Gelesen: Ein ganzes halbes Jahr

2013 stürmte der Roman von Jojo Moyes an die Spitze der KulturSpiegel Bestsellerliste und brachte die Geschichte der jungen, orientierungslosen Lou und des Tetraplegikers Will einer breiten Leserschaft nah. Achtung: „Ein ganzes halbes Jahr“ ist eine Lektüre, bei der man unbedingt Taschentücher bereithalten sollte.

Bild 130330691 copyright patpitchaya, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Aus dem Inhalt

Lou ist eine junge Frau, lebt ein unspektakuläres Leben, wohnt noch immer bei ihren Eltern und ist mit ihrem Freund Patrick seit sieben Jahren liiert. Sie arbeitet als Aushilfe in einem Café, bis dieses schließt und sie nicht weiß, wie es weitergehen soll. Im Jobcenter werden ihr der ein oder andere Job vorgeschlagen, doch eigentlich möchte sie wie zuvor wieder in einem kleinen Café arbeiten und nicht anderen Menschen den Hintern abwischen. Letztendlich aus finanziellen Gründen nimmt sie eine Stelle als „Pflegehilfe und Gesellschaft für einen behinderten Mann“ auf ein halbes Jahr begrenzt an. Dieser junge Mann ist aufgrund eines Motorradunfalls nun Tetraplegiker und heißt Will. Will versucht irgendwie mit seinem Schicksal zurechtzukommen. Seine Eltern, die Traynors, haben deshalb eine Annonce aufgegeben, über die sie eine Gesellschafterin für ihren Sohn suchen. Oftmals stößt Lou an ihre Grenzen, weil sie eben keine Pflegefachkraft ist und nicht weiß, wie sie mit Will, der rechthaberisch und streitlustig scheint, umgehen soll.

Luo gelingt es, sich immer besser in ihre Rolle zu finden. Auch Will sieht in ihr eine Person, die mehr als Mitleid für ihn zeigt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, unternehmen sie vieles und erleben die Möglichkeiten und Grenzen als Tetraplegiker zu leben. Es geht soweit, dass sie sich von ihrem bisherigen Leben immer weiter löst, ihren Freund verlässt und sich in diesen Mann verliebt. An dieser Stelle erfährt Lou, dass die Stelle auf ein halbes Jahr befristet ist, weil Will zu Dignitas in die Schweiz gehen möchte.

Kommentar

Eine Liebesgeschichte ist es, aber keinesfalls eine gewöhnliche, kitschig und im Rosamunde-Pilcher-Format. Es ist auf keiner Seite so langweilig, dass man gerne weiterblättern möchte. Ein ganzes halbes Jahr ist ein langer Roman mit 544 Seiten, der sich jedoch mühelos lesen lässt und den man gar nicht mehr aus der Hand legen mag, weil man wissen möchte, was nach diesem halben Jahr passieren wird. Lou und Will erstürmen das Herz des Lesers im Nu und es ist eine Freude, die beiden als Leser begleiten zu können und zu sehen, wie sich das Leben der beiden in dieser Zeit verändert, was der eine beim anderen verändert. Wie sie von der gegenseitigen Abneigung der Zuneigung verfallen und plötzlich mehr als ein Arbeitsverhältnis zwischen ihnen entsteht. Zu lesen, was die beiden in dieser Zeit erleben und wie ihr Umfeld damit umgeht.

Man könnte meinen, die Autorin hat persönliche Erfahrungen, wenn sie die Probleme und medizinischen Komplikationen eines Tetraplegikers aus Lous Sicht als Laienpflegerin beschreibt. Dieser Roman ist in keine Schublade zu stecken, denn nicht Mitleid, Hoffnungslosigkeit und Herz-Schmerz stehen im Vordergrund, sondern es wird ganz sensibel mit Themen wie Liebe, Behinderung und Selbsttötung umgegangen, ohne Vorbehalte oder moralische Erschütterung.

Das Buch

  • Ein ganzes halbes Jahr
    • Jojo Moyes
    • Roman
    • Seiten: 544
    • ISBN: 9783499267031
    • Preis: ab 14,99 Euro (Stand: Nov. 2015)

Weitere Informationen

Für Infos zur Verfilmung des Romans und Trailer siehe: Ein ganzes halbes Jahr auf DVD und Blue-Ray

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.