Was ist denn das für ein Aufzug? – Fahrstühle im Vergleich

Aufzug ist nicht gleich Aufzug, aber nach oben geht es immer: mit Personenaufzügen, Behindertenaufzügen oder explizit barrierefreien Aufzügen. Auch eine Nachrüstung von vorhandenen Anlagen kann manchmal zweckmäßig sein.Bild 11002099 Copyright pryzmat, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

 

1854 demonstrierte der amerikanische Ingenieur E. G. Otis eindrucksvoll die Wirksamkeit der von ihm erfundenen automatischen Aufzugsbremse. Er ließ sich auf einer Plattform in die Lüfte ziehen, bis auf einer bestimmten Höhe das Tragseil durchtrennt wurde. Doch anstatt nach unten zu rasen, kam der Aufzug schon nach wenigen Zentimetern zum Stehen. – Otis hatte Bremsbacken in das System eingesetzt, die in die gezahnten Führungsschienen griffen und die Bewegung zum Stillstand brachten.

Diese Mechanik, die keinen Strom braucht, funktioniert auch heute noch. Gegenüber weiteren Sicherungssystemen, wie mehreren Tragseilen und einem Luftkissen unterhalb der Bodenplatte, ist sie nach wie vor das wichtigste Element zur Sicherung von Aufzügen.

Aufzüge können also theoretisch nie und nimmer abstürzen. Außerdem sind sie eines der effektivsten Mittel auf dem Weg zu baulicher Barrierefreiheit. Das gilt im öffentlichen Raum, kann aber auch in privaten Häusern oder Maisonettewohnungen wortwörtlich zum Tragen kommen.

Kleine Liftkunde

Ein Aufzug ist ein Aufzug, wenn er mindestens 1,80 m überwindet und dazu eine Kabine und feste Zugangsstellen besitzt. Die „vertikale Transportanlage“, auch Lift oder Fahrstuhl, kann verschiedene Antriebsarten haben:

  • Beim Seilaufzug hängt die Kabine an Stahlseilen. Diese Art des Antriebs kann im Vergleich die höchsten Höhen überwinden und eignet sich auch für Wolkenkratzer.
  • Bei hydraulischen Aufzügen wird die Kabine durch Kolben bewegt. Durch das Einleiten von unter Druck stehender Flüssigkeit werden die Kolben und Kolbenstangen in Bewegung versetzt.
  • Ähnlich funktioniert auch der Vakuumantrieb, allerdings mit Luft. Eine Druckluftpumpe hebt oder senkt den Lift.

Weitere Antriebsarten sind der Traktionsantrieb, Spindelantrieb oder Zahnstangenaufzug (vgl. Wikipedia).

Gemäß Betriebssicherungsverordnung (BetrSichV) ist jede Aufzugsanlage zur Personenbeförderung überwachungsbedürftig. Die Anlage muss bautechnischen, brandschutztechnischen und ablauftechnischen Anforderungen genügen. Man kann sich daher nicht einfach einen Lift in die eigene Behausung einbauen lassen. Zur Sicherheit braucht es dazu Prüfungen durch zugelassene Überwachungsstellen; eine vor Inbetriebnahme und wiederkehrende in regelmäßigen Abständen. Damit die Bremsbacken auch wirklich greifen, wenn es drauf ankommt.

Wie bei allen Ein- oder Umbauten gilt, dass sie in Mietwohnungen und Mietshäusern in Absprache mit dem Vermieter zwar in der Regel eingebaut werden dürfen, der Vermieter kann aber verlangen, dass mit dem Auszug der alte Zustand wieder hergestellt werden muss. Eine Aufzugsanlage lohnt sich deshalb eher im Eigenheim und kann ggf. auch bezuschusst werden, wenn ein behinderter Bewohner durch sie z. B. unabhängiger von Pflege wird oder der Aufzug nötig wird, um selbstständig zur Arbeit zu kommen. Voraussetzung ist, dass es keine günstigere und ebenso effektive Maßnahme gibt. Daher sind es in aller Regel Treppenlifte, die bei ausreichender Begründung bewilligt werden. Eine Übersicht über Urteile zu Treppenliften und Aufzugsanlagen als Hilfsmittel hat die Online-Datenbank Rehadat. (Siehe auch: Finanzierung von barrierefreiem Wohnraum)

Pro- und Contra eigener Personenaufzug

Die Vorteile eines privaten Lifts

  • Gute Bedienbarkeit
  • Sicherheit
  • Überwindbarkeit auch größerer Höhendifferenzen
  • Komfort
  • Gestaltungsmöglichkeiten: Glas, pulverbeschichtete Aluminiumbereiche, Granit u. a.
  • Treppen bleiben frei

Mit geringen Kosten kann der private Personenaufzug nicht punkten. Der vergleichsweise hohe Aufwand des Einbaus bedingt auch erhebliche Kosten. Hersteller von Personenaufzügen liefern zum Teil Schachtgerüste aus Aluminiumprofilen. „Die Schachtgrubentiefe beträgt bei Geschwindigkeiten größer als 0,2 Meter pro Sekunde mindestens 1.000 Millimeter. Bei Geschwindigkeiten bis zu 0,2 Metern pro Sekunde kann diese unter bestimmten Voraussetzungen deutlich verringert werden“ (Leben&Weg 6/2014). Liegt der Antrieb direkt unter der Kabine, ist kein Maschinenraum nötig.

