Fatigue – Chronische Erschöpfung

Das Fatigue-Syndrom, kurz Fatigue, oder auch Erschöpfungssyndrom tritt häufig begleitend zu chronischen Erkrankungen auf, u. a. bei Krebs, Multipler Sklerose oder Rheuma. Auch bei Querschnittlähmung wird Fatigue zunehmend als Begleiterkrankung genannt.

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Das Fatigue-Syndrom

Mit Fatigue wird ein anhaltendes Gefühl von Müdigkeit und Antriebslosigkeit bezeichnet, das den gesamten Tagesablauf beeinflusst. Ausreichend Schlaf kann die Müdigkeit nicht bessern und Betroffene fühlen sich schwach, abgeschlagen und überfordert. Auch wenn Fatigue gemeinhin (noch) nicht als offizieller medizinischer Ausdruck gilt, hat sich der Begriff vor allem in Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen etabliert.

Fatigue, Burn-out und das Chronische Erschöpfungssyndrom

Fatigue als Krankheitssymptom ist abzugrenzen gegenüber dem Chronischen Erschöpfungssyndrom, das nicht als Nebenerscheinung einer Erkrankung, sondern als eigenständige Krankheit auftritt. Neben den Erschöpfungs- und Müdigkeitszuständen treten Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Schlafstörungen auf. Auch das sog. Burn-out-Syndrom, ein Zustand emotionaler Erschöpfung und Ausgebranntheit mit der Gefahr, psychosomatische Erkrankungen oder Suchterkrankungen zu entwickeln, ist von der Fatigue abzugrenzen (Ratgeber Fatigue, 2015).

Fatigue bei Querschnittlähmung

Wie es zu Fatigue bei Querschnittlähmung kommen kann, ist nicht ganz klar. Verschiedene Faktoren (bzw. eine Kombination daraus) scheinen Fatigue auslösen zu können. Dazu gehören Veränderungen des Blutbildes oder Blutarmut, ernährungsbedingte Einflüsse oder psychologische Faktoren. Zudem kann Fatigue als Nebenwirkung verschiedener Medikamente auftreten.

Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass inkomplett querschnittgelähmte Fußgänger häufiger von Fatigue betroffen sind als komplett und inkomplett gelähmte Rollstuhlfahrer. Die Wahrscheinlichkeit als Querschnittgelähmter mit erhaltener Gehfunktion Fatigue zu entwickeln, liegt um 50% höher als bei Rollstuhlfahrer (Hammell, 2009). Eine mögliche Ursache hierfür könnte die unterschiedliche Rehabilitation bei den verschiedenen Läsionen sein. Andererseits ist es aber auch möglich, dass an Querschnittgelähmte mit erhaltener Gehfunktion eher der Anspruch gestellt wird (allen voran von sich selbst), so weiter zu funktionieren wie bisher. Diese kräftezehrende Strategie kann durchaus eine Weile aufgehen. Bis zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr tut (siehe auch: Wie jetzt? Ich bin nicht unverwundbar?)

Wenn man als Querschnittgelähmter, im Laufe der Rehabilitation feststellt, dass Symptome auftreten, die auf Fatigue hindeuten, sollte man diese auf keinen Fall ignorieren oder hoffen, sie würden von alleine wieder verschwinden. Eher ist es zu erwarten, dass sich die Symptomatik mit der Zeit verschlimmert, wenn man nicht entsprechend damit umgeht.

Behandlungsmöglichkeiten bei Fatigue

Da Fatigue von verschiedenen Faktoren ausgelöst werden kann, ist auch die Behandlung eine vielschichtige. Medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen sollen dem Betroffenen helfen, mit dem Erschöpfungssyndrom besser umgehen zu können.

  • Therapie bei physisch bedingter Fatigue

Sobald Fatigue diagnostiziert ist, wird zunächst die mögliche Blutarmut (Anämie) behandelt werden. Dabei werden dem Körper rote Blutkörperchen in Form einer Transfusion zugeführt oder die körpereigene Produktion der roten Blutkörperchen hormonell angeregt. Beide Methoden sorgen für eine rasche Vermehrung des Sauerstoffs im Blut und damit für eine Steigerung von Energie und Leistungsfähigkeit.

Neben der Blutarmut können Stoffwechselstörungen die Ursache einer Fatigue sein. Dazu können Hormonstörungen sowie Störungen der Schilddrüse oder der Nebennieren gehören. Diese Störungen können medikamentös behandelt werden.

  • Therapie bei psychisch bedingter Fatigue

Das Leben mit einer chronischen Krankheit oder eine Behinderung kann eine andauernde psychische Belastung darstellen. In Einzelfällen können Symptome wie andauernde negative Verstimmung, Motivations- und Antriebslosigkeit mit Psychopharmaka behandelt werden, gemeinhin werden aber verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie Gesprächstherapien in Einzelsitzungen oder Gruppengesprächen empfohlen. Auch das Erlernen von Entspannungsmethoden kann Erleichterung bringen.

  • Sport und Bewegung

Sport und Bewegung können einen positiven Effekt auf sowohl physisch als auch psychisch bedingte Fatigue haben. Ein anhaltender Bewegungsmangel kann negative Effekte auf die Leistungsfähigkeit und damit auf den Krankheitsverlauf haben. Ausdauersportarten wie Handbiken oder Schwimmen sowie Teamsportarten (z. B. Rollstuhlbasketball) sind ideale Bewegungsmöglichkeiten für Querschnittgelähmte, die an Fatigue leiden, da sie die Leistungsfähigkeit steigern und die Stimmung heben (Ratgeber Fatigue, 2015). Siehe auch: Stefan Lange über Sport und Gesundheit bei Querschnittlähmung

Fatigue bei Querschnittlähmung – Wie damit umgehen?

In einer Studie aus dem Jahr 2009 kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Empfehlungen, die u. a. die Deutsche Fatigue Gesellschaft allgemeingültig ausspricht, auch betroffenen Querschnittgelähmten helfen können, mit Fatigue umzugehen.

  • An erster Stelle sollte man mit dem sozialen Umfeld, aber auch dem Arzt offen über die Problematik sprechen. Verständnis wird sich dann einstellen, wenn alle mittelbar Betroffenen wissen, was los ist und wie sich der Fatigue-Kranke fühlt. Eine Hilfestellung wie man das Thema anderen nahebringen kann, bietet die Löffeltheorie von Christine Miserandino.
  • Betroffene sollten auf ihren Körper hören und ihn unterstützen, z. B. durch
    • Verbesserung der Bedingungen für einen angenehmen und entspannenden Schlaf
    • Das Einplanen von Ruhepausen über den Tag verteilt
    • Eine gesunde, angepasste Ernährung mit kleinen Portionen (siehe: Ernährung bei Querschnittlähmung) und ausreichender Flüssigkeitszufuhr.
  • Fatigue sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen und man sollte den Umgang mit der Problematik in den Alltag einbauen, etwa durch
    • Das bewusste Einplanen von schönen Dingen
    • Den Versuch alltägliche Tätigkeiten so kraftschonend wie möglich zu gestalten
    • Das Akzeptieren der eigenen Grenzen, ohne sich dabei zu unterfordern (DFG, 2015).

 

Siehe auch: Die Löffeltheorie bei Querschnittlähmung

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