Wenn die Toilette online ist

Die Hightech-Toilette kommt aus Japan. Für medizinische Zwecke hat Toilettenbauer Toto ein Modell entwickelt, das Urinwerte messen kann. In Zukunft soll die „intelligente Toilette“ außerdem in der Lage sein, auch den Stuhl medizinisch zu analysieren und die Werte auf Wunsch direkt an den Hausarzt zu senden.

 

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„Bitte nehmen Sie sich einen Becher und stellen Sie ihn nach dem Wasserlassen hinter die Klappe dort.“ Diese freundliche Anweisung beim Hausarzt oder Urologen könnte Geschichte sein, wenn die Entwicklung der japanischen Hightech-Toiletten weitergeht und medizinisch ausgerichtete WCs irgendwann auch den deutschen Markt erobern sollten. Ein Modell, das den Zucker im Urin messen kann, gibt es bereits und die Entwickler machen vor der Auswertung von Stuhl nicht halt. Die Vision: „Die Heimtoilette könnte dann deinen Stuhl medizinisch analysieren und wenn sie online ist, können die Werte direkt zum Hausarzt geschickt werden“, erklärt Junichi Tani, Chefdesigner bei Toto, dem größten Hersteller von Toiletten in Japan.

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Auch motorisch eine Hilfe: „Die berührungslose Intimreinigung mit warmem Wasser“ (Copyright: Toto Europe GmbH)

Meine Toilette weiß, was ich will

Schon heute können Toiletten von Toto in Deutschland gekauft werden. Noch geht es dabei um Design und Komfort: Die erhältlichen Modelle spülen den Unterleib in verschiedenen Variationen, heizen die Klobrille vor, reinigen sich mit antibakteriellem Wasser selbst oder vernichten unangenehme Gerüche. Und das bei Meeresrauschen oder Musik, um menschliche Geräusche dezent zu überlagern. In Japan gehören sie zum Standard in Restaurants und in öffentlichen Anlagen. Aber auch rund die Hälfte aller japanischen Privathaushalte ist nach Angaben des Herstellers mit einer Toto-Toilette ausgestattet.

Meine Toilette weiß, was ich habe

Noch nicht. – Aber in Zukunft soll das stille Örtchen auch analysieren und kommunizieren. Das erste medizinisch orientierte Modell, die „intelligente Toilette“, kommt in Japan gerade auf den Markt. Sie fängt den Urin in einem Zusatzbehälter auf und analysiert seinen Zuckerwert, außerdem kann sie den Blutdruck, das Körpergewicht und die Temperatur messen. Nach einer Weiterentwicklung soll sie über das angeschlossene Computersystem die medizinischen Messwerte per Mail zum Wunscharzt schicken können.

Für Menschen mit Neurogener Dysfunktion des unteren Harntrakts, auch als Neurogene Blasenfunktionsstörungen bekannt, könnte das medizinisch ausgerichtete Hightech-Klo den Alltag erleichtern. Da Blaseninfektionen zu ihren häufigsten Komplikationen zählen, gehört die regelmäßige Kontrolle des Urins für viele zur Routine. Statt Teststäbchen in selbst abgefangene Urinproben zu halten oder Becherproben zum Arzt zu verfrachten, würde ein Befehl an das Wasserklosett genügen, so zumindest die Vision. Je nach Einstellung könnten auffällige Werte ohne weiteres Zutun an die gewünschte Adresse versendet werden.

Wie differenziert und verlässlich diese Messungen sein können, ob eine solche Toilette eine Zulassung in Europa bekommen kann und ob ein Arzt sich von ihr über die Urinwerte seines Patienten aufklären lässt, bleibt wohl zu fragen. Aber schön ist er schon, der Traum von der Becherprobe, die keiner mehr braucht.

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Nachtrag: In Deutschland geht`s nicht ganz so ausgefuchst zu. Die bislang erhältlichen Toilettenmodelle setzen auf Komfort, weniger auf medizinische Aspekte. Hersteller wie Geberit, Wacor, Spannring, Grohe oder Spahn bieten Toiletten oder Aufsätze, die duschen und föhnen, eine berührungslose WC-Deckel-Automatik besitzen, mit ihrer Sitzheizung dem Autositz Konkurrenz machen und per Geruchsabsaugung für ein gutes Raumklima sorgen wollen. Dabei gibt es sowohl das Komplettpaket als auch Teilfunktionen zu etwas niedrigeren Preisen. Diese können dennoch schnell bei mehreren Tausend Euro liegen – ohne Einbau.

Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes zeigt in der Produktgruppe „Toilettenhilfen“ 18 verschiedene WC-Aufsätze mit Waschfunktion. Indikation: „Krankheitsbilder oder Behinderungen mit erheblichen funktionellen Defiziten der oberen Extremitäten, die  der Ohnhändigkeit gleichkommen mit der Folge, dass die selbständige Reinigung des Intim- und Analbereiches nach der Toilettennutzung auf herkömmliche Weise nicht möglich ist“ (GKV-Hilfsmittelverzeichnis, 2016).