Auf der Contra-Liste stehen zudem Lieferfristen und erforderliche Serviceleistungen, die auch nach dem Einbau weiterhin nötig sind. Das Schweizer Zentrum für Hindernisfreies Bauen (ZHB) empfiehlt deshalb ein Serviceabonnement mit dem Hersteller abzuschließen.

Der gesamte Einbau braucht Zeit: Neben der Lieferfristen muss auch die Notwendigkeit zur Bewilligung als Zeitfaktor eingerechnet werden.

Einen Aufzug nachrüsten

Manchmal ist die Freude über einen vorhandenen Personenaufzug von kurzer Dauer: Entweder er stoppt so ungenau, dass Stufen zwischen Kabinenboden und Hausflur oder Wohnbereich entstehen, oder die Türen stammen von Anno dazumal und verbreiten mit Dreh- und Faltkonstruktionen 50er-Jahre Charme. Mit dem Rolli, Kinderwagen und Co. leider mühsam bis unbrauchbar.

Für solche Fälle gibt es z. T. nachrüstbare elektronische Schiebetüren mit Lichtschranken. Auch die Steuerung des Antriebs kann ggf. ausgetauscht werden, sodass ein Lift genau dort zum Stehen kommt, wo es erwünscht ist.

Explizit barrierefrei: Die DIN EN 81-70

Die Zugänglichkeit von Aufzügen für Personen mit Behinderungen ist in Deutschland in der Norm DIN EN 81-70 geregelt. Sie geht über die allgemeinen Sicherheitsanforderungen hinaus und ist grundsätzlich verbindlich, wenn Aufzugsanlagen gemäß der Landesbauordnung als rollstuhlgerecht und/oder barrierefrei auszuzeichnen sind. Im privaten Bereich sind diese Anforderungen nicht bindend und auch nicht unbedingt sinnvoll, weil sie unterschiedliche Einschränkungen berücksichtigen.

Vorgaben für einen Aufzugstyp bis 450 kg Traglast

  • Eine Kabinengröße von mindestens 1 m x 1,25 m mit einer Türbreite von mindestens 80 cm.
  • Eine Schutzeinrichtung, die verhindert, dass einsteigende Personen eingeklemmt werden. Sie soll mindestens den Bereich ab 25 cm bis 1,80 m über dem Boden abdecken.
  • Handlauf an mindestens einer Seite der Kabine.
  • Ein Spiegel an mindestens einer Seite der Kabine ist ebenfalls Vorschrift.
  • Gute Erreichbarkeit der „Befehlsgeber“, also der Schalter in der Kabine und an den Stationen.
  • Anzeigen in der Kabine und an den Stationen (Displays, die das Stockwerk anzeigen).
  • Informationen über Sprachanzeige.

Bei größeren Fahrstühlen verändern sich die Maße und Höchsttraglasten entsprechend.

Behindertenaufzüge

Zu den sogenannten „Behindertenaufzügen“ zählen Plattformlifte, die z. B. gelegentlich in Museen, Behörden oder anderen öffentlichen Gebäuden zu finden und nur mithilfe von Mitarbeitern zu benutzen sind. Das liegt auch an der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, die vorschreibt, dass solche Aufzüge ausschließlich von Menschen mit Behinderung und ihren Begleitpersonen benutzt werden dürfen. Sie müssen deshalb regelrecht „verschlüsselt“ werden.

Man unterscheidet zwischen Senkrecht- und Schrägaufzügen. Beide sind außen und innen nutzbar und dürfen nicht schneller als 0,15 m pro Sekunde fahren. Außerdem sind sie im öffentlichen und privaten Raum prüfpflichtig, wenn sie eine Absturzhöhe von 3 m überschreiten. Die Plattform nennt sich im Behördendeutsch „Lastaufnahmemittel“, denn die Kabine muss nicht zu allen Seiten geschlossen sein.

Im Gegensatz zum Aufzug für alle braucht der Behindertenaufzug aber eine Totmannsteuerung: Mann tot = Steuerung tot, soll heißen, dass der Aufzug nur auf Knopfdruck fährt. Dazu muss entweder ein Schlüsselschalter, ein Bedienhebel oder eine Fernbedienung während der gesamten Fahrt aktiviert werden.

Vorteile eines Behinderten-Senkrechtaufzuges

  • Geringere Anschaffungskosten im Vergleich zum Personenaufzug
  • Bei ausreichend Platz ist die Anpassung vergleichsweise einfach.
  • Niedrigere Kosten für Betrieb und Wartung im Vergleich
  • Innen und außen einsetzbar

Wieder anders sind sogenannte Hebelifte zu behandeln. Sie schaffen eine senkrechte Hubhöhe von bis zu drei Metern und können als mobile Hilfe auch ohne Strom mit einer mechanischen Pumpe betrieben werden. Während der Aufzug noch über eine Kabine verfügt, reicht bei Hubliften im privaten Bereich ein Sicherheitsbügel aus. Im öffentlichen Raum wird eine kontaktgesicherte Tür verwendet.

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www.paranet.ch/spv

www.nullbarriere.de

 

Siehe auch: Wohnen mit Treppenlift; Die Treppe, die zum Lift wird

 

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