann u. U. die Unfallgefahr beim z. B. Kochen oder Grillen (siehe: Das barrierefreie Grillvergnügen) erhöht sein, wenn die Handfunktion eingeschränkt ist oder Arbeitsflächen und/oder -geräte nicht an die sitzende Position des Betroffenen angepasst sind.

Generell besteht ein besonderes Verbrennungs- oder Verbrühungsrisiko bei Querschnittlähmung durch:

  • Heißes Wasser (beim Baden, Duschen oder Spülen)
  • Wärmflaschen, Wärmepflaster, elektrische Heizdecken und heiße Umschläge (etwa bei Blähungen)
  • Heiße Heizkörper
  • Heiße Kaffee- und Teetassen
  • Das Trocknen von Haut und Haaren mit einem elektrischen Haartrockner
  • Beim Rauchen durch herabfallende Asche
  • Direkte und intensive Sonneneinstrahlung
  • In der Sonne stark erhitzte metallene Komponenten an Rollstuhl, Kleidung oder Accessoires

Brandwunden richtig versorgen

Entgegen früherer Annahmen ist eine (Unter-) Kühlung durch kaltes Wasser zu vermeiden. Das betroffene und umliegende Gewebe kann durch große Kälte über einen langen Zeitraum ebenso viel Schaden nehmen, wie durch die Verletzung an sich. Vor allem bei großflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen muss eine Unterkühlung unbedingt vermieden werden, da der zusätzliche Stress für den Organismus ein weiteres Risiko für den gesundheitlichen Zustand des Betroffenen darstellen würde.

Auch ist bei der Erstversorgung, falls möglich, auf eine angepasste Umgebungstemperatur zu achten. Als Faustregel gilt: Wenn es für den Helfer angenehm ist, ist es für den Betroffenen meist zu kalt. Grund hierfür ist, dass (großflächige) Verbrennungen und Verbrühungen den Organismus in einen Schockzustand (hypovolämischen Schock) versetzen, der durch eine niedrige Umgebungstemperatur verschlimmert werden kann.

Ebenfalls gemieden werden sollten, Kühlpacks oder Verbrennungsgelkompressen. Trockene Verbände kleben und lassen sich nur unter weiteren Verletzung der Haut wieder entfernen.

Verbrennung dritten Grades.

Verbrennung dritten Grades.

Wenn thermischen Verletzungen auftreten, sollte man schnellstmöglich die Hitzequelle entfernen bzw. löschen. Bei Verbrühungen sollte die in Mitleidenschaft gezogene Kleidung entfernt werden, bei Brandwunden wird empfohlen sie am Körper zu belassen, damit beim Ausziehen keine zusätzlichen Verletzungen verursacht werden. Dann behandelt man die betroffene Stelle wenige Minuten mit Wasser, das eine Temperatur von ca. 20 Grad Celsius haben sollte, um zu vermeiden, dass sich die Hitzeschäden weiter ins umliegende Gewebe ausbreiten. Feuchte, locker aufgelegte Kompressen (im Idealfall mit physiologischer Kochsalzlösung auflegen) schützen die Wunde. Größere Brandwunden sollten nur von Fachpersonen versorgt werden; bei großflächigen Verletzungen muss der Notarzt alarmiert werden.

Sollte es zu Brandblasen kommen, besteht die Frage, ob sie geöffnet werden sollten oder nicht. Die mit Gewebeflüssigkeit gefüllte Blase, kann im Alltag störend wirken. Beim Öffnen besteht allerdings die Gefahr, dass die Wunde sich infiziert, während sie steril bleibt, wenn sie nicht aufgestochen wird. Sollte der Wunsch bestehen, sie zu öffnen, sollte dies keinesfalls in Eigeneregie, sondern von einem Arzt vorgenommen werden, der darauf achtet, dass die Haut auf der Wunde verbleibt und somit abdeckt und schützt.

Nachbehandlung von thermischen Wunden

Kleine Brandwunden verursachen eine gerötete Haut, höchstens kleine Blasen und heilen innerhalb von ca. zehn Tagen ohne Intervention wieder ab. Bei der Abheilung von größeren Verbrennungen und Verbrühungen können u. U. aber auch Narben zurückbleiben. Der Fett- und Feuchtigkeitshaushalt der neu gebildeten Haut ist oftmals beeinträchtigt. Narbenhaut neigt zur Hauttrockenheit, kann jucken und spannen. Eine regelmäßige Pflege mit fett- und feuchtigkeitsspendenden Cremes oder Lotionen ist daher wichtig. Wirkstoffhaltige Produkte, beispielsweise mit Urea (Harnstoff) führen der neu gebildeten Haut ebenfalls Fett zu, erhöhen die Hautfeuchte und lindern den Juckreiz. Es wird empfohlen die Haut bei Narbenbildung in den ersten 6-12 Monaten nach der Verletzung keiner direkten und/oder intensiven Sonneneinstrahlung auszusetzen. Die Sonnenbrandgefahr ist sehr groß und es können dauerhafte, auffällige Hautverfärbungen zurückbleiben. Lässt sich eine Exposition nicht vermeiden, etwa wenn die Verletzung im Gesicht war, sollte man darauf achten, die Narbe stets mit Sonnenschutzmitteln mit sehr hohen Lichtschutzfaktoren einzucremen (hautstadt, 2015).

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