DRS-Umfrage zur Rollstuhlversorgung: die Ergebnisse

Im Frühjahr 2014 startete der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) eine Umfrage zur Rollstuhlversorgung. 66 Prozent der Teilnehmer wussten bis dahin gar nicht, dass sie einen Anspruch auf Einweisung in den Gebrauch ihres Rollstuhls haben. Dieses und andere Umfrage-Ergebnisse schreien nach mehr Aufklärungsarbeit.

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Wenn der erste Rollstuhl bewilligt wird, ist das ein grundlegender Schritt in Sachen Freiheit und Selbstbestimmung. Aber quasi nur die halbe Miete. Die andere Hälfte liegt darin, den Umgang mit dem neuen Gefährt sicher zu erlernen. Denn was nützt der beste Rollstuhl, wenn man mit ihm nicht über Schwellen kommt, beim Antreiben oder Transfer dauerhaft falsch belastet oder bei den kleinsten Pannen nicht weiter weiß?

Um sich sicher und mobil mit dem Rolli durch den Alltag bewegen zu können, empfiehlt der DRS mindestens ein Training der folgenden Kompetenzen:

Fahrtechniken

  • Richtiges Antreiben
  • Abbremsen
  • Lenken
  • Balancieren auf den Hinterrädern (Kippeln)
  • Transfertechniken

Technischer Umgang

  • An- und Abmontieren der Hinterräder
  • Zusammenfalten oder -klappen
  • Pflege und Instandhaltung
  • Prüfung von Luftdruck und Aufpumpen der Räder
  • Umgang mit dem Fußbrett

Doch nicht alle frischgebackenen Rollstuhlnutzer beherrschen die Techniken und kennen sich mit dem neuen Hilfsmittel so gut aus, dass es für den Alltag reicht. „Die im letzten Jahr durchgeführte Umfrage des DRS zum Thema ‚Zur Einführung und Ausbildung im Gebrauch des Hilfsmittels Rollstuhl‘ ergab, dass weniger als die Hälfte der Umfrageteilnehmer eine solche Einweisung erhalten hat“, so Lotta Czygan in ihrem Bericht. Sie plädiert darin im Namen des DRS für eine Ausbildung im Gebrauch des Rollstuhls im Rahmen von Mobilitätstrainings, sofern nicht bereits eine Erstrehabilitation in Kliniken das Wissen und die nötigen Fähigkeiten vermitteln konnte. Die bloße Einweisung durch Vertragshändler reiche nicht aus.

Diese Aussage stützt sich auf Umfrage-Ergebnisse, nach denen in der Einweisung durch Mitarbeiter eines Sanitätshauses nur ein Teil der wichtigsten Techniken erlernt werden konnte. Die Ausbildungsdauer sei hier im Vergleich zu Mobilitätstrainings deutlich geringer.

„Eine Ausbildung im Gebrauch ist wichtig, um die grundlegenden Rollstuhltechniken nicht nur erklärt zu bekommen, sondern aktiv zu erlernen und zu schulen“, schreibt Lotta Czygan. Auch das speziell geschulte Personal trage einen Großteil zur guten Ausbildung bei. Damit Betroffene eine solche Ausbildung beim zuständigen Rehaträger auch einfordern, sei Aufklärungsarbeit nötig.

Nur 2,1 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage sind nach eigenen Angaben von ihrer Krankenkasse darüber informiert worden, dass ihnen diese Einweisung im Rahmen der Rollstuhlauslieferung zusteht. 11,4 Prozent erfuhren es durch ihr Sanitätshaus, 68,1 Prozent gaben an, überhaupt keine Info darüber erhalten zu haben. Neben den Krankenkassen und den Leistungserbringern sieht der DRS hier auch die Ärzte in der Pflicht, die einen Rollstuhl verschreiben.

Relevantes Urteil

33 Abs. 1 S. 4 SGB V (Krankenversicherung) bestimmt ausdrücklich, dass die „Ausbildung im Gebrauch“ die Bewilligung eines Hilfsmittels einschließt. Im August 2014 bekräftigte das Sozialgericht Oldenburg diese Vorgabe, indem es eine Krankenkasse dazu verpflichtete, die Kosten für den Mobilitätskurs eines dreijährigen Kindes zu übernehmen und schloss den Anspruch auf die Teilnahme eines Elternteils gleich mit ein. In dem Fall handelte es sich um einen Fünf-Tages-Kurs (S 6 KR 412/12).

 

 

